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Public Viewing

Pirnaer bejubeln Francesco Friedrichs Olympiagold vor großer Leinwand

Daumendrücken für „Franz“: Schwester Lucienne (l.) und Mutter Peggy verfolgten mit Jannis Bäcker und 70 Interessierten die zwei Goldläufe auf großer Leinwand.

Daumendrücken für „Franz“: Schwester Lucienne (l.) und Mutter Peggy verfolgten mit Jannis Bäcker und 70 Interessierten die zwei Goldläufe auf großer Leinwand.

Pirna.Schon als Nico Walther am Start steht, brandet im Bootshaus Pirna der Beifall auf. Mehr als 70 Leute haben sich versammelt, um auf der großen Leinwand die entscheidenden beiden Läufe des olympischen Zweierbob-Wettbewerbs zu verfolgen. Zum kollektiven Daumendrücken sind neben den Familienangehörigen des Lokalmatadoren Francesco Friedrich auch viele Sponsoren und Fans gekommen.

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Als der Dresdner Nico Walther im Ziel ist, gibt es wieder Beifall. Nun steigt die Spannung. Als endlich der „Franz“, wie Friedrich von allen nur genannt wird, an der Reihe ist, springen einige auf. Es wird auf die Tische getrommelt und rhythmisch geklatscht. Mama Peggy schaut gebannt auf die Leinwand, Vater Maik zeigt bei der Fahrt seines Sohnes fast keine Regung. Dafür aber Schwester Lucienne, die selbst einst im Bob saß. Schon vorher hat sie immer wieder auf ihre Fitness-Uhr geblickt, die anzeigt, wie der Puls in die Höhe schnellt. Als ihr Bruder dann durch den Eiskanal düst, hält es sie kaum auf ihrem Stuhl, ab und zu schlägt sie die Hände vors Gesicht. Als Franz im Ziel ist, Riesenbeifall im Saal.

Aber nun kommt der Kanadier Kripps. Nochmal Anspannung pur. Als klar ist, dass es zwei Olympiasieger gibt, kennt der Jubel keine Grenzen. Mutter und Tochter Friedrich liegen sich in den Armen. Nun gibt auch Vater Maik zu: „Mir zittern richtig die Hände. Es ist unglaublich, völlig überwältigend. Das muss ich erstmal setzen lassen.“ Auch Mama Peggy gesteht: „Man kann das gar nicht so richtig fassen. Nach dem ersten Tag haben wir nur gehofft, er kann ruhig schlafen. Nach dem dritten Lauf waren wir erstmal entspannter. Diesmal wird er sicher mal richtig Emotionen rauslassen. Er hat ja nur auf diesen Moment hingearbeitet, dem alles untergeordnet und akribisch darauf hingearbeitet. Es war ein harter Weg.“

Lucienne, der nach dem Erfolg ihres Bruders die Tränen in den Augen stehen, gibt zu: „Nach dem ersten Tag waren wir ein wenig enttäuscht über den fünften Platz, aber ich habe gleich gesagt, er schafft das noch.“ Richtig anstoßen will die Familie erst ganz in Ruhe daheim.

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Einer, der gestern besonders mitfiebert, ist Jannis Bäcker. Dem 33-jährigen Anschieber von Francesco Friedrich, der mit dem Pirnaer 2013 den ersten Weltmeistertitel erkämpfte, blieb diesmal nur die Rolle des Ersatzmannes. Dennoch gönnt der gebürtige Unnaer, der mit seiner Frau 2016 extra nach Pirna zog, seinen Teamgefährten den Olympiasieg: „Ich freue mich riesig für die Jungs. Der erste Tag hatte mich total überrascht, denn es war völlig untypisch für Franz, dass er zweimal denselben Fehler macht. So spannend hätte er es wirklich nicht machen müssen“, meint er mit einem Lächeln. Am Morgen habe er Friedrich noch eine aufmunternde Nachricht geschickt. „Am Ende stehen die beiden Richtigen ganz oben. Denn auch Kripps ist eine super Saison gefahren. Ich hoffe natürlich, dass die Jungs jetzt auf der Welle reiten und nochmal im Vierer Gas geben.“

Dieses Rennen will sich Bäcker allerdings dann lieber allein daheim im Wohnzimmer anschauen. „Für den Zweier wäre ich ja sowieso nicht in Frage gekommen, aber für den Vierer. Und wenn der dann dran ist, da habe ich dann schon Herzschmerz, nicht dabei zu sein“, meint er ehrlich.

Von Astrid Hofmann

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