Autoabos: Wie Anbieter von Volkswagen bis ViveLaCar den Markt aufrollen

Bei Autoabos wittern Analysten das große Geschäft.

Bei Autoabos wittern Analysten das große Geschäft.

Hannover. Das Autoabo ist ein noch recht neues Geschäfts­modell, aber es gibt immer mehr Anbieter, die mit Macht in den Markt drängen. Gerade hat Volkswagen ein großes Abo­programm für seine reinen Elektroautos ID.3 und ID.4 gestartet. In den kommenden Monaten sollen dafür mehr als 2000 junge Gebrauchtwagen zur Verfügung stehen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist Volkswagen damit zwar spät dran, dafür wird es eines der größten Abo­angebote in Deutschland.

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Autoabos – alle Kosten mit drin

Im Unterschied zum Leasing sind bei Auto­abos alle anfallenden Kosten mit drin – außer die für Sprit oder Strom. Das Abo deckt Wartungs- und Reparatur­kosten, Zulassungs­gebühren, Steuern und Versicherungen ab. Außerdem haben die Autoabos meist eine sehr kurze Vertrags­laufzeit, auch das unterscheidet sie von vielen Leasing­angeboten. Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen beschreibt es in einer Marktstudie so: Was im Firmenkunden­geschäft als sogenanntes Full-Service-Leasing bereits Alltag sei, nenne sich für Privatkundinnen und ‑kunden jetzt Autoabo.

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Laut CAR-Institut ist das Wachstum des Angebots rasant: Gab es im Dezember 2020 noch 227 Abomodelle auf dem deutschen Markt, waren es ein halbes Jahr später schon 432 Angebote und damit fast doppelt so viele.

Neben Volkswagen haben auch Audi und Mercedes eigene Abo­programme, Marken wie Hyundai oder Renault bieten in Zusammen­arbeit mit Autoabo-Experten wie Fleetpool oder ViveLaCar markenspezifische Lösungen an. Dazu kommen Angebote von Auto­vermietern wie Sixt oder von Start-ups wie Cluno, Finn-Auto oder Like2drive.

Unverbindlichkeit und Flexibilität für die Kunden

„Die Zahl der Menschen wächst, die ein Fahrzeug nicht unbedingt dauerhaft besitzen, es jedoch für einen definierten Zeitraum exklusiv nutzen möchten“, erklärt der Volkswagen-Vorstand für Vertrieb und Marketing, Klaus Zellmer. Für genau diese meist junge Zielgruppe ist das Autoabo konzipiert.

Zudem spielen laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) Motive wie ein geringeres finanzielles Risiko, mehr Unverbindlichkeit und Flexibilität für viele Kundinnen und Kunden eine Rolle. Auch die Möglichkeit, den gesamten Vertrags­abschluss online zu tätigen, reizt viele.

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Bei den Kosten lohnt es sich, genau hinzuschauen. So sind laut CAR besonders große Modelle wie der BMW 5er oder der VW Touareg mit Abokosten von 674 Euro beziehungsweise 764 Euro im Monat günstig im Vergleich zum Neuwagen- oder Leasingpreis.

Große Erwartungen

Im vergangenen Jahr wurden laut CAR-Institut 42.000 Autoabos für Neuwagen abgeschlossen, in diesem Jahr sollen es nach Schätzungen 60.000 sein. Damit ist der Markt derzeit noch überschaubar. Aber er könnte enorm wachsen. BCG erwartet, dass der Abomarkt bis 2030 in Europa und den USA auf ein Volumen von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar zulegen wird – was 15 Prozent der für diesen Zeitpunkt prognostizierten Neuwagen­verkäufe entspräche.

In die gleiche Richtung gehen die Pläne von VW: „Wir schätzen, dass bis 2030 rund 20 Prozent unserer Umsätze aus Abos und anderen kurzzeitigen Mobilitäts­angeboten stammen könnten“, so Zellmer.

Elektro­autos ausprobieren

Für die Auto­hersteller ist das nicht nur ein boomender Markt, bei dem es sich lohnt, dranzubleiben. Sie können die Autoabos auch nutzen, um ihre Elektro­fahrzeuge bekannter zu machen. Denn wer sich für nur drei oder sechs Monate auf einen neuen ID.3 oder ID.4 festlegt, kann in Ruhe und ohne Risiko testen, ob ein E‑Fahrzeug für den eigenen Alltag infrage kommt.

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Auch die BCG-Berater glauben, dass der Trend in diese Richtung geht. „Potenzielle Neukunden können an Automarken und auch an Elektro­fahrzeuge herangeführt und Käufe dadurch angekurbelt werden“, heißt es in der Analyse.

ViveLaCar kombiniert Abo und Sharing

Der Anbieter ViveLaCar denkt aber bereits weiter. Die Gründer des Start-ups wollen langfristig den Bestand an Autos verringern und so das Klima schützen und für mehr Freiflächen in auto­überfüllten Städten sorgen. ViveLaCar kombiniert deshalb das Abo- mit einem Sharingmodell. Das bedeutet: Künftig können sich zwei oder drei Kunden ein Autoabo teilen.

„Das ist sicherlich nichts für Menschen, die jeden Morgen um 7 Uhr ins Auto steigen und um 17 Uhr zurück­kommen“, sagt Gründer Stephan Lützenkirchen. Aber viele bräuchten das Auto eben nur an einigen Tagen die Woche, weil sie sonst zum Beispiel im Homeoffice arbeiten. Oder sie fahren nur am Wochenende längere Strecken. „Wenn sich Nachbarn, Kollegen oder Freunde zusammentun, die das Auto zu unterschiedlichen Zeiten benötigen, kann das eine sehr sinnvolle und kostengünstige Lösung sein.“

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Autoabo: Auch Sprit oder Strom mit drin

Jeder Fahrer und jede Fahrerin kann dabei ein individuelles Kilometerpaket auswählen. Und auch die Tankrechnung muss nicht aufwendig zwischen den Nutzern geteilt werden. Denn bei diesem Abomodell ist auch der Sprit oder der Strom schon mit drin.

„Vielen ist es wichtig, ihr eigenes Auto zu fahren und nicht wie bei anderen Sharinganbietern immer ein anderes Fahrzeug. So kann man auch den Kindersitz oder die Hundedecke einfach im Auto lassen“, erklärt Lützenkirchen. Das Angebot soll in diesem Jahr zunächst in Stuttgart, Berlin und Köln starten, 2022 sollen weitere deutsche und europäische Städte folgen.

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