Gucci-Mutter Kering will mit Jackenhersteller Moncler fusionieren

Die Daunenjacken und -mäntel von Moncler gibt es heute ab gut 800 Euro zu kaufen.

Die Daunenjacken und -mäntel von Moncler gibt es heute ab gut 800 Euro zu kaufen.

Hannover. Der Luxuskonzern Kering will mit Jackenhersteller Moncler fusionieren. Moncler-Chef Remo Ruffini teilte mit, dass es „Kontakte und Interaktionen“ mit Investoren und anderen Akteuren aus der Branche gebe – inklusive der Kering Group. Es gehe darum, strategische Möglichkeiten auszuloten, um die erfolgreiche Entwicklung von Moncler fortzuführen. Allerdings würden bislang keine "konkreten Hypothesen" geprüft. Auch so kann man Übernahmeverhandlungen umschreiben. Allein die Tatsache, dass das italienische Unternehmen die Gespräche bestätigt, deutet darauf hin, dass sie weiter fortgeschritten sein dürften, als offiziell bestätigt wird.

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Jackenhersteller Moncler an der Börse elf Milliarden Euro wert

Eine Übernahme von Moncler durch die französische Gucci-Mutter wäre der zweite Megadeal in der Luxusbranche in kurzer Zeit und zugleich eine Reaktion auf die erste Großakquisition. Anfang voriger Woche hatte Branchenprimus LVMH den Erwerb des US-Edeljuweliers Tiffany für rund 14,6 Milliarden Euro bekannt gegeben – die teuerste Übernahme aller Zeiten in der Luxusbranche. Ein Moncler-Kauf dürfte nur wenig darunter liegen, das italienische Unternehmen ist aktuell an der Börse rund elf Milliarden Euro wert. Kering-Chef Francois-Henri Pinault wird aber nur zuschlagen können, wenn er noch mindestens eine Milliarde drauflegt.

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Pinault und der LVMH-Chef Barnard Arnault wetteifern in Frankreich um Macht, Prestige und Einfluss. Allerdings liegt LVMH mit seinen 75 Marken (unter anderem Moët & Chandon und Christian Dior) ohnehin schon deutlich vor Kering. Mit der Übernahme von Tiffany wird der Abstand noch größer werden.

60 Prozent des Kering-Umsatzes mit Gucci-Produkten erwirtschaftet

Doch es kommen nicht nur Eitelkeiten zum Tragen, sondern auch harte Geschäftsinteressen. Gestärkt durch Tiffany kann Arnault Kering angreifen – im Geschäft mit Schmuck, aber längerfristig auch in der Modesparte. Und da ist Pinault verletzlich: Gut 60 Prozent des Umsatzes und drei Viertel des Betriebsgewinns von Kering wird mit Gucci-Produkten erwirtschaftet. Und was wird, wenn eine neue Kollektion der italienischen Modemacher bei den Reichen und Schönen einmal nicht ankommt? Zudem könnte eine globale Wirtschaftskrise Umsatz und Profitabilität gefährden. Eine Diversifizierung der Geschäfte wäre ein Schutz gegen solche Risiken.

Dass sich Pinault ausgerechnet den italienischen Daunenjacken-Hersteller ausgeguckt hat, ist kein Zufall. Moncler gilt, was die Geschäftszahlen angeht, als ein Star der Luxusbranche. Die Aktie ist in diesem Jahr um fast 50 Prozent nach oben geklettert. Der Kurs hat sich seit dem Börsengang 2013 vervierfacht. Das hat vor allem mit den hohen Renditen zu tun: Der operative Gewinn im Verhältnis zum Umsatz liegt aktuell bei knapp 29 Prozent. Das wird in der Welt der kostspieligen Konsumprodukte nur noch von Hérmes überboten.

Kering-Chef Francois-Henri Pinault mit seiner Frau, der Schauspielerin Selma Hayek. Gut 60 Prozent des Umsatzes und drei Viertel des Betriebsgewinns von Kering wird mit Gucci-Produkten erwirtschaftet.

Kering-Chef Francois-Henri Pinault mit seiner Frau, der Schauspielerin Selma Hayek. Gut 60 Prozent des Umsatzes und drei Viertel des Betriebsgewinns von Kering wird mit Gucci-Produkten erwirtschaftet.

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Bloomberg: Moncler-Chef bereit zu verkaufen - wenn der Preis stimmt

Moncler ist in allen Metropolen Europas mit eigenen Läden vertreten. Die Italiener betreiben aber auch in 49 chinesischen Großstädten sogenannte Flagship-Stores. Das Geschäft in der Volksrepublik hat maßgeblich zur Erfolgsgeschichte beigetragen. Und Analysten sehen dort trotz Handelskonflikten noch großes Potenzial.

Vater des Erfolgs ist Remo Ruffini. Er hat 2003 die damals französische Firma gekauft, die solide, aber unauffällige Outdoor-Bekleidung verkaufte. Er baute Moncler zu einer Luxusmarke um. Die Daunenjacken und -mäntel gibt es heute ab gut 800 Euro aufwärts. Sie sind ein internationales Statussymbol geworden. Ruffini ist mit 22,5 Prozent noch immer der größte Aktionär von Moncler. Von ihm wird es wesentlich abhängen, ob der Deal zustande kommt. Laut der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg soll er bereit sein zu verkaufen, wenn der Preis stimmt.

Für Moncler würde sich durch eine Übernahme insbesondere die Möglichkeit ergeben, das Sortiment zu erweitern, das bislang sehr stark auf die Daunenwaren fixiert ist. Kering könnte sich einen Milliarden-Deal leisten, hätte damit dann aber einen Großteil seiner Finanzkraft für große Übernahmen aufgebraucht. Allerdings wird bereits spekuliert, dass sich die Franzosen Geld durch den Verkauf von Beteiligungen beschaffen könnten. So ist Kering unter anderem am deutschen Sportartikel-Unternehmen Puma mit 16 Prozent beteiligt. Das Paket ist rund 1,6 Milliarden Euro wert.

Kering: Übernahme des Uhrenkonzerns Richemont?

Nach der Bekanntgabe des LVMH-Tiffany-Deals hatten Beobachter gemutmaßt, dass Kering nun dem Schweizer Uhrenkonzern Richemont Avancen machen könnte. Analysten vermuten indes, dass die neue LVMH-Dominanz weitere Nobelmarken zu Übernahmekandidaten machen wird. Zu allererst wird Burberry genannt. Die Briten haben gerade eine Umstrukturierung hinter sich, und es gibt dort keinen Großanteilseigner, der überzeugt werden müsste. Zu den kleineren Luxus-Mode-Firmen zählen überdies Prada und Ferragamo (beide Italien). Sie werden aber von Familien kontrolliert, die bislang keine Anstalten gemacht haben, zu verkaufen.

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