Rückgang der Produktion

Gasmangel: Chemie-Industrie fürchtet um sozialen Frieden in Deutschland

Hohe Energiepreise und drohende Engpässe beim Gas sind laut VCI eine Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland.

Hohe Energiepreise und drohende Engpässe beim Gas sind laut VCI eine Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland.

Berlin. Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland richtet sich auf eine harte zweite Jahreshälfte mit rückläufigen Geschäftszahlen ein. Für das Gesamtjahr 2022 erwartet der Branchenverband VCI einen Rückgang der Produktion um 1,5 Prozent.

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Im reinen Chemiegeschäft soll die produzierte Menge sogar um 4 Prozent sinken. Voraussetzung dafür ist aber, dass Russland weiterhin Gas nach Deutschland liefert. Sollten die Lieferungen ausbleiben, würde der Einbruch deutlich stärker ausfallen.

Wirtschaftsminister Habeck befürchtet weiterhin steigende Energiepreise

Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck auf deutlich steigende Energiepreise einstellen.

Im ersten Halbjahr erreichte die Branche noch ein Miniwachstum von 0,5 Prozent, das vor allem auf die Pharmaindustrie zurückging. Ohne die Hersteller pharmazeutischer Produkte sank die Produktion bereits um 3 Prozent. Fein- und Spezialchemie waren mit einem Rückgang von 9 Prozent besonders betroffen.

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Der Umsatz der Gesamtbranche legte im ersten Halbjahr zwar kräftig um 22 Prozent auf nunmehr 130 Milliarden Euro zu. Dieser Anstieg allerdings geht vollständig auf höhere Preise zurück.

Mittelständler rufen um Hilfe

Vor allem die Energiepreise hätten inzwischen ein „atemberaubend“ hohes Niveau erreicht, sagte Evonik-Chef und VCI-Präsident Christian Kullmann bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz am Mittwoch. 70 Prozent der Unternehmen würden darunter leiden. Er erlebe Hilferufe zahlreicher Mittelständler.

Eine derart dramatische Lage hätten auch ältere Manager noch nicht erlebt, sagte Kullmann. Die Unternehmen seien mit mannigfaltigen Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert, von Logistikproblemen über Personalmangel bis hin zur Pandemie. Mit Blick auf den Herbst seien das die Zutaten für einen „perfekten Sturm“.

Eine spürbare Entspannung bei den Energie- und Rohstoffkosten sehe man derzeit „überhaupt nicht“, so Kullmann weiter. Erdgas dürfe auch weiter deutlich teurer sein als in anderen Regionen der Welt. „Deutschland bekomme damit zunehmend ein Wettbewerbsproblem – nicht nur im energieintensiven Sektor“, warnte der VCI-Präsident.

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Die Politik müsse nun entschieden gegensteuern, forderte Kullmann. „Jetzt geht es um unsere Betriebe, um Wohlstand, Wachstum, Arbeitsplätze sowie um den sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land.“

Kritik an „Brüsseler Edelbürokarten“

Die aktuelle Krisenpolitik der Bundesregierung bedachte der Manager mit Lob. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) attestierte er, einen „ordentlichen Job“ zu machen.

Scharfe Kritik äußerte er dagegen an der Arbeit der EU-Kommission in Brüssel. Kullmann schimpfte über „Edelbürokraten“, die sich bei ihrer Umweltpolitik nicht „von der Realität reinreden lassen wollten“ und in ihrer „Regulierungswut“ Wohlstand und Wachstum demolierten.

 Bundesminister Robert Habeck gibt auf der Fraktionsebene im Bundestagsgebäude ein Statement zur Novelle des Energiesicherungsgesetzes ab Bundesminister Robert Habeck gibt auf der Fraktionsebene im Bundestagsgebäude ein Statement zur Novelle des Energiesicherungsgesetzes ab , Berlin Berlin Deutschland Bundestagsgebäude *** Federal Minister Robert Habeck makes a statement on the amendment of the Energy Security Act at the parliamentary group level in the Bundestag building Federal Minister Robert Habeck makes a statement on the amendment of the Energy Security Act at the parliamentary group level in the Bundestag building , Berlin Berlin Germany Bundestag building

Zeitenwende im Energiebereich: Der Staat übernimmt

Die Industrie bereite sich nun gemeinsam mit der Bundesnetzagentur auf den schlimmsten Fall vor, dass Russland seine Gaslieferungen weiter drossle oder sogar ganz aussetze, erklärte Kullmann.

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Man müsse pragmatisch handeln, etwa bei der Inbetriebnahme alter Kohlekraftwerke oder beim Bau der Anschlüsse für schwimmende LNG-Terminals. „Hier kommt es auf jede Woche an“, sagte Kullmann, denn eines sei sicher: „Der Winter kommt bestimmt.“

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