Chiphersteller Intel kämpft um sein Comeback

Modell eines Intel-Prozessors im Unternehmenssitz in Sunnyvale.

Modell eines Intel-Prozessors im Unternehmenssitz in Sunnyvale.

Hannover. Die wachsende Nachfrage nach Computerchips bringt die Branche in Bewegung. Intel plant nun angeblich die größte Übernahme seiner Geschichte, um möglichst schnell neue Fertigungskapazität zu gewinnen. Der Weltmarktführer arbeite an einer Übernahme des Konzerns Globalfoundries, der unter anderem ein großes Werk in Dresden betreibt, berichtet das „Wall Street Journal“.

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Wachsende Nachfrage trifft auf Lieferengpässe

Seit Wochen macht der Chipmangel unter anderem in der Autoindustrie Schlagzeilen. Er erklärt sich zum Teil aus Pandemiefolgen, „aktuell sind die Kapazitäten knapp“, sagt Werner Ballhaus, Technologieexperte der Unternehmensberatung PwC. Unabhängig davon werde der Bedarf aber auch nachhaltig zunehmen. „Globale Trends lassen die Nachfrage langfristig wachsen“, sagt Ballhaus. „Je mehr ich digitalisiere, desto mehr Chips brauche ich.“ Auch neue Technologien für den Klimaschutz seien letztlich auf Halbleiter angewiesen. Der Green Deal der EU werde die Nachfrage treiben.

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So übertrifft sich die Branche aktuell mit Ankündigungen neuer Werke. Der taiwanische Konzern TSMC will innerhalb von drei Jahren 100 Milliarden Dollar (rund 85 Milliarden Euro) in den Ausbau der Produktion stecken. Globalfoundries will unter anderem die Kapazität in Dresden verdoppeln. Der neue Intel-Chef Pat Gelsinger will 20 Milliarden Dollar für zwei neue Fabriken in den USA ausgeben und plant weitere in Europa.

Aktuell werden Standorte gesucht. Allerdings fordert der Konzern dafür Subventionen. „Der Bau einer Chipfabrik ist extrem teuer“, sagte Intels Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid jüngst dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Aber Europa würde von der Hilfe auch profitieren: „Wenn die EU mitzieht und wirklich viel Geld dafür ausgibt, dann muss sie sicherstellen, dass auch für Europa produziert wird.“

Die Industrie unterliegt gewissen Zyklen, das wird auch so bleiben.

Werner Ballhaus

Industry Leader Technologie, Medien & Telekommunikation bei PwC

Die Branche ist für ihre „Schweinezyklen“ bekannt: Weil sich nur sehr große Fabriken lohnen, gibt es nach mehreren Neubauten erst einmal Überkapazitäten. „Die Industrie unterliegt gewissen Zyklen, das wird auch so bleiben“, sagt PwC-Experte Ballhaus. Dadurch würden zwischendurch zwar immer wieder die Preise gedrückt, die Absatzmenge wachse aber weiter – und mit zunehmender Auslastung steigen die Preise wieder.

Ein Kauf von Globalfoundries würde die Neubauten bei Intel wohl nicht ersetzen, aber viel schneller zusätzliches Geschäft bringen. Denn der Konzern, der den Chipmarkt einst unumschränkt beherrschte, ist zeitweise ins Hintertreffen geraten. Gelsingers Vorgänger Robert Swan musste nach nur zwei Jahren gehen, der Aktienkurs hat sich seit Jahren kaum bewegt und hinkt dem Markt weit hinterher. Zum Börsenstart in den USA ließen die Kaufgerüchte den Kurs nach oben springen.

Von „Intel inside“ zum anonymen Zulieferer

Die geschätzten 30 Milliarden Dollar für Globalfoundries könnte der immer noch hochprofitable Konzern aber leicht aufbringen. Der Kauf würde zu Gelsingers neuer Strategie passen: Er will nicht mehr nur eigene Chips herstellen, sondern auch für Kunden nach deren Designvorgaben produzieren. Der Konzern, der einst mit dem Logo „Intel inside“ seine Chips zur Marke machte, will in Zukunft auch als anonymer Zulieferer wachsen.

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Die Kunden wollen selbst entwickeln

Solche Auftragsfertiger, in der Branche Foundry genannt, haben sich in den vergangenen Jahren fest etabliert, weil immer mehr Kunden die Chips für ihren Bedarf maßgeschneidert selbst entwickeln wollen. Das gilt nicht nur für Elektrokonzerne wie Apple, sondern auch für Autohersteller und Zulieferer wie Volkswagen und Continental. Gebraucht werden dann aber Spezialisten, die die extrem anspruchsvolle Produktion im Griff haben.

Tom Caulfield (r.), Chef von Globalfoundries, führte Wirtschaftsminister Peter Altmaier Anfang Juli durch die Dresdner Fabrik.

Tom Caulfield (r.), Chef von Globalfoundries, führte Wirtschaftsminister Peter Altmaier Anfang Juli durch die Dresdner Fabrik.

Globalfoundries ist auf diesem Feld hinter TSMC einer der größten Anbieter. Der US-Konzern gehört einem Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi und bedient aus seinen Fabriken in den USA, Singapur und Dresden nach eigenen Angaben mehr als 250 Kunden in aller Welt. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über einen bevorstehenden Börsengang des Unternehmens spekuliert. Ob der nun durch einen Verkauf ersetzt wird, ließen beide Unternehmen offen.

Intel schweigt zu den Gerüchten

Das „Wall Street Journal“ beruft sich auf anonyme Insider und zitiert eine Globalfoundries-Sprecherin mit der Aussage, man führe mit Intel keine Gespräche. Intel selbst wollte den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht kommentieren.

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