Konsumlust trotz Energiekrise

Die deutsche Wirtschaft in der Krise: Und sie wächst doch

Mitarbeiter arbeiten bei Volkswagen.

Mitarbeiter arbeiten bei Volkswagen.

Frankfurt am Main. Das nennt man dann wohl robust. Die deutsche Wirtschaftsleistung ist in den drei Sommermonaten dann doch um 0,4 Prozent gestiegen. Das war sogar noch etwas mehr als das vom Statistischen Bundesamt (Destatis) zunächst geschätzte Plus von 0,3 Prozent zum zweiten Quartal – und dies war von vielen Experten schon als positive Überraschung gefeiert worden.

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Was im dritten Quartal passiert ist, bringen die Wiesbadener Statistiker ziemlich prägnant auf den Punkt: Die Verbraucher und Verbraucherinnen hätten die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen genutzt, „um zum Beispiel mehr zu reisen und auszugehen“.

Wer in beliebten Gaststätten am Wochenende einen Tisch haben wollte, musste vielfach frühzeitig reser­vieren. Airlines berichteten von ausgebuchten Flügen. In den Sommermonaten wurden viele Urlaubsreisen nachgeholt, die in den harten Zeiten der Pandemie storniert oder umgebucht werden mussten.

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Laut Destatis lagen die privaten Konsumausgaben ein ganzes Prozent höher als in den drei Monaten von Anfang April bis Ende Juni. Wieder einmal haben die Verbraucherinnen und Verbraucher die Konjunktur gerettet – obwohl es noch immer Pandemiespätfolgen wie hohe Krankenstände, Lieferengpässe, steigende Preise und den Krieg in der Ukraine gab.

Autobauer können wieder produzieren

Das „Obwohl“ ist auch beim Handel mit dem Ausland angebracht. Das Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist laut Destatis insbesondere auf einen hohen Auftragsbestand in der Industrie zurückzuführen. Vor allem Auto- und Maschinenbauer konnten die Produktion steigern, auch weil sich in den Sommer­monaten unter anderem der Chipmangel aufgelöst hat. Das kleine 0,4-Prozent-Plus des Bruttoinlands­produkts reichte denn auch, um erstmals seit dem Beginn der Pandemie eine Wirtschaftsleistung einzufahren, die über dem Vorkrisenniveau lag.

Deutsche Wirtschaft trotz Inflationssorge robust

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hellt sich trotz des Kriegs in der Ukraine überraschend weiter auf.

Dabei war auch schon in der heißen Jahreszeit viel die Rede von einem Wegkippen der Konjunktur. Nichts­destotrotz ging es auch mit den Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge oder in Ausstattungen von Geschäften deutlich nach oben. „Hier scheint die Auftragslage trotz hoher Preise und Lieferengpässen weiter sehr hoch zu sein“, so das Bundesamt. Davon haben die Beschäftigten in Form von deutlich gestiegenen Löhnen profitiert. Das gemessene Plus der Bruttolöhne und ‑gehälter geht in erster Linie von einem starken Rückgang der Kurzarbeit aus, tariflich vereinbarte Lohnsteigerungen kommen hinzu.

Die überraschend guten Wachstumszahlen fürs dritte Quartal korrespondieren mit einer relativ guten Stimmung der Konsumenten für den Weihnachtsmonat Dezember. Die Befragungen der Marktforschungs­firma GfK deuten auf einen – wenn auch überschaubaren – Anstieg des Konsumklimas. „Die lang anhaltende Furcht der Verbraucher bezüglich explodierender Energiepreise hat sich aktuell etwas abgeschwächt“, erläutert Rolf Bürkl von der GfK.

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Einerseits seien Preise gesunken – das gilt zum Beispiel für Kraftstoff, andererseits gingen Verbraucher offen­bar davon aus, „dass die beschlossenen Maßnahmen zur Deckelung der Energiepreise einen Beitrag zur Dämpfung der Inflation leisten können“, so der Konsumexperte. Der Staat übernimmt im Dezember für Gaskunden die Abschlagszahlungen, und er will im neuen Jahr Preisbremsen für den leicht flüchtigen Brennstoff und für Strom einführen.

Sowohl die Einkommenserwartungen als auch die Konjunkturaussichten der Verbraucherinnen und Verbraucher sind in Richtung grünen Bereich gerutscht, befinden sich allerdings nach wie vor auf einem niedrigen Niveau.

Einbruch am Bau

Bürkl und seine Kollegen stellen ferner fest, dass die Neigung für größere Anschaffungen zum Konsumieren zurückgeht. Da schlägt dann doch wieder die Angst vor hohen Energierechnungen durch. „Die Konsumenten erwarten, dass eine Rezession in naher Zukunft nicht mehr zu vermeiden ist“, so die GfK. Ähnlich sieht es mittlerweile eine Mehrheit der Ökonomen.

Offen über Geld sprechen, das fällt vielen Menschen schwer.

„Offen über Geld zu sprechen ist erleichternd“

Mareice Kaiser ist eine erfolgreiche Autorin und Journalistin. Trotzdem gab es in ihrem Leben eine Zeit, in der sie nicht einmal das Eis für ihre Tochter bezahlen konnte. Im RND-Interview erzählt sie von ihrer Geldbiografie, von Dispo-Ping-Pong und wie viel Geld genug ist.

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Die Bundesbank hatte am Donnerstag wissen lassen, dass sie für die ersten Monate des neuen Jahres mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung rechnet. Wie heftig der Rücksetzer ausfalle, sei aber noch nicht klar. Als Hauptursache wird natürlich die Unsicherheit bei der Energieversorgung gesehen, die Unternehmern Kopfschmerzen bereitet und den privaten Konsum dann doch drücken könnte.

Und auch die Baubranche schwächelt. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im September um heftige 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen, das ist der stärkste Rückgang seit Anfang 2005. Tim-Oliver Müller, Geschäftsführer des Verbandes der Bauindustrie, macht für die Malaise die Bundes­regierung verantwortlich: Die sinkende Nachfrage sei vor allem auf ein gebrochenes Versprechen zurück­zuführen, „da die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bau- und Investitionsoffensive ausbleibt“.

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