Amazon will Cannabis legalisieren – und auch sonst entspannter werden

Amazon wächst – doch die Arbeit dort ist aus Sicht von Kritikerinnen und Kritikern eine Belastung.

Amazon wächst – doch die Arbeit dort ist aus Sicht von Kritikerinnen und Kritikern eine Belastung.

Hannover. Amazon ist einer der größten Profiteure der Corona-Krise, doch es gibt scharfe Kritik an der Situation der Beschäftigten des Onlinegiganten. In den USA will das Unternehmen nun für weniger Stress in seinen Lagerhäusern sorgen. Auch eine entspanntere Haltung zum Cannabiskonsum von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht auf der Agenda, um zum „weltbesten Arbeitgeber“ zu werden.

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Der für Kundenbeziehungen zuständige CEO Dave Clark kündigte am Mittwoch an, dass Cannabiskonsum künftig analog zu Alkoholkonsum behandelt werden soll. Routinemäßige Drogentests fallen demnach weg. Auf Drogenkonsum getestet werde künftig nur noch nach Unfällen, in Bereichen, bei denen es gesetzlich vorgeschrieben sei und bei Beeinträchtigungen der Arbeitsleistung.

Grund für den Kurswechsel ist laut Clark die in vielen US-Bundesstaaten immer laxere Gesetzgebung zu Cannabiskonsum. Zugleich machte er eine öffentlichkeitswirksame Ankündigung: Amazon unterstütze ab sofort die vom Kongress geforderte US-weite Entkriminalisierung der Droge, versprach Clark.

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Entlastung für Beschäftigte geplant

Für noch mehr Entspannung bei Amazon-Beschäftigten dürfte allerdings eine andere Nachricht sorgen: Amazon misst schon lange per Software, ob und wie lange Beschäftigte in Lagern während der Arbeitszeit vermeintlich unproduktiv sind. Die Regelungen zur sogenannten Time-off-Task, also der Zeit, in der jemand laut Software inaktiv ist, sorgen aus Sicht von Kritikern für viel Stress. Nun sollen die Vorgaben entzerrt werden, erklärte Clark.

Damit greift Amazon Kritik auf, die beim Zusammenspiel von Menschen und Algorithmen in vielen Unternehmen laut wird. Im Fall des Onlinehändlers geht es vor allem um Handscanner, die Beschäftigten in Amazon-Lagern stets bei sich haben. Mit denen können nicht nur Waren gescannt, sondern auch Arbeitsschritte der Beschäftigten überwacht werden, wie Verdi befürchtet.

Die Folge aus Sicht der Gewerkschaft: Die Beschäftigten bei Amazon arbeiten in steter Angst, dass Inaktivität sofort entdeckt wird und zu Feedbackgesprächen sowie womöglich Sanktionen führt. „Das macht enormen psychischen Druck und vor allem krank“, sagte der für Amazon zuständige Verdi-Fachgruppenleiter Orhan Akman jüngst bei einer Anhörung im Europaparlament.

Amazon will „weltbester Arbeitgeber“ werden

Bei seiner Ankündigung betonte Amazon-Manager Clark indes ausdrücklich, dass aufgezeichnete Informationen wie die Time-off-Task vor allem dazu dienen, seitens Amazon schlecht geplante Prozesse aufzudecken. „Es gibt viele legitime Gründe, weshalb jemand inaktiv ist“, so Clark. Künftig will Amazon ihm zufolge Beschäftigten in solchen Fällen mehr Zeit geben, bevor sich Vorgesetzte einschalten. Inwiefern die Ankündigung auch für Deutschland gilt, beantwortete Amazon bis Redaktionsschluss nicht.

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Die Devise, zum „weltbesten Arbeitgeber“ zu werden, hatte Aufsichtsratschef Jeff Bezos im April ausgegeben. Amazon hatte zuletzt auch wegen der Corona-Pandemie rekordverdächtige 9 Milliarden Dollar Quartalsgewinn ausgewiesen. Zwar zahlt Amazon in vielen Regionen im Branchenvergleich recht hohe Gehälter. Trotzdem kam es weltweit zuletzt häufiger zu Protesten von Beschäftigten, denen es sowohl um Gehaltsfragen als auch um die Arbeitsbedingungen ging.

Um Letztere zu verbessern, hat Amazon in der vergangenen Woche außerdem die Einführung von Meditationsboxen in seinen Lagerhäusern angekündigt. Unter dem Motto „AmaZen“ sollten die etwa dixieklogroßen Zellen einen Rückzugsraum bieten, inklusive Meditationsvideos. Prompt hagelte es im Internet heftigen Spott: Viele Kommentatoren beklagten, dass es bei den Arbeitsbedingungen bei Amazon größere Baustellen als fehlende Meditationsräume gebe. Wenig später löschte Amazon das Ankündigungsvideo auf seinen Kanälen im Internet.

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