Bessere Löhne zum kleinen Preis?

Ausbeutung zum Frühstück: Ananas und Weintrauben werden oft zu Hungerlöhnen produziert

Unter Mindestlohn schuften Arbeiterinnen in Südafrika, damit in deutschen Supermärkten günstiger Wein verkauft wird.

Unter Mindestlohn schuften Arbeiterinnen in Südafrika, damit in deutschen Supermärkten günstiger Wein verkauft wird.

München. Drei von vier in Deutschland verkaufte Ananassen stammen aus Costa Rica. Menschen, die sie auf Plantagen eines Zulieferers der deutschen Edeka-Kette ernten, erhalten als Lohn aber nur 4,50 Euro am Tag. Das und andere Missstände hat die Hilfsorganisation Oxfam in einer Studie namens „Grenzenlose Ausbeutung“ aufgedeckt, die den Lieferketten heimischer Lebensmittel-Supermärkte nachspürt.

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Traubenernte in Südafrika war ein zweiter beispielhafter Schwerpunkt. „Nur wer im Einkauf billig ist, kommt ins Supermarktregal“, sagt Studienautor Tim Zahn und sieht damit die vier großen deutschen Lebensmittelketten in einer Mitverantwortung, die 85 Prozent des heimischen Markts beherrschen.

Die geben sich teilweise problembewusst. Man habe auf die Vorwürfe hin Ermittlungen eingeleitet, erklärt Edeka. Betroffen seien allerdings keine Stammlieferanten. Rewe bezeichnet die beschriebenen Vorwürfe auch mit Blick auf das neue deutsche Lieferkettengesetz als klaren Verstoß gegen geltendes Recht. Man werde Konsequenzen bis hin zur Beendigung des Lieferverhältnisses ziehen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Die Lieferanten hätten sich aber von den Praktiken distanziert. Nun forsche man weiter nach.

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Südafrika: Schuften für weniger als 194 Euro im Monat

Oxfam wirft den Supermarktketten indessen vor, massiven Preisdruck auf die Produzenten auszuüben und dadurch Ausbeutung zu begünstigen. Hungerlöhne seien nicht nur auf Ananasplantagen, sondern auch in der Traubenernte in Südafrika aufgedeckt worden. Das Land ist für Deutschland der wichtigste Weinexporteur außerhalb der EU. Jede zweite Arbeiterin müsse dort für deutlich weniger als den dortigen Mindestlohn von 194 Euro monatlich schuften.

Oxfam habe die Lieferketten für beide Produkte von den Regalen bis zu den konkreten Farmen in den Herkunftsländern zurückverfolgt, nimmt die Organisation für sich in Anspruch. Dabei seien bei Zulieferern aller großen deutschen Lebensmittelketten Menschenrechtsverstöße nachgewiesen worden.

Neben Hungerlöhnen seien Akkordarbeit von täglich über zwölf Stunden üblich, sagen die Studienmacher. Arbeiterinnen in der südafrikanischen Traubenernte würden zu sexuellen Handlungen genötigt, wenn sie einen Job haben wollen. Sie seien zudem giftigen Pestiziden ausgesetzt und hätten während der Arbeit keinen Zugang zu Toiletten oder Trinkwasser.

Gerichtsurteile aus Costa Rica wiederum würden belegen, dass auf Ananasplantagen, die Rewe und Lidl beliefern, unrechtmäßig Mitglieder von Gewerkschaften entlassen werden. Lidl hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert.

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Bessere Löhne würden hier nur wenige Cent mehr kosten

Was angemessene Löhne betrifft, geht es auf Ebene von Endverbraucher­preisen nur um Cent-Beträge, betonte Oxfam-Experte Steffen Vogel. So kämen von einer Flasche Wein, die für 3 Euro in deutschen Supermärkten verkauft wird, nur drei Cent bei südafrikanischen Farmarbeiterinnen an. Lebensmittelhändler strichen dagegen die Hälfte des Flaschenpreises ein.

Würden die Löhne der Arbeiterinnen um ein Drittel auf ein angemessenes Niveau erhöht, schlage sich das in deutschen Supermarktregalen mit nur einem Cent mehr je Flasche nieder, rechnet Vogel vor. Das könnten gut verdienende Supermarktketten ohne Preiserhöhung leicht verkraften. Diese Betrachtungsweise gilt allerdings nur für ein einzelnes Produkt.

Bundesbehörden fordert Oxfam auf, das deutsche Lieferkettengesetz, das für Großbetriebe ab 2023 gilt, ambitioniert umzusetzen und deutschen Abnehmerfirmen sowie deren Lieferanten genau auf die Finger zu sehen. Auf alle Fälle müsse Beschwerden wie den in der Studie erhobenen entschieden nachgegangen werden. Auf EU-Ebene solle sich die Ampelkoalition für ein europäisches Lieferkettengesetz starkmachen, das Betroffenen bei Menschenrechts­verletzungen Klagerecht vor deutschen Gerichten einräumt.

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