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Glänzende Perspektiven für einen Neustart der Wirtschaft – wenn das teure Gas nicht wäre

Zwei Gasflammen brennen auf einem Küchenherd (Symbolfoto).

Frankfurt. Kommt jetzt der große Neustart der Wirtschaft? Corona scheint fast überwunden. In der Ukraine-Krise scheint sich die Lage zu entschärfen. Und die Lieferengpässe für die Industrie verschwinden allmählich. Wir erläutern, was das für Verbraucher und Unternehmen bedeutet.

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Tourismus

In keiner anderen Branche ist die Euphorie derzeit so groß wie in der Touristik. Nach zwei Jahren Pandemie sind die Deutschen offenbar urlaubsüberreif. Bereits jetzt seien sich mehr als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher sicher, in diesem Jahr in den Urlaub zu fahren, berichtete gerade die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen. Das sei etwa ein Viertel mehr als vor zwölf Monaten. Die Bürgerinnen und Bürger seien coronamüde. Sie sehnten sich nach Sonne, Strand und Meer, sagt Ulrich Reinhardt, Chef der Stiftung.

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Von steigenden Buchungszahlen berichtet denn auch der Branchenprimus Tui. Konzernchef Fritz Joussen setzt darauf, dass es schnell weitere Lockerungen gibt. Tui hat jedenfalls wegen hoher Nachfrage das Mallorca-Geschäft bereits gestartet, einen Monat früher als in den Vorjahren. Ziele rund ums Mittelmeer werden verstärkt auch von der Lufthansa angeflogen. Auf einzelnen touristischen Strecken sollen die Buchungen bis zu dreimal höher als vor der Pandemie sein. Die Reiselust dürfte auch damit zusammenhängen, dass bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern der Geldbeutel locker sitzt.

Viele Haushalte hätten in der Pandemie „große Ersparnisse gebildet“, sagte Sebastian Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er geht von einer generellen Erholung der Konsumnachfrage aus, sofern die Pandemie abebbe und die Ukraine-Krise sich nachhaltig entspanne.

Hegt die Hoffnung, dass sich das Wachstum wieder beschleunigt: IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Hegt die Hoffnung, dass sich das Wachstum wieder beschleunigt: IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Industrie

Aluminium gilt als ein verlässlicher Frühindikator für die Lage in vielen Industriesparten. Das Leichtmetall wird für eine große Zahl von Produkten benötigt, insbesondere für Fahrzeuge. An den Rohstoffbörsen liegen die Notierungen nicht weit weg vom Allzeithoch von 3380 Dollar pro Tonne.

Zuletzt ging es insbesondere wegen China – dem mit Abstand größten Alumarkt – nach oben, weil in der Volksrepublik die Inflation zurückgegangen ist. Das lässt auf eine Lockerung der Geldpolitik hoffen, was Investitionen – insbesondere in der Autobranche – beflügeln kann.

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Apropos: Mercedes-Benz hat gerade eine überraschend hohe Umsatzrendite, Gewinn im Verhältnis zum Umsatz, von 15 Prozent für 2021 gemeldet. Mercedes konnte hohe Preise durchsetzen, dank großer Nachfrage und eines beschränkten Angebots wegen des grassierenden Chipmangels.

Beim Rivalen BMW läuft es ähnlich. Branchenkenner erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Nun aber, weil sich der Chipmangel langsam entspannt und die aufgestaute Nachfrage abgearbeitet werden kann. Dullien betont: Es zeichne sich ab, „dass sich die Lieferprobleme bei Vorprodukten allmählich entspannen“.

Mit einem deutlichen Anstieg der gesamten Industrieproduktion könne gerechnet werden. Und das in einem Moment, da nach Angaben des Ifo-Instituts die Unternehmen über einen Auftragsbestand für die nächsten viereinhalb Monate verfügen. Einen derart hohen Wert habe es seit Beginn der Erhebung (im Jahr 1969) noch nie gegeben.

Öl und Gas

Die Rohölnotierungen haben in den vergangenen Tagen ein erstaunliches Auf und Ab hingelegt. Erst ein starker Anstieg wegen eines angeblich bevorstehenden russischen Angriffs auf die Ukraine. Dann ein krasser Absturz, als Präsident Wladimir Putin Verhandlungen und den Abzug von Truppen ankündigte.

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Am Mittwoch ging es wieder bergauf. Diesmal wegen „Nachfragedynamiken“, so die Experten des Finanzdienstes Bloomberg. Also die Erwartung einer weiteren Erholung der Weltwirtschaft. Zugleich ist das Ölstaatenkartell Opec+ nicht in der Lage, die selbst gesetzte Erhöhung der Förderung zu erreichen.

Für Dullien ist indes die Preisfrage beim Erdgas maßgeblich: Falls er auf seinem aktuellen Niveau bliebe und die Versorger die höheren Beschaffungskosten an die Haushalte weiterreichten, „so droht die Inflation auch in der zweiten Jahreshälfte deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank zu bleiben“. Das werde Haushalte sowie Unternehmen belasten und die wirtschaftliche Erholung verzögern.

Würden die Preise aber auf das Niveau des vorigen Sommers fallen, so wäre – auch bei einem hohen Rohölpreis – mit einem Rückgang der Inflation in Richtung des Zielwertes der EZB von 2 Prozent zu rechnen. Derzeit ist Erdgas im Großhandel noch mehr als doppelt so teuer wie Mitte 2021.

Kann es dennoch zur Überhitzung der Wirtschaft kommen? Mit steigenden Löhnen und steigenden Preisen, die sich gegenseitig hochschaukeln? Dullien sieht keine Gefahr: „Zwar ist die Arbeitslosigkeit niedrig, aber die Arbeitszeiten liegen noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau.“

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Wenn die Lieferungen von Vorprodukten wieder problemlos funktionieren, sei eine „spannungsfreie spürbare Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Produktion“ möglich. Die Inflationsgefahren kämen derzeit „ganz klar von den Energiepreisen und Lieferketten, nicht von inländischer Überhitzung“.

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