Thesen zum Formel-1-Monat

Norbert Haug: Rüffel für Ferrari, Mercedes muss nachbessern

Norbert Haug analysiert unter anderem die Leistungen von Ferrari und Mercedes.

Norbert Haug analysiert unter anderem die Leistungen von Ferrari und Mercedes.

Das von allen Tifosi herbeigesehnte Ferrari-Heimspiel beim Großen Preis der Emilia Romagna am Sonntag in Imola geriet zum Desaster: Statt den Vorsprung in der Formel-1-WM weiter auszubauen, leisteten sich am Wochenende sowohl der Weltmeisterschaftsführende Charles Leclerc als auch sein Teamkollege Carlos Sainz entscheidende (Fahr-)Fehler. Titelverteidiger Max Verstappen liegt im Red Bull nach seinen Siegen im Sprint- wie im Hauptrennen „nur“ noch 27 Punkte (für einen Sieg gibt es 25) hinter Leclerc und darf sich trotz Ausfalls in Australien Anfang April als Sieger des Monats fühlen. Ferrari, das Team mit dem aktuell stärksten Auto im F1-Feld, ist dem Druck noch nicht ganz gewachsen – oder?

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Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat dem ehemaligen Mercedes-Motor­sport­chef Norbert Haug diese These vorgelegt – und noch vier weitere. So äußert sich der 69-Jährige, der die Karrieren der jeweils sieben­maligen (Rekord-)Welt­meister Lewis Hamilton und Michael Schumacher von Beginn an begleitete, ab dem Juniorenalter gefördert und mit beiden als Sport­chef erfolg­reich gearbeitet hat, auch über ein mögliches Karriereende des viermaligen Weltmeisters Sebastian Vettel. Dem 34-Jährigen, dessen Aston Martin zu den schwächsten Boliden gehört, wurde zuletzt vom ehemaligen F1-Teamchef Giancarlo Minardi geraten, seine Laufbahn zu beenden. Zudem analysiert Haug auch die Mercedes-Krise und ist weiterhin von der Stärke Hamiltons, der in Italien überrundet wurde, überzeugt.

These eins: Das Ferrari-Team und seine Fahrer sind dem Druck als derzeit bestes Team noch nicht ganz gewachsen.

Haug: „Ein Fehler, wie ihn Charles Leclerc in Imola unbedrängt fabriziert hat, darf einem Weltklassefahrer, der um den Weltmeistertitel kämpfen will, sicher nicht passieren, und falls doch, höchstens einmal. Bei seinem Teamkollegen Carlos Sainz war ein unverschuldeter Abschuss die Ursache, sein Ausscheiden in Runde eins hatte also einen anderen Grund. Auch die Ferrari-Teamleitung muss sich die Fehlleistung von Leclerc ankreiden. Wer so Punkte liegen lässt, die am Ende zum Titelgewinn fehlen können, macht Fehler mit womöglich fatalen Folgen.“

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These zwei: Fehler wie bei der Konstruktion des 2022er-Autos dürfen einem Dauersieger-Team wie Mercedes eigentlich nicht passieren.

Haug: „Das Mercedes-Formel-1-Team war nicht durch Zufall der Maßstab seit fast einem Jahrzehnt. Jetzt ist man neben die Spur geraten, hat aber sämtliches Potenzial, um in diese zurückzukommen, was allerdings nicht eine Operation von wenigen Rennen sein wird. Hektik wird dabei trotzdem keine aufkommen, auch wenn der Knoten aktuell so fest sitzt wie wohl noch nie zuvor. Hamilton wurde nach zwei Dritteln der Distanz in Imola überrundet, und das zeigt das aktuelle Leitungsniveau der Silberpfeile, nicht etwa der vierte Platz von George Russell, der auch durch Ausfall und Dreher von drei schnelleren Konkurrenten zustande kam.“

These drei: Mir tut es auch persönlich weh, Lewis Hamilton als Rekordweltmeister so weit hinterherfahren zu sehen.

Haug: „Hamilton ist stark und hält harte Kämpfe aus. Ohne diese wäre er nie siebenmaliger Weltmeister geworden. Ich mache mir um ihn keinerlei Sorgen. Lewis ist der beste Teamplayer, den ich mir vorstellen kann, und der wird er auch bleiben.“

These vier: Sebastian Vettel sollte in dieser Form der Formel 1 noch länger treu bleiben – und nicht, wie von Ex-Minardi-Teamchef Giancarlo Minardi vorgeschlagen, aufhören.

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Haug: „Ein vierfacher Weltmeister braucht sicher keinen einfachen Rat von wem auch immer. Sein Imola-Ergebnis (Platz acht; Anm. d. Redaktion) kann bei ihm keine Jubelstürme auslösen, aber die Gewissheit, das Mögliche mit seinem Auto und Team möglich gemacht zu haben. Bis zum Podium bleibt es allerdings ein weiter Weg.“

These fünf: Valtteri Bottas und Kevin Magnussen sind die positiven Überraschungen der ersten Rennen.

Haug: „Gib beiden ein gutes Auto, und sie werden gute und respektable Ergebnisse abliefern, auch wenn ich in beiden keine kommenden Weltmeister sehe. Aber sie gehören ganz sicher zu den routinierten Könnern im Feld.“

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