Eine „wirklich gute Idee“

Wie die USA die Preise an den Tankstellen weltweit drücken wollen

Die Zapfhähne verschiedener Treibstoffarten sind an einer Tankstelle zu sehen. Wird Sprit bald wieder günstiger?

Die Zapfhähne verschiedener Treibstoffarten sind an einer Tankstelle zu sehen. Wird Sprit bald wieder günstiger?

Frankfurt am Main. Die US‑Regierung lässt nicht locker beim Versuch, die Ölpreise zu drücken. Die neueste Idee: Finanzministerin Janet Yellen wirbt dafür eine Preisobergrenze für den Rohstoff aus Putins Reich durchzusetzen. Davon könnten letztlich auch deutsche Autofahrer profitieren. Aber hinter einer solchen Operation stehen viele Fragezeichen.

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Yellen empfahl Journalisten auf einer Pressekonferenz bei diesem Thema „dran zu bleiben“. Und fügte hinzu: „Wir arbeiten wirklich aktiv mit unseren Partnern daran.“ Gemeint sind die EU-Länder, allen voran Deutschland. Das Thema könnte beim G7-Gipfel in der nächsten Woche im bayerischen Elmau auf den Tisch kommen.

Diesel ist teurer als vor Steuersenkung

Die steigenden Preise haben den Steuernachlass auf Diesel aufgefressen, somit ist der Spritpreis aktuell teurer als vor dem Tankrabatt.

Thema könnte beim G7-Gipfel auf den Tisch kommen

Die US‑Regierung kämpft seit Monaten gegen die hohen Spritpreise im Land. Die Gallone kostet seit Kurzem erstmals mehr als fünf Dollar. Das hat auch die Inflation in immense Höhen getrieben. Verbraucher im Allgemeinen und Autofahrer im Besonderen sind stinksauer – Präsident Joe Biden befürchtet, dass seine demokratische Partei die Rechnung bei den Wahlen für die beiden Kammern des US‑Parlaments im Herbst präsentiert bekommt. Biden erwägt nun auch eine Aussetzung der Benzinsteuer.

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Yellen sagte indes auf der Presse­konferenz mit ihrer kanadischen Amtskollegin Chrystia Freeland in Toronto: Es gehe aber darum, die Einnahmen Russlands aus dem Energiegeschäft zu drücken, ohne gleichzeitig die Welt­wirtschaft zu belasten. Freeland sprach von „einer wirklich guten Idee“.

Nach dem Angriff auf die Ukraine sind die Ölpreise deutlich gestiegen. Der Effekt: Der Angriffskrieg finanziert sich in einem gewissen Grad selbst – obwohl die USA, Kanada und Großbritannien ein Ölembargo in Kraft gesetzt haben. Die EU will bis zum Jahresende nachziehen. Die Importe aus Putins Reich sollen dann laut EU‑Kommission über den Seeweg komplett gestoppt und insgesamt um 90 Prozent reduziert werden. Aber Ungarn, Tschechien und Slowakei sollen sich über die Druschba-Pipeline mit Rohöl versorgen dürfen.

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Yellen will nun kurzfristig mit Preisobergrenzen für russisches Öl agieren. Der Mechanismus, den sie ins Spiel gebracht hat, ist komplex. Entscheidend ist dabei: Im sechsten Sanktionspaket der EU wurde beschlossen, dass in Absprache mit Großbritannien Haft­pflicht­versicherungen für Tanker, die russisches Öl transportieren, verboten werden sollen – die weltweit maßgeblichen Assekuranzen sitzen in der EU und in UK. Unterm Strich sollen so die Seetransporte von Putins Öl in alle Welt gedrosselt oder zumindest verteuert werden.

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Hilfe für ärmere Länder und für deutsche Autofahrer

Yellen will diesen Mechanismus nun ummodeln: Es soll Ausnahme­regelungen vom Versicherungs­verbot geben. Aber unter einer alles entscheidenden Bedingung: Nur wenn das Öl zu einem deutlich verbilligten Preis verkauft wird. Das könnte dann weniger Einnahmen für die russische Staatskasse bringen, ohne dass das Angebot weiter verknappt würde. Dies hätte nach Yellens Worten auch den Vorteil, dass ärmere Länder nicht noch weiter mit extrem teurem Rohöl belastet würden. Gelingt die Operation könnte das Preisniveau für Rohöl – und in der Folge auch für Benzin und Diesel – weltweit gedrückt werden. Davon würden dann auch deutsche Autofahrer profitieren.

Ob es zu einer Einigung beim G7‑Gipfel kommt, ist allerdings fraglich. Bei Preis­obergrenzen warnen Experten immer wieder vor vielfältigen Fallstricken. Alles entscheidend ist der konkrete Preis. Wird er zu niedrig angesetzt, droht das Gegenteil: eine Rationierung und gar ein Lieferstopp, wodurch Erdöl auf dem Weltmarkt noch viel teurer werden würde.

Wo liegt Putins Schmerzgrenze?

Eine Schmerzgrenze für Putin könnte bei knapp 70 Dollar pro Fass (159 Liter) liegen. Das ist nach den Berechnungen des Finanzdienstes S & P der sogenannte fiskalische Breakeven. Also der Preis, den Russland braucht, um seine Staatsausgaben zu finanzieren. Der „technische Breakeven“ rangiert nach Schätzungen von Experten ungefähr bei der Hälfte. Unterhalb dieser Marke lohnt es sich langfristig nicht, Öl zu fördern. Die kurzfristigen operativen Kosten, um den Rohstoff aus dem Erdreich zu pumpen, sind noch einmal deutlich niedriger.

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Insider machen darauf aufmerksam, dass es bei Yellens Plan auf die Details ankomme: Wie würde Putin etwa auf eine Obergrenze für Tanker­transporte (unter Aussetzung des Versicherungs­verbots) von 50 Dollar reagieren? Lässt er sich darauf ein oder verknappt er die Lieferungen per Schiff? Und löst so eine globale Verteuerung des Rohöls aus, die ihm wiederum im Pipeline­geschäft hilft, den geringeren Absatz zu kompensieren. Und gibt es Wege, die Obergrenze zu umgehen? Beispielsweise über mehr oder weniger verdeckte Unterstützungen durch Kunden – zumal Russland schon jetzt Indien und China mit deutlichen Abschlägen vom Welt­markt­preis beliefert.

Am Dienstag stiegen die Rohöl­notierungen wieder spürbar. Am Nachmittag war das Fass für rund 112 Dollar zu haben. Diesel kostete trotz Tankrabatt im Bundes­durch­schnitt 2,05 Euro pro Liter. Das ist mehr als vor Beginn der Rabattaktion, bei der die Energiesteuer um knapp 17 Cent gesenkt wurde. Diesel ist damit wieder deutlich teurer als Benzin (1,89 Euro). Dabei kommt zum Tragen, dass derzeit viel europäischer Diesel nach Nordamerika exportiert wird. Denn das Embargo russischer Energie­lieferungen durch die USA und Kanada betrifft auch den zähflüssigeren Kraftstoff.

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