Die Märkte und Russlands Krieg

Die Anleger machen es sich zu leicht

Die Dax-Kurve der Frankfurter Wertpapier­börse stellt fallende Kurse dar. Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt.

Die Dax-Kurve der Frankfurter Wertpapier­börse stellt fallende Kurse dar. Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt.

Die Börsenwelt ist voller Weisheiten. Nicht zu verwechseln mit Weisheit – das ist etwas völlig anderes. Gern zitiert wird dieser Tage: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Denn dann stürzen die Kurse, man kann billig einsteigen und später – zweiter Teil der Weisheit – „verkaufen, wenn die Violinen spielen“.

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Das klingt so zwingend, dass sich viele gar nicht erst von ihren Papieren trennten und gleich auf die Kaufgelegenheit warteten. Die Spannungen mit Russland und schließlich der Angriff auf die Ukraine brachten die Märkte zwar unter Druck – aber bei Weitem nicht so, wie man es hätte erwarten können.

Gründe lassen sich finden. So werden sich die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts weitgehend auf den Energiesektor beschränken. Die bisher beschlossenen Sanktionen heben die Welt nicht aus den Angeln. Die US‑Anleger verfolgen diesen Krieg buchstäblich aus der Distanz, und in China spielt er überhaupt keine Rolle.

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Börsentechnisch also alles halb so wild? So einfach ist es nicht: Wer sich blind auf die Chancen des Kanonendonners verlässt, sollte bedenken, dass diese Weisheit rund zwei Jahrhunderte alt ist. Als der Bankier Carl Mayer von Rothschild sie verbreitete, war die Welt eine andere – militärisch, politisch und ökonomisch. Mit Sanktionen, Lieferketten, Rohstoffmärkten und Zahlungssystemen hat er sich nicht über die Maßen beschäftigt. Schon gar nicht mit Geldpolitik.

Die Notenbanken stecken im Dilemma, denn der Krieg verschärft zwei Probleme: Er dürfte durch steigende Energiepreise die Inflation hochhalten, gleichzeitig aber die Konjunktur bremsen. Geht also die Zinswende zur Bekämpfung der Inflation weiter, oder wird sie mit Rücksicht auf die Konjunktur gebremst? So oder so: In dieser Krise können die Notenbanken wenig helfen.

Deshalb bleibt mehr Raum für böse Überraschungen als an den Kursen bisher abzulesen ist. Aber auch dafür gibt es eine Weisheit, natürlich von Andrej Kostolany: „An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil.“

Stefan Winter ist leitender Wirtschaftsredakteur des RND. Er schreibt an dieser Stelle wöchentlich über Börse, Finanzmarkt, Aufstieg und Fall der Kurse – und die Unternehmen dahinter.

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