Nachfrage teilweise verdoppelt

Brennholz, Heizlüfter und sogar Kohle: Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zur Gasheizung

Holznachschub für den Kamin muss nach dem Schlagen im Wald zum Trocknen gestapelt werden.

Brennholz ist begehrt: Händler bemerken eine gesteigerte Nachfrage nach Alternativen zur Gasheizung.

Berlin. Angesichts der gestiegenen Gaspreise und der Sorge vor dem Winter decken sich immer mehr Menschen mit alternativen Wärmequellen ein. So verzeichnet die Baumarktkette Bauhaus eine im Vergleich zum Vorjahr „deutlich gestiegene Nachfrage“ nach Holz- und Pelletöfen sowie Elektroheizkörpern, berichtet ein Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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In den Hornbach-Baumärkten ist das ebenfalls spürbar: Die Nachfrage nach strombetriebenen Alternativen zur Gasheizung habe sich im Vergleich zum Vorjahr seit Jahresbeginn verdoppelt, so ein Sprecher. Noch viel deutlicher sei das bei Öfen sowie Kaminholz und Pellets. Dort habe sich die Nachfrage „mindestens verdoppelt“, heißt es auf RND-Anfrage. Gleichzeitig seien auch andere Produkte, mit denen sich Energie einsparen lässt – beispielsweise Dämmstoffe – stark gefragt.

Brennholz noch vor der Saison stark gefragt

Dass sich viele Menschen nun verstärkt mit Brennholz eindecken, bemerken auch Forstbetriebe. So erkundigen sich etwa im waldreichen Hessen immer mehr Leute nach Holz für ihren Kamin. Der Landesbetrieb Hessen-Forst verkauft über seine 39 Forstämter Brennholz an Privatkunden und Händler. „Dort gehen zurzeit sehr viel mehr Anfragen von Privatkunden ein als zu dieser Zeit üblich“, teilt eine Sprecherin mit.

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Dabei habe die Saison für Brennholz noch gar nicht begonnen: „Wir starten erst im Herbst mit der Pflege und Ernte des Holzes.“ Zwar könne kein konkretes Datum für die gestiegene Nachfrage festgemacht werden, zweifelsohne sei aber „die Energiekrise, ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, der größte Auslöser“, heißt es. Gleichzeitig müsse man bedenken, dass diese Nachfrage nach Brennholz auf ein ohnehin begrenztes Angebot treffe. Denn: „Auch wenn es sich beim Holz um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, ist Brennholz endlich.“

Auch Kohle erlebt ein Comeback

Und auch ein anderes Produkt erlebt gerade eine Renaissance: Kohle. Peter Bosse, der überregional als „Kohlenpeter“ bekannt ist, kann sich vor Anfragen derzeit kaum retten „Es ist irre“, sagt der Leipziger Kohlenhändler. Das Telefon stehe kaum noch still. Bei der hohen Nachfrage kommt Bosse kaum hinterher: „Wer jetzt bestellt, kann erst im September beliefert werden“, sagt er. Bosse bezieht seine Braunkohle zum Großteil aus der Lausitz, ein kleinerer Teil kommt aus der Kölner Region. Gemeinsam mit seinen drei Mitarbeitern beliefert er Kundschaft in ganz Mitteldeutschland.

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Neben Kohle gibt es bei ihm auch Koks und Brennholz zu kaufen; „alles, was brennt“, wie er sagt. Seit April sei die Anfrage nun „wie verrückt“ gestiegen. „Der Krieg wirkt sich schon aus“, sagt er. Einige seiner Kundinnen und Kunden hätten zuletzt vor 25 Jahren bei ihm bestellt – und würden nun wieder anfragen. Dabei nehmen sie auch deutlich gestiegene Preise in Kauf: Um 20 bis 25 Prozent sei der Einkaufspreis gestiegen, sagt Bosse. Das müsse er entsprechend auf die Kundschaft umlegen.

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Verbraucherschützer: Heizen mit Strom ist nicht billiger

Heizlüfter, Brennholz, Kohle: Reinhard Loch, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, sieht darin zwar auf jeden Fall eine Alternative für Menschen, die Angst vor einer Gasknappheit haben. Allerdings verweist er darauf, dass Holz und Kohle nur dort genutzt werden können, wo Ofen oder Kamin vorhanden sind. Und die müssten auch noch entsprechend gewartet und vom Schornsteinfeger zugelassen sein. „Ob das allerdings billiger als Gas ist, kommt auf den Einzelfall an“, sagt er.

Das Gas für die neue Raffinerie in Rostock soll aus der Nordsee stammen – gefördert zum Beispiel von der Gas-Plattform Sleipner A 150 Kilometer westlich von Stavanger. Sie gehört dem Equinor-Konzern.

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Vom Heizen mit Strom rät der Verbraucherschützer aus finanziellen Gründen ausdrücklich ab. „Man heizt mit Sicherheit nicht billiger mit Strom“, sagt er. Allenfalls als Notlösung seien Elektroradiatoren brauchbar. Dabei seien die Vor- und Nachteile abzuwägen. Elektrische Heizkörper etwa seien teils günstig in der Anschaffung und nicht an einen festen Platz gebunden, würden gleichzeitig aber eben nur begrenzt Wärme abgeben. Ein Kamin hingegen könne durchaus mehrere Räume heizen, sei aber teuer in der Anschaffung.

Energie kann auch an anderen Stellen gespart werden: Jetzt im Sommer lohne sich etwa eine Wasserspararmatur, sagt Loch. Auch ein wassersparender Duschkopf könne zum Einsatz kommen. Und natürlich lässt sich auch beim Heizen was machen: Neben der Überlegung, die Temperatur anzupassen, kommt es aus Sicht des Verbraucherschützers auch auf eine richtige Wartung und Einstellung der Heizung sowie der Rohre an.

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