Megadeal als Befreiungsschlag

Warum Musk aus Twitter nun die App für alles machen will

Elon Musk will Twitter nun doch kaufen.

Elon Musk will Twitter nun doch kaufen.

Frankfurt am Main. Elon Musk bleibt sich treu. Er hat in schwerer Bedrängnis mal wieder in die Zauberkiste gegriffen. Und X heraus­geholt. Das soll die „App für alles“ werden. Mit Twitter als Basis. Das teilte der Milliardär natürlich über Twitter mit.

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Sein Vorgehen entspricht der Mentalität der Silicon-Valley-Gründer. Börsianer, Analysten, Anleger und Banker beeindrucken – mit einer möglichst steilen Vision. So wie etwa Mark Zuckerberg mit seinem Metaverse. Nun also Musk mit X. Er hat die Idee mit einem Einzeiler über die Kurznachrichten-Plattform publik gemacht. Kurz vorher hatte er kundgetan, selbige nun doch zu kaufen. Und zwar zum einst ausgehandelten Preis von 54,20 Dollar pro Aktie, was eine Transaktion mit einem Volumen von 44 Milliarden Dollar bedeutet. Bislang war nicht klar, was er mit Twitter überhaupt anfangen und wie er damit Geld verdienen will. Doch nun gibt es X.

Umstrittene Bots

Ein Blick zurück: Im April kündigte Musk die Komplettübernahme von Twitter an, und der wollte das Unter­nehmen von der Börse nehmen. Die Finanzierung wurde organisiert und ein Vertrag unterschrieben. Doch in den folgenden Wochen bekam der Milliardär – unter anderem Gründer und Chef des E-Auto-Bauers Tesla – kalte Füße. Monatelang versuchte er, über verschiedene Wege den Deal rückgängig zu machen. Er behaup­tete, das Twitter-Management habe ihn belogen, und zwar bei der Zahl der sogenannten Bot-Zugänge zur Plattform.

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Dabei handelt es sich um automatisierte Nutzerkonten, hinter denen keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern Algorithmen stecken. Der Anteil der Bots an der Twitter-Community sei zu niedrig angegeben worden. Dies hätte massive Auswirkungen auf Werbeeinnahmen gehabt, die das Unternehmen erzielen kann, und damit auch auf die gesamte Bewertung der Plattform. Orchestriert wurde dies mit zahlreichen Attacken und Vorwürfen gegen das Twitter-Management.

Im Juli kündigte der Hochintensiv-Twitterer Musk dann den Kaufvertrag auf. Doch Mitte September stimmten die Aktionäre für die Übernahme. Folgerichtig zog das Management des Unternehmens vor Gericht, um Musk dazu zu zwingen, den Deal durchzuziehen.

Wer hat gelogen?

Die Hauptverhandlung sollte am 17. Oktober in Delaware beginnen. Die Vorsitzende Richterin Kathaleen Saint Jude McCormick soll US‑Medien zufolge aber schon am Dienstag beide Seiten vor die Wahl einer Fortführung oder einer Einstellung des Verfahrens gestellt haben. Letzteres sei nur möglich, wenn Musk den vereinbarten Preis bezahle. Seine Anwälte teilten dann auch in einem Schreiben an die US‑Börsenaufsicht SEC mit: Es sei beabsichtigt, mit dem Abschluss der im Fusionsvertrag vom 25. April 2022 vorgesehenen Transaktion zu den darin festgelegten Bedingungen fortzufahren. Insbesondere unter der Voraussetzung, dass die ausgehandelte Finanzierung Bestand habe und das Verfahren sofort ausgesetzt werde.

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Hinter letzterer Forderung dürfte das wichtigste Motiv für Musks Einlenken in letzter Minute liegen. Bei Fortführung des Verfahrens würden viele für Musk unbequeme Fakten ans Licht kommen, sagte Eric Talley von der Columbia Law School der Nachrichtenagentur Reuters. Gemutmaßt wird, dass er vor allem keine Beweise über falsche Bot-Zahlen hätte vorlegen können. Damit wäre seine gesamte Argumentation zusammengebrochen. Enorm relevant ist zudem, dass Musk und seine Leute bei einem Schuldspruch den Deal neu hätten aushandeln müssen. Inklusive der Finanzierung. Und das hätte einige Verwerfungen bringen können.

Das Twitter-Management reagierte zunächst zurückhaltend. Es hieß lediglich, man wolle die beabsichtigte Transaktion zum ursprünglich vereinbarten Preis abschließen. Es gab aber keine Zusage, dass man ein Angebot angenommen habe. Offenbar befürchteten die Manager, dass hinter dem überraschenden Manöver doch noch eine Finte stecken könnte.

Zur Finanzierung des Kaufs hat Musk bereits Tesla-Aktien im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar verkauft. Privatinvestoren wollen größere Summen lockermachen. Und es gibt Finanzierungszusagen von einem Banken­konsortium in Höhe von 12,5 Milliarden Dollar. Darunter sind große US‑Geldhäuser wie Morgan Stanley, die Bank of America oder die französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale. Für die Institute könnte die Übernahme ein Desaster werden.

Banken bleiben auf riskanten Krediten sitzen

Mehrere Analysten sagten Reuters, dass die Banken wohl keine andere Wahl hätten, als die im Frühjahr vereinbarten Konditionen zu erfüllen. Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten der Wind am Finanz­markt gedreht. Zinsen steigen und Rezessionsängste kursieren. Deshalb sei es kaum noch möglich, was bei Übernahmen in solchen Dimensionen üblich ist, nämlich zumindest einen Teil der Darlehen an andere Banken weiterzuverkaufen, um Risiken zu minimieren. Bleiben die Geldhäuser auf ihren Krediten sitzen, könne das zu Verlusten im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar führen.

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Wie das alles ausgeht, hängt stark davon ab, wie sich die Geschäfte von Twitter entwickeln. Da kommt das X-Projekt ins Spiel. Musk hat bislang lediglich kryptische Andeutungen gemacht: Twitter zu kaufen sei ein Beschleuniger für die Entwicklung von X, der App für alles, twitterte er.

Worum es da geht? Es gibt ein Vorbild: Die chinesische Plattform Wechat, die für etwa 450 Millionen Menschen eine Art All-in-one-Service ist.

Damit werden nicht nur Mitteilungen, Fotos und Videos verschickt. Es gibt eine große Zahl von integrierten Apps etwa für Unterhaltungsportale. Für viele Chinesen ist die Plattform die wichtigste Informationsquelle. Mit Wechat können die Nutzer Waren und Dienstleistungen aller Art bestellen und bezahlen, sie können sich gegenseitig Geld senden. Auch Kreditgeschäfte werden inzwischen darüber abgewickelt.

Das Netzwerk soll soll laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg inzwischen einen Wert von mehr als 450 Milliarden Dollar haben. Twitter bringt aktuell knapp 40 Milliarden auf die Waage.

Nach Musks Ansage kamen prompt Einwände via Kurzmitteilungen. Es sei doch unkomplizierter mit X einfach bei null anzufangen, so ein Follower. Musks Antwort: Twitter werde X möglicherweise um drei bis fünf Jahre beschleunigen. Er fügte hinzu: „Aber ich könnte mich auch irren.“

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