„Historischer Meilenstein“

Norwegen ist Deutschlands wichtigster Gaslieferant – und freut sich über stattliche Mehreinnahmen

Ohne Import geht es nicht: Erdgasterminal in Emden, wo Gas aus Norwegen ankommt.

Ein Erdgasterminal in Emden, wo Gas aus Norwegen ankommt (Symbolbild).

Norwegen hat im Juli wegen der gestiegenen Gaspreise einen Rekordwert im Außenhandelsüberschuss erzielt. Das Land exportierte Waren im Wert von 229 Milliarden Kronen (rund 23,2 Milliarden Euro) und importierte Güter für 75,8 Milliarden Kronen (rund 7,6 Milliarden Euro). Damit betrug der Außenhandelsüberschuss ganze 153,2 Milliarden Kronen (15,6 Milliarden Euro), wie das nationale Statistikinstitut am Montag mitteilte. Der vorherige Rekord von 138,1 Milliarden Kronen (knapp 14 Milliarden Euro) war erst im März aufgestellt worden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ausfallzeiten und geringere Kapazität der Nord-Stream-1-Pipeline, die Gas von Russland nach Europa transportiert, haben dazu beigetragen, dass der Gaspreis im Juli auf ein Rekordhoch gestiegen ist“, teilte die Behörde weiterhin mit. Der Wert der Erdgasexporte vervierfachte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat – ebenfalls Rekord. Insgesamt habe das Land 10,2 Milliarden Normkubikmeter Erdgas exportiert.

Wirtschaftsminister Habeck: „Alternative wäre der Zusammenbruch des Energiemarktes“

Haushalte und Industrie müssen ab dem 1. Oktober eine Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen.

Erst am Montag haben Norwegen und Deutschland bei einem Besuch von Bundeskanzler Scholz (SPD) in Oslo eine engere Energiepartnerschaft angekündigt. „Ich bin sehr froh, dass wir mit Norwegen einen sicheren, demokratischen und verlässlichen Partner haben bei der Energieversorgung Deutschlands und Europas“, sagte Scholz nach einem Gespräch mit Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre. Man wolle nun auch im Bereich der erneuerbaren Energien noch enger kooperieren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Alle aktuellen News zum Krieg in der Ukraine in unserem Liveblog +++

Seit Problemen mit Nord Stream 1: Norwegen wichtigster Gaslieferant Deutschlands

Die Bundesregierung bemüht sich schon seit Monaten um eine engere Partnerschaft mit den nordischen Ländern im Energiebereich, um von den russischen Gasimporten loszukommen. Norwegen ist seit der drastischen Drosselung der russischen Gaslieferungen Mitte Juni der wichtigste Gaslieferant Deutschlands. Samuel Ramani, Experte für Internationale Beziehungen an der Universität Oxford, bezeichnete dies als „historischen Meilenstein“.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Støre sicherte Deutschland weitere Unterstützung zu. „Norwegen ist bestrebt, ein stabiler Gaslieferant für Deutschland zu sein“, sagte er. Zugleich unterstrich er aber: „Insgesamt haben wir unsere Gasexporte um fast zehn Prozent erhöht, was wirklich das Maximum ist. Wir werden tun, was wir können, um gemeinsam mit Unternehmen ein hohes Level aufrechtzuerhalten. Und wenn das gesteigert werden soll, wird das davon abhängen, dass wir mehr Gas finden. Deshalb möchte ich auch betonen, dass Gas eine stabile Energiequelle für den Übergang ist.“

Norwegen kann zwar nicht mehr liefern – für Habeck ist das aber kein Rückschlag

Kurzfristig kann das Land also derzeit nicht mehr Gas liefern - Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht darin aber keinen Rückschlag. „Norwegen hat seine Kapazitäten ein bisschen gesteigert, aber mehr geht eben kurzfristig nicht“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Berlin. Er verwies darauf, dass deutsche Energieunternehmen am Weltmarkt jede Möglichkeit hätten, Gas zu besorgen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Habeck sprach von einer erwarteten Antwort. Er selbst war Mitte März in Norwegen, dort sei dies schon angesprochen worden. Es sei aber auch ein klares Signal, dass sich Deutschland nicht nur auf die bekannten Lieferwege verlassen könne. Es seien alternative Infrastrukturen nötig, sagte Habeck mit Blick auf geplante eigene Flüssigerdgas-Terminals in Deutschland.

Neben dem Anstieg der Gasexporte nahmen auch die Ausfuhren anderer wichtiger norwegischer Produkte wie Öl, Elektrizität, Metall und Fischereiprodukte zu, erklärte das Statistikinstitut. Dennoch: „Hohe Gaspreise sind der Hauptgrund für den außergewöhnlich hohen Exportwert, den wir jetzt erleben“, sagte Jan Olav Rørhus laut der Mitteilung.

RND/sic/dpa

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen