Werden Autos jetzt billiger?

Warum Autokäufer jetzt wieder feilschen sollten

Ein VW-Mitarbeiter arbeitet an der Produktion eines Autos in Wolfsburg.

Ein VW-Mitarbeiter arbeitet an der Produktion eines Autos in Wolfsburg.

Frankfurt am Main. Die deutschen Autobauer haben im Sommer Rekorde bei Umsatz und Gewinn eingefahren. Sogar von einem „Traumquartal“ ist die Rede. Doch die Experten sind sich einig, dass das so nicht bleiben wird – was eine gute Nachricht für die Verbraucher ist. Wir erläutern, wohin sich der Automarkt bewegt.

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Wie hoch waren die Gewinne im dritten Quartal?

Die 16 größten Autobauer der Welt lagen sowohl beim Gesamtumsatz als auch beim Gesamtgewinn auf dem höchsten Stand, der jemals in einem dritten Quartal erreicht wurde. Das geht aus einer aktuellen Studie der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY hervor. Besonders gut haben die drei deutschen Autokonzerne (Volkswagen, Mercedes, BMW) abgeschnitten. Um 58 Prozent konnten sie ihren operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern. Damit wurden die amerikanischen und die japanischen Hersteller deutlich abgehängt. Bei dieser Kennziffer geht es um den Profit aus der betrieblichen Tätigkeit.

Wer war besonders profitabel?

Mercedes-Benz. Der schwäbische Autobauer verbuchte einen Gewinn von 5,2 Milliarden Euro. An zweiter Stelle rangiert Volkswagen (4,2 Milliarden). Es folgen Toyota und General Motors. An fünfter Stelle liegt BMW mit einem Profit von knapp 3,7 Milliarden. Zugleich haben die deutschen Autobauer hohe Margen erzielt – also Gewinne mit einem günstigen Verhältnis zum Umsatz. Auch hier fällt Mercedes-Benz mit 13,8 Prozent (2021: 9 Prozent) auf. Besser war nur Tesla mit 17,2 Prozent.

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Alle reden von Krise, wie kann es sein, dass es den Unternehmen so ungewöhnlich gut geht?

EY-Experte Constantin M. Gall spricht von einem „Traumquartal“ für die Autobauer: Die Lieferengpässe insbesondere bei elektronischen Bauteilen haben sich mittlerweile weitgehend aufgelöst. Das führt dazu, dass die Produktion wieder hochgefahren werden kann. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass die Fertigung hierzulande auf 3,5 Millionen Pkw in diesem Jahr klettern wird. Das würde einem Plus von etwa 500.000 Autos im Vergleich zu 2021 entsprechen. Größeres Angebot bedeutet mehr Absatz und mehr Umsatz. Zusätzlich kam im dritten Quartal zum Tragen, dass viele bestehende Bestellungen abgearbeitet werden konnten.

Und was hat sich bei den Gewinnen getan?

Es ist klar zu erkennen, dass hier noch Spätfolgen der Pandemie nebst der Lieferengpässe wirken. Da die Autobauer seinerzeit bei Weitem die Nachfrage nicht befriedigen konnten, kletterten die Preise massiv. Rabatte, die in beträchtlicher Höhe seit vielen Jahren üblich waren, gab es kaum noch. Die Kundschaft hatte das enorme Preisniveau akzeptiert. „Eine immer noch hohe Nachfrage vor allem nach Premiumfahrzeugen und hohe Preise bescheren der Autoindustrie weiterhin hohe Umsätze und Gewinne“, betont Gall. Branchenkenner gehen davon aus, dass dabei hierzulande der beträchtliche Anteil von Dienstwagen gerade bei den luxuriöseren Autos zum Tragen kam – steuerliche Vorteile, die wie Subventionen wirken, machen es den Unternehmen leichter, ihren Beschäftigten Dienstwagen zur Verfügung zu stellen. „Generell muss man aber davon ausgehen, dass es auch im Privatkundengeschäft international eine hohe Nachfrage gab“, sagte Dudenhöffer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Wird das Geldverdienen für die Autobauer auch künftig so einfach sein?

Nein. EY-Experte Peter Fuß betont, die Herausforderung für die Autobauer bestehe nun darin, die Preisdurchsetzung auf möglichst hohem Niveau zu halten. Fuß rechnet damit, dass vor allem „Volumenhersteller“, die kompakte und kleinere Autos offerieren, im neuen Jahr unter Druck geraten. Denn breitere Bevölkerungsschichten müssten Kaufkraftverluste hinnehmen. Immer weniger Menschen könnten oder wollten sich ein Auto leisten. Dudenhöffer sagt klipp und klar: „Die Gewinne gehen nach unten.“ Schon jetzt sei wieder erkennbar, dass das Angebot an Autos auf dem hiesigen Markt die Nachfrage übersteige. „Wir kehren in die alten Zeiten zurück“, so der Direktor des Center Automotive Research (Car).

Was bedeutet das für die Verbraucher?

Sie können wieder mit Rabatten rechnen. Der aktuelle Car-Report zeigt, dass im November der Preisvorteil beispielsweise für den Audi A4 auf knapp 13 Prozent gestiegen ist. Für den A3 von Audi gibt es bereits einen Nachlass von gut 15 Prozent. Beim VW Golf sind es bei Internetvermittlern sogar fast 20 Prozent, und selbst der beliebte T-Roc wird mit einem Abschlag von 18 Prozent offeriert. Für Autokäufer heißt das, der sogenannte Listenpreis ist wieder zu einer Art unverbindlicher Empfehlung geworden, mit Verhandlungsgeschick kann der Preis für einen Neuwagen deutlich gedrückt werden.

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Wie sieht es für die deutschen Autobauer auf den internationalen Märkten aus?

China ist besonders wichtig. Laut EY verkauften die deutschen Autobauer im dritten Quartal 37,5 Prozent ihres Gesamtabsatzes in der Volksrepublik – die damit der wichtigste Markt für die drei Konzerne ist. Dudenhöffer betont, dass Elektromobilität dort massiv an Bedeutung gewinne. „Doch die deutschen Autobauer sind da keine Überflieger.“ Für chinesische Kunden sei vor allem die Software wichtig – beispielsweise um verschiedene Funktionen mittels Sprache zu steuern. „Hier müssen sie noch besser werden.“ Ausgerechnet Mercedes musste kürzlich in China Preise für seine Flaggschiffe, die elektrische S-Klasse (EQS), drastisch senken. So gibt es nun für das Basismodell des EQS 450+ einen Nachlass von umgerechnet 32.000 Euro auf „nur“ noch 115.000 Euro.

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