Nach einem Jahr als Bundestrainer

Was Hansi Flick beim DFB verändert hat – und was gleich geblieben ist

Hansi Flick übernahm den Posten des Bundestrainers im vergangenen Sommer von Joachim Löw.

Hansi Flick übernahm den Posten des Bundestrainers im vergangenen Sommer von Joachim Löw.

Die Szenen, die sich nach dem 5:2 gegen Italien um kurz vor Mitternacht am Mannschafts­bus der Nationalelf abspielten, erinnerten an eine Klassenfahrt. Im Halbdunkeln verab­schiedeten sich gut zwei Dutzend junger Leute mit Hoodies, Caps und Rucksäcken bekleidet von ihren Betreuern – Handshake, kurze Umarmung, dann ab in die Kleinbusse, die bereitstanden für Manuel Neuer und Co. „Die Spieler sollen jetzt mal durchschnaufen, mental runterkommen – das haben sie sich verdient“, sagte „Klassenlehrer“ Hansi Flick, der seiner Bande für die vorherige Prüfung ein prima Zeugnis ausstellte: „Es war ein Stresstest, den wir grandios bestanden haben. Die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir sehen wollten.“

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Der Kantersieg gegen den amtierenden Europameister, der aktuell allerdings nicht mehr zu den ganz Großen des Weltfußballs zu zählen ist, war sicherlich das Highlight der ersten Saison unter dem neuen Bundestrainer, die nun zu Ende ist – mit einer beachtlichen Bilanz: Nach 13 Spielen ist das DFB-Team noch immer ungeschlagen, man holte neun Siege bei einer Tordifferenz von 42:8.

Lob von Bundestrainer Flick an DFB-Team nach Sieg gegen Italien

Beim Nations League Spiel erlangte die Nationalmannschaft den lang ersehnten Sieg mit 5:2 gegen Italien.

Flick hat DFB-Trainerteam erneuert

Flick hat seit seinem Amtsantritt im vergangenen September einiges angeschoben und viele Dinge verändert – beispielsweise das Trainerteam komplett erneuert. Der DFB-Coach installierte unter anderem einen Standardexperten, war selbst viel präsenter in den Bundesliga-Stadien als sein Vorgänger Joachim Löw und tauschte sich regelmäßig mit Spielern, Klubtrainern und Verantwortlichen aus. Diese offene Art kommt an – in der Mannschaft, aber auch innerhalb der Liga.

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Auch auf dem Platz hat Flick einiges probiert, manche Neulinge getestet (wie David Raum, Karim Adeyemi, Anton Stach oder Lukas Nmecha) und andere zurückgeholt wie Julian Weigl. Und manche, die bei Löw eigentlich immer dabei waren, haben es nun schwer – wie Matthias Ginter, Julian Draxler oder Robin Gosens. Unter Flick machten vor allem Jonas Hofmann und Jamal Musiala den nächsten Schritt, sie werden in Katar mit Sicherheit dabei sein. Allerdings muss es dem Bundestrainer bis zur WM auch gelingen, sein propagiertes Leistungsprinzip umzusetzen und die Besten spielen zu lassen – einen Platz für die beiden hat er in seiner Startelf derzeit noch nicht gefunden, genauso wenig für Kai Havertz, der für viele der große Hoffnungsträger bei der Winterendrunde sein soll. Bislang vertraute er meistens seinen kriselnden Offensivkünstlern wie Leroy Sané oder Timo Werner – aber wie lange noch?

Klar ist Flick kein Mann für große Experimente, er hält beispielsweise an seinem 4-2-3-1-System fest, versucht aber dennoch, immer „offen für Neues“ zu sein, wie er selbst sagt. Zuletzt holte er sich Unterstützung einer Schlafforscherin und kündigte an, bis zur WM „an weiteren Stellschrauben zu drehen“. Das muss er auch.

Thomas Müller sieht noch „allerhand Defizite“ im DFB-Team

Denn eine Sache hat sich (noch) nicht geändert bei der Nationalmannschaft: An guten Tagen kann sich Deutschland mit den großen Nationen auf Augenhöhe bewegen, an schlechten aber auch gegen kleinere Gegner ins Schwimmen kommen – Konstanz ist aktuell noch ein Fremdwort. Was aber Hoffnung macht: Flick ist ein guter Kommunikator, lag bei seinen Analysen bislang meistens richtig und ordnete auch die vier jüngsten Nations-League-Spiele vernünftig ein („Vieles war nicht gut, aber auch einiges sehr gut“). Diese realistische Einschätzung muss er auch seinen Profis vermitteln.

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Routinier und Offensivallrounder Thomas Müller, neben Kapitän Neuer auch unter Bundestrainer Flick verlängerter Trainerarm auf dem Platz, fasste die aktuelle Situation fünf Monate vor WM-Beginn treffend zusammen: „Wir haben gute Spieler, eine gute Einstellung, ein gutes Projekt am Laufen. Aber wir haben auch noch allerhand Defizite, um von einer perfekten Mannschaft und Souveränität zu sprechen – dessen müssen wir uns bewusst sein. Wir haben alles, um an einem guten Tag jeden schlagen zu können, die richtigen Dinge machen zu wollen. Aber da müssen wir noch ein bisschen draufpacken.“

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