Deutschland und Spanien dafür

Spanischer Gasversorger: Fertigstellung von Pipeline nach Frankreich in einem Jahr möglich

Am Gastransportzentrum von Enagas in dem spanischen Dorf Hostalric endet die „Midcat“-Pipeline. Im Entwurf für einen gemeinsamen Aktionsplan setzen sich Deutschland und Spanien 2022 für den Bau einer Gas-Pipeline über die Pyrenäen ein. (Archivbild)

Am Gastransportzentrum von Enagas in dem spanischen Dorf Hostalric endet die „Midcat“-Pipeline. Im Entwurf für einen gemeinsamen Aktionsplan setzen sich Deutschland und Spanien 2022 für den Bau einer Gas-Pipeline über die Pyrenäen ein. (Archivbild)

Berlin/Madrid. Zur Sicherung der europäischen Energieversorgung könnte eine dritte Gaspipeline von Spanien nach Frankreich innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden. Der Chef des wichtigsten spanischen Gasnetzbetreibers Enagas, Arturo Gonzalo Aizpiri, sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur: „Rein technisch gesehen dauert der eigentliche Bau einer Infrastruktur dieser Art nach Erhalt aller Genehmigungen etwa ein Jahr.“ Die „Midcat“-Pipeline sei durch die Beschädigung von Nord Stream 1 und 2 noch wichtiger geworden.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht dem Projekt ablehnend gegenüber. Frankreich wolle nicht zu einem großen Gasimporteur werden, führte er als einen Grund an. Macron sprach kürzlich außerdem von fünf bis acht Jahren Bauzeit.

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Diese Woche solle es kurz vor dem EU-Gipfel am Donnerstag zu dem Thema ein Treffen der Regierungschefs Spaniens und Portugals, Pedro Sánchez und António Costa, mit Macron in Paris geben, sagte Aizpiri. Ein gemeinsamer europäischer Energiemarkt sei unerlässlich für die Versorgungssicherheit aller und stehe über den jeweiligen Interessen einzelner Länder, so der Gas-Manager.

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Die auch von Bundeskanzler Olaf Scholz gemeinsam mit Sánchez und Costa befürwortete „Midcat“-Pipeline soll von Barcelona über die Pyrenäen bis zur Anbindung an das französische Netz im südfranzösischen Barbaira führen. In Spanien ist die Röhre bis 106 Kilometer südlich der Grenze fertig, in Frankreich fehlen etwa 120 Kilometer. Das Projekt war 2017 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen worden.

Volker Wissing, Bundesminister fuer Verkehr und Ditgitales, aufgenommen im Rahmen eines Interviews im Bundesministerium fuer Digitales und Verkehr in Berlin, 14.10.2022.

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Das Erdgas, das durch die Röhre Richtung Norden fließen soll, könnten Spanien und Portugal aus verschiedenen Quellen beziehen. Beide Länder verfügen zusammen über insgesamt sieben Flüssiggasterminals. Zudem gibt es zwei Pipelines zum Gaslieferanten Algerien in Nordafrika.

Umstellung auf Wasserstofftransport ab 2030 geplant

Schon ab 2030 könnte die Röhre dann von fossilem Erdgas auf so genannten grünen Wasserstoff, der mit Hilfe von Sonnen- oder Windenergie produziert wird, umgestellt werden, sagte Aizpiri. Im Plan der EU zur Umwandlung des europäischen Energiesystems, dem so genannten „REPowerEU“-Plan, sei für 2030 die Erzeugung von 20 Millionen Tonnen grünen Wasserstoffs vorgesehen, davon die Hälfte in Europa und die andere außerhalb des Kontinents. Davon könnten zwei Millionen Tonnen in Spanien erzeugt werden, schätzt der Manager.

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„Midcat“ und andere Röhrenverbindungen in Europa seien auch deshalb so wichtig, weil der Transport von Wasserstoff gerade über große Distanzen per Schiff schwierig, aber per Pipeline zwei bis vier Mal billiger sei, als Strom durch Hochspannungsleitungen zu transportieren, sagte Aizpiri.

Die Europäische Wasserstoff Backbone-Initiative (EHB) 31 europäischer Gasnetzbetreiber gehe von einem Transportpreis von 0,11 bis 0,21 Euro pro Kilogramm je 1000 Kilometer aus. Die EHB sehe fünf potenzielle Wasserstoffkorridore vor, um die europäischen Wasserstoffziele 2030 zu erreichen. Einer davon sei der lange Strang von der Iberischen Halbinsel durch Frankreich Richtung Deutschland.

RND/dpa

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