Die wichtigsten Antworten

Uniper wird verstaatlicht: Was bedeutet das für die Versorgung von Verbrauchern und Unternehmen?

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper ist nach der Drosselung russischer Gaslieferungen in Schieflage geraten. Nun soll der Konzern verstaatlicht werden.

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper ist nach der Drosselung russischer Gaslieferungen in Schieflage geraten. Nun soll der Konzern verstaatlicht werden.

Die Bundesregierung verstaatlicht den Erdgasimporteur Uniper. Doch was bedeutet das überhaupt? Ist dieser Schritt notwendig und welche Auswirkungen hat dieser auf die Versorgung von Verbraucherinnen, Verbrauchern und Unternehmen. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was ist der Grund für die Verstaatlichung von Uniper?

Uniper gehört zu den wichtigsten hiesigen Gasimporteuren. Das Unternehmen war dabei massiv von russischen Gaslieferungen abhängig. Der Staatsmonopolist Gazprom hat über die alles entscheidende Ostseepipeline Nord Stream 1 in den vergangenen Monaten immer weniger von dem Brennstoff gepumpt – als Vergeltung für Sanktionen gegen Russland und die Unterstützung der Ukraine. Zunächst wurden noch 40 Prozent der vereinbarten Mengen nach Deutschland gepumpt, dann 20 Prozent. Schließlich stellte Gazprom die Lieferungen komplett ein.

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Wie hat Uniper die ausbleibenden Lieferungen ersetzt?

Das Unternehmen musste das Erdgas kurzfristig an den Energiebörsen einkaufen. Dort sind die Preise wegen des Ukraine-Krieges in nie gekannte Höhen geschossen. Derzeit kostet Gas zur Lieferung im Oktober 209 Euro pro Megawattstunde. Vor einem Jahr waren es 33 Euro. Diese hohen Einkaufspreise kann Uniper nicht an seine Kunden – Stadtwerke und Industrieunternehmen – weitergeben, da es langfristige Lieferverträge gibt, in denen Preise festgelegt wurden, die um ein Vielfaches unter dem aktuellen Preisniveau liegen. Uniper hat deshalb gigantische Verluste von mehreren Millionen Euro täglich eingefahren.

Wie wurde dem Unternehmen geholfen?

Die Bundesregierung hatte Uniper bereits ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt, mit dem der Staat unter anderem bereits einen Anteil von 30 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen übernahm. Doch seit dem kompletten Wegfall der russischen Lieferungen war bereits klar, dass dies nicht genügen wird.

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Was wird nun bereitgestellt?

Die Bundesregierung setzt eine weitere Kapitalspritze von 8 Milliarden Euro, wodurch sich die Beteiligung des Staates auf etwa 99 Prozent erhöht. Den restlichen Anteil des ehemaligen Mehrheitsaktionärs Fortum kauft die Bundesrepublik dem finnischen Energiekonzern für 480 Millionen Euro ab. Zudem gibt die staatliche KfW-Bank dem Gasimporteur einen weiteren Kredit über 4 Milliarden Euro. Hinzu kommen Garantien für zusätzliche Kredite bei anderen Banken in der gleichen Höhe. Ein Teil des Geldes soll dafür verwendet werden, ein Darlehen zurückzuzahlen, das Fortum Uniper gewährt hatte.

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Sind die Unterstützungsmaßnahmen damit abgeschlossen?

Mutmaßlich nicht. Alles hängt davon ab, wie sich die Notierungen für Erdgas an den Energiebörsen entwickeln. Was wiederum von der Entwicklung des Ukraine-Krieges abhängig ist. Eine Entlastung könnte es allerdings geben, wenn die ersten deutschen Terminals für verflüssigtes Erdgas in Betrieb gehen. Das soll um die Jahreswende geschehen. Es kursieren Meldungen, wonach dort dann auch Erdgas angelandet wird, das aus Katar per Schiff nach Deutschland gebracht wird. Ein Abschluss langfristiger Lieferverträge mit dem Emirat soll unmittelbar bevorstehen.

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Was wäre ohne die Verstaatlichung von Uniper geschehen?

Uniper wäre dann innerhalb kürzester Zeit zahlungsunfähig geworden. Das hätte mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass das Unternehmen kein Erdgas mehr hätte einkaufen können, weil niemand mehr sich auf Geschäfte mit der Pleitefirma eingelassen hätte. Eine Kettenreaktion würde so ausgelöst: Denn Hunderte Stadtwerke und viele Industrieunternehmen stünden plötzlich ohne Gaslieferant da. Sie müssten neue Wege finden, um dann selbst an das extrem teure Gas zu kommen. Das hätte aber insbesondere Stadtwerke in die Knie gezwungen, da die kommunalen Unternehmen für etwa ein Viertel ihrer Kundinnen und Kunden Lieferverträge über bis zu zwei Jahre mit günstigen fixen Konditionen haben.

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