Deutsche Schlachthöfe produzieren weniger Fleisch

Die Fleischproduktion in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2021 um 1,7 Prozent gesunken.

Die Fleischproduktion in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2021 um 1,7 Prozent gesunken.

Hannover. Die deutschen Schlachthöfe haben im vergangenen Halbjahr erneut weniger Fleisch produziert. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach ist die Menge um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Das entspricht knapp 65.000 Tonnen Fleisch. Schon im ersten Halbjahr 2020 war die Fleischproduktion in Deutschland gesunken, auch weil einige Schlachtbetriebe wegen der Corona-Pandemie zeitweise schließen mussten.

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Besonders stark war der Rückgang beim Geflügel, im ersten Halbjahr 2021 wurden 3,5 Prozent weniger Tiere geschlachtet. Beim Schweinefleisch betrug der Rückgang 1,2 Prozent, beim Rindfleisch 1 Prozent.

Immer mehr Landwirte werden aufgeben

Diese Entwicklung werde sich in naher Zukunft fortsetzen, sagt Mechthild Cloppenburg voraus. Sie ist Marktexpertin für Fleischwirtschaft bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). „Der Preis für Fleisch ist so gering, dass sich die Produktion für viele Landwirte nicht mehr lohnt. Deshalb gehe ich davon aus, dass in den nächsten Jahren immer mehr Betriebe aufgeben.”

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Grund für den niedrigen Erzeugerpreis ist eine generell gesunkene Nachfrage nach Fleisch. Dabei kommen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, gar kein Fleisch mehr zu essen oder ihren Konsum zu reduzieren.

So hat der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch 2020 nach vorläufigen Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) ein Jahrzehntetief erreicht. Mit 57,3 Kilogramm pro Person war der Konsum so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1989.

Konsum von Schweinefleisch stark rückläufig

Im Vergleich zum Jahr 2019 wurden demnach pro Person insgesamt 750 Gramm weniger Fleisch gegessen. Vor allem der Konsum von Schweinefleisch war mit einem Minus von 940 Gramm stark rückläufig. Bei Rind und Kalb waren es 40 Gramm weniger als 2019. Der Verzehr von Geflügelfleisch nahm dagegen um 180 Gramm zu.

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Ein Nachfragehemmer ist zum anderen die Corona-Pandemie. „Geschlossene Restaurants und Hotelbetriebe in der Halbauslastung sowie die seit über einem Jahr fehlenden Großveranstaltungen schränken den Fleischkonsum ein”, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. Außerdem waren viele Mitarbeitende im Homeoffice und haben keine Kantine benutzt. Auch das ist ein Ort, an dem normalerweise viel Fleisch konsumiert wird.

Tourismusflaute bremst Exporte

Zu dem Nachfragetief im Inland kommen Absatzprobleme im Ausland. „Der eingebrochene Tourismus in Ländern wie Italien und Spanien hat dazu geführt, dass wesentlich weniger Fleisch aus Deutschland importiert wurde”, erklärt Cloppenburg.

Speziell beim Schweinefleisch war außerdem das Auftauchen der Schweinepest ein entscheidender Faktor. Denn infolgedessen haben China und andere Drittländer schon seit Herbst vergangenen Jahres kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland importiert.

„China baut die eigenen Bestände immer weiter aus, sodass es wahrscheinlich auch in Zukunft viel weniger Bedarf nach europäischem Schweinefleisch geben wird”, sagt Cloppenburg. Innerhalb Europas gibt es derzeit nur eine Importsperre für Schweinefleisch aus Brandenburg, wo bisher die einzigen Fälle von Schweinepest aufgetreten sind.

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Geflügelpest: Zehntausende Tiere gekeult

Der starke Rückgang beim Geflügelfleisch ist laut Bauernverband außerdem auf die Geflügelpest zurückzuführen. Aufgrund der Vogelgrippe mussten im ersten Halbjahr in einigen Betrieben Deutschlands Zehntausende Tiere gekeult werden.

Aber auch Corona-Maßnahmen und Infektionsfälle auf Schlachthöfen spielen bei dem Rückgang der Fleischproduktion eine Rolle. So mussten einige große Schlachthöfe zum Beispiel der Firma Tönnies aufgrund von Corona-Fällen in der Belegschaft zeitweise komplett schließen. In der Folge bildete sich in der Schlachtung ein Rückstau: Die Schweine blieben länger in den Ställen, neue Tiere wurden entsprechend später in die Mast genommen, insgesamt sank also der Tierbestand.

Diese Kapazitätsprobleme bei den Schlachthöfen kann man auch an einer anderen Zahl ablesen: So stieg das Schlachtgewicht der Schweine bis zum Januar diesen Jahres auf einen Höchststand von rund 99 Kilogramm an. Normalerweise wiegt ein Schwein bei der Schlachtung etwa 96 Kilogramm.

Zusatzkosten werden auf Landwirte abgewälzt

Außerdem seien nach den Corona-Fällen in der Fleischwirtschaft die gesetzlichen Auflagen für Schlachtunternehmen und Verarbeiter deutlich erhöht worden, erklärt Krüsken. „Nach unserem Eindruck gelingt es der Fleischwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel nicht, diese Zusatzkosten an den Verbraucher weiterzugeben. Stattdessen werden die Erzeugerpreise abgesenkt”, kritisiert er.

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