Elektro-Lkw

Augsburger Start-up Quantron: ein deutsches Tesla für Brummis und Busse?

Der Quantron QARGO 4 EV Light-Truck verspricht bis zu 350 Kilometer Reichweite nur mit Batterie.

Der Quantron QARGO 4 EV Light-Truck verspricht bis zu 350 Kilometer Reichweite nur mit Batterie.

Augsburg. Es ist ein Satz, den Andreas Haller nicht gelten lässt. „Das geht nicht“, hört der Bayer immer wieder, wenn Elektro-Lkw jetzt sofort auf die Straße gebracht werden sollen. Deshalb hat der Unternehmer, der in fünfter Generation die mittelständische Haller-Gruppe mit ihren Landtechnik- und Nutzfahrzeugaktivitäten führt, 2019 in Gersthofen bei Augsburg sein Start-up Quantron gegründet. Das hat nun zum Firmensitz mitten in einem unscheinbaren Gewerbegebiet eingeladen, wo in einer Halle stolz die elektromobile Nutzfahrzeugzukunft vom kleinen Transporter bis zum 50-Tonner präsentiert wird. „Alles ist erhältlich und lieferbar“, stellt Quantron-Chef Michael Perschke klar. Denn es gehe sehr wohl jetzt und sofort, betonen er und Haller.

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Das ist ein Seitenhieb auf etablierte Nutzfahrzeughersteller wie Daimler oder MAN, die zwar gerade ihre ersten Elektro-Lkw vom Band rollen lassen, aber auf lange Lieferzeiten verweisen. Wer heute bei Quantron bestellt, wird noch 2022 beliefert, betonen Gründer und Firmenchef. Anfang nächsten Jahres sei auch die Straßenzulassung für einen ersten Lastwagen mit Wasserstoffantrieb da.

„Wir müssen nicht diskutieren, wann die Dieselfertigung ausläuft“, sagt Haller zur Geschwindigkeit, mit der Quantron in den Markt drängt. Damit erklärt er, warum Daimler, MAN und Co. die Elektrifizierung aus seiner Sicht recht zögerlich angingen. „Wir sind wie Tesla“, findet der Elektropionier. Ohne technologische Altlasten gehe es eben flotter. Dabei sind Eigenentwicklungen nicht das erste und einzige Eisen, das die Augsburger im Feuer haben.

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Angefangen hat das Start-up mit Umrüstung von Diesel-Lkw auf Elektroantrieb. In Österreich bei Ikea sind seit dem Vorjahr gut 30 Elektro-Lkw auf Basis eines Iveco-Diesel auf der Straße. Bei deutschen Kommunen fährt ein Dutzend elektrifizierter Mülllaster. Die meisten der nun am Firmengelände vorgestellten Modelle sind noch umgerüstete Diesel-Lkw von Herstellern wie DAF oder MAN. Aber ein Elektrostadtbus und ein leichter Elektro-Lkw sind erste verfügbare Eigenbauten, denen 2023 ein drittes Modell folgen soll.

10 bis 15 Prozent aller Diesel-Lkw können elektrifiziert werden.

Erst einmal werde das Umrüstgeschäft dominieren, räumt Haller ein. Bei etwa 10 bis 15 Prozent des deutschen Dieselnutzfahrzeugbestands sei es wirtschaftlich, sie zu elektrifizieren. Das wäre allein für Deutschland ein Potenzial von rund 100.000 Fahrzeugen und ein Vielfaches dazu im europäischen Maßstab, wobei Quantron auch schon Bestellungen aus den USA hat. „Wir haben unbegrenzte Möglichkeiten“, glaubt Haller. Elektrokomponenten kommen von Zulieferern wie CATL für Batterien oder Ballard für Brennstoffzellensysteme. Traditionelle Fahrzeugteile für die eigenen Modelle liefert der chinesische Partner EVD, der auch einer von zwei Quantron-Investoren der ersten Stunde ist.

„Hinter Quantron steht Branchenerfahrung“, begründet EVD-Direktor Miguel Valldecabres das Engagement bei den Augsburgern. Das geht auf die Haller-Gruppe zurück, deren Expertise im heutigen Firmenpatriarchen personifiziert ist. „Wir sind kein normales Start-up, sondern eine Abspaltung der Haller-Gruppe“, sagt auch dieser selbst. Denis Muratov vom zweiten Investor Fund4SE lobt die Verfügbarkeit einer breiten Nutzfahrzeugpalette in Umrüstvarianten oder Eigenbau. Gut ein Viertel halten beide Investoren in Summe am mit 250 Millionen Euro bewerteten Start-up.

Das Geschäftsmodell

Blickt man über den gesamten Lebenszyklus von Lastwagen inklusive Wartung und Sprit kalkuliert Quantron mit Preisparität zwischen Elektro- und Diesel-Lkw 2023. Beim reinen Verkaufspreis ist ein Elektro-Lkw aus dem eigenen Haus heute um den Faktor 2,8 teuerer als ein Diesel-Lastwagen, verraten die Augsburger. Bei den elektrischen Reichweiten bieten sie bei ihrem eigenen Bus-Modell 370 Kilometer und 230 Kilometer für ihren Leicht-Lkw für den innerstädtischen Lieferverkehr. Bei schweren Lkw, wofür es noch kein eigenes Modell gibt, werden für Umrüstfahrzeuge 650 Kilometer elektrische Reichweite versprochen. Bis 2030 will Quantron weltweit rund 30.000 Lastwagen allein im Servicemodell auf der Straße haben und deren Leistungen nach Fahrtstrecke und Zuladung verkaufen. 2021 wurden mit insgesamt rund 350 Beschäftigten, davon 100 Leute am Firmensitz, zehn Millionen Euro umgesetzt. Dieses Jahr wird voraussichtlich auf 500 Beschäftigte aufgestockt.

Das könnte nur eine Momentaufnahme sein. Denn die Pläne sind ehrgeizig. „Wir haben Produktionskapazitäten für 10.000 Einheiten jährlich“, verrät Perschke. Das verteilt sich auf vier Fabriken in Deutschland, Spanien, der Türkei und China. Für das laufende Jahr geplant sei erst einmal ein Absatz von rund 400 Fahrzeugen aller Art, ergänzt Haller. 2023 soll es dann vierstellig werden. Ab 2024/2025 will Quantron dann nicht mehr nur Fahrzeuge verkaufen, sondern vielmehr Kilometer und Kilogramm.

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So umschreibt der Firmengründer das geplante Geschäftsmodell, bei dem ein Lkw im Besitz von Quantron bleibt und Kunden für Fahrtstrecke sowie das Gewicht der Fracht bezahlen. Auch Wasserstoffzapfsäulen für Brennstoffzellen-Lkw will Quantron in Eigenregie betreiben und Ladesäulen für Elektro-Lkw bieten.

Börsengang in den USA geplant

„Wir sind ein Lösungsanbieter, kein klassischer Lkw-Hersteller“, betont Haller. Das Technologierisiko müssten in diesem Modell nicht Kunden tragen. Es verbleibe bei Quantron. Um rasch ein großes Rad zu drehen, sei für nächstes Jahr ein Börsengang in den USA angepeilt, sagt der Firmengründer. Denn Nullemission für Nutzfahrzeuge in großem Stil soll jetzt kommen und nicht irgendwann später.

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