Weniger Passagiere als vor der Pandemie

Trotz Warteschlangen an den Flughäfen: Zahl der Flüge weit unter Vorkrisenniveau

Zu Ferienbeginn herrschte großer Andrang in vielen Terminals.

Zu Ferienbeginn herrschte großer Andrang in vielen Terminals.

Die Warteschlangen an Flughäfen sind derzeit oft lang – doch womöglich täuscht das darüber hinweg, dass die Passagierzahlen zuletzt noch weit unter dem Niveau vor der Pandemie lagen: Die Auslastung deutscher Flughäfen war selbst im Juni mehr als ein Viertel geringer als im Vergleichsmonat vor der Pandemie, wie am Donnerstag der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mitteilte.

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Die Zahlen des BDL bis einschließlich Juni sind bis dato die umfangreichsten, die Aufschluss über das aktuelle Reisechaos geben könnten: Sowohl die Passagierzahlen als auch die Auslastung der Flughäfen waren demnach niedriger als vor der Pandemie. Die Nachfrage bei den Fluggesellschaften lag im April bei 66, im Mai bei 69 und im Juni bei 74 Prozent des Niveaus von 2019, die Flughafenauslastung bewegte sich in ähnlichen Größenordnungen.

Dass es trotzdem an Flughäfen zu Engpässen kommt, ist aus Sicht des BDL der Omikron-Variante und vor allem der Politik geschuldet. Deutschland habe bei der Aufhebung der Reisebeschränkungen gezögert, andere Länder seien schneller gewesen, beklagte BDL-Präsident Jost Lammers. „Das volatile Infektionsgeschehen und das damit verbundene Hin und Her bei Reisebeschränkungen und Reisewarnungen hat eine verlässliche Kalkulation des Reiseverhaltens unmöglich gemacht“, so der Branchenvertreter.

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„Sprunghafter“ Anstieg der Nachfrage ab April

Die Luftfahrt trifft aus seiner Sicht hingegen keine Schuld: Nachdem im Winter die Buchungen weit hinter den Entwicklungen zurückblieben, seien auch die Prognosen für den Sommer 2022 zurückhaltender gewesen. Im Vergleich zum ersten Quartal wollten dann aber „sprunghaft“ mehr Menschen fliegen. „Eine so deutliche Abweichung der realen Nachfrage gegenüber den Planungen und Vorhersagen ist beispiellos“, sagte Lammers.

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Unter anderem die Gewerkschaft Verdi hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass der aktuell grassierende Personalmangel und das Reisechaos vor allem Entlassungen während der Pandemie zu verdanken sind. Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr räumte zuletzt ein, dass man es beim Sparen „an der ein oder anderen Stelle übertrieben“ habe. Bei Einsparungen während Pandemie vorsichtigere Airlines wie Ryanair haben entlang der BDL-Zahlen mittlerweile denn auch das Vorkrisenniveau übertrumpft.

Kritik an Bürokratie für türkische Hilfskräfte

Zum Ferienmonat Juli kann der BDL bislang keine Aussagen machen, Lammers gestand aber fortlaufende Probleme ein: „Der Sommerreiseverkehr läuft, aber er läuft nicht rund.“ Ob und wann Hilfskräfte aus der Türkei an deutschen Flughäfen für Entlastung sorgen, vermochte man am Donnerstag beim BDL nicht zu beurteilen. Der Flughafenverband ADV hielt zuletzt den Einsatz von 250 türkischen Arbeiterinnen und Arbeitern bis August für „möglich“, zu Sommerbeginn war noch von 2000 die Rede.

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„Der gute Ansatz ist durch Bürokratiehemmnisse leider doch verzögert worden“, kritisierte Lammers. Entscheidend war demnach die „unrealistische“ Vorgabe vom 6. Juli, dass bis Ende Juli alle erforderlichen Genehmigungen einschließlich der Zuverlässigkeitsüberprüfung vorliegen müssten. Allein die dauere in einigen Bundesländern aber bis zu sechs Wochen. Erst am vergangenen Dienstag sei die Vorgabe des Bundes geändert worden, so von Brandow.

Biometrie beim Check-in

Für die Zukunft forderte Lammers einen leichteren Zugang für Drittstaatsangehörige zum hiesigen Arbeitsmarkt sowie schnellere Zuverlässigkeitsprüfungen bei Neueinstellungen. Darüber hinaus wolle die Branche die Abläufe beim Check-in, beim Boarding und perspektivisch auch bei den Grenzkontrollen mittels Digitalisierung und Biometrie beschleunigen, kündigte Lammers an.

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