Durchsuchung bei Deutsche-Bank-Tochter

Fondsgesellschaft unter Greenwashingverdacht

Wolken ziehen über die Zentrale der Deutschen Bank, während sich der Wolkenhimmel in der Fassade spiegelt (Archivbild).

Hannover. Die Fondsgesellschaft DWS gerät mit ihren Nachhaltigkeitsfonds ins Zwielicht. Mehrere Dutzend Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt und Finanzaufsicht haben Räume der DWS und des Mutterkonzerns Deutsche Bank durchsucht. Es geht um den Verdacht des Kapitalanlegebetrugs durch „Greenwashing“: Der Vermögensverwalter soll Angaben zu Nachhaltigkeitskriterien zu hoch angesetzt haben. Das Unternehmen hat solche Vorwürfe bestritten und betonte die Zusammenarbeit mit den Behörden.

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Nachhaltige Geldanlage ist seit einigen Jahren die große Wachstumshoffnung der Branche. Kundinnen und Kunden achten immer mehr darauf, wofür ihr Geld investiert wird. Projekte wie Windparks etwa sind gefragt, Kohleminen oder Rüstungsunternehmen sollen sich dagegen nicht im Portfolio finden. Zusammengefasst wird das unter dem Begriff „ESG“ für Environmental, Social und Governance – das Geld soll nur Unternehmen und Projekte finanzieren, die mit Blick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung bestimmte Standards erfüllen.

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Das Problem: Es gibt keine allgemeinen Standards. „Der Begriff Nachhaltigkeit ist aktuell nicht geschützt, jeder Akteur macht sein Ding“, sagt Magdalena Senn vom Verein Finanzwende. So genügt es oft, dass die Aktien bestimmter Branchen nicht im Fonds enthalten sind. „Oft steht grün drauf, und drin ist nicht viel anderes als in konventionellen Fonds“, sagt Senn. Viele Produkte seien von vornherein auf schwache Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet.

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Bei der DWS geht es aber offenbar um mehr. Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Börsenaufsicht SEC Ermittlungen aufgenommen, dann folgte die deutsche Finanzaufsicht Bafin und nun hat sich die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt wegen eines möglichen Kapitalanlagebetrugs eingeschaltet. Das würde nicht nur werbliche Übertreibung, sondern ausdrücklich „unrichtige vorteilhafte Angaben“ bedeuten oder das Verschweigen „nachteiliger Tatsachen“. Das Strafgesetzbuch sieht Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor, konkrete Beschuldigte gebe es aber bisher nicht.

US-Managerin bringt Ermittlungen ins Rollen

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch die US-Managerin Desiree Fixler, die bei der DWS für das Nachhaltigkeitsthema zuständig war – allerdings nur für ein halbes Jahr, im März 2021 wurde ihr gekündigt. Sie wirft dem börsennotierten Unternehmen vor, die Anlagekunden und die eigenen Aktionäre getäuscht zu haben. Der Anteil nachhaltiger Fonds im Angebot sei bei Weitem nicht so hoch wie behauptet, die internen Kontrollen würden den eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. „Die DWS hat eine lange Tradition in nachhaltigem und verantwortungsvollem Investieren, die weit über 20 Jahre zurückreicht“, heißt es in einer Stellungnahme vom vergangenen Sommer. Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien sei Voraussetzung für künftigen Erfolg in der Vermögensverwaltung, und die DWS habe „den Anspruch, ein führender ESG-Vermögensverwalter zu werden“.

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Der Konzern unter dem Dach der Deutschen Bank hat für Kundinnen und Kunden nach eigenen Angaben rund 900 Milliarden Euro angelegt und zählt sich damit zu den weltweit führenden Vermögensverwaltern. Vorstandschef Asoka Wöhrmann plant starkes Wachstum, die Nachhaltigkeitsstrategie ist ein wichtiger Schlüssel dazu. Die Vorwürfe von Desiree Fixler haben ihn aber zumindest an der Börse massiv gebremst: Als SEC und Bafin im vergangenen August Ermittlungen aufnahmen, rutschte der Kurs um 14 Prozent. Nach der jüngsten Razzia fiel er um mehr als 4 Prozent.

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Der Auftritt der Ermittelnden werde nicht ohne Wirkung bleiben, glaubt Finanzwende-Expertin Senn: „Die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft haben Signalwirkung für viele Anbieter.“ Denn mangels klarer Regeln bewegen sich die Anbieter in einer Grauzone, wenn sie für ihre Anlageprodukte als „nachhaltig“ oder „ESG-konform“ werben.

Die EU-Kommission arbeitet schon einige Zeit an der sogenannten Taxonomie, die Kriterien für Nachhaltigkeit festlegen soll. Der größte Streitpunkt zeigt allerdings schon das Problem: Nicht geklärt ist bisher, ob die Energieträger Gas und Atomkraft als nachhaltig eingestuft werden sollen. Die Verhandlungen sind fast abgeschlossen, mit einer Richtungsentscheidung wird noch in diesem Monat gerechnet.

„Ein allgemeingültiges Gütesiegel gibt es nicht“, sagt Senn. „Man muss sich schon selbst mit dem Thema und seiner eigenen Auffassung von Nachhaltigkeit befassen.“

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