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Neues Buch

Fan von Dynamo Dresden schreibt über DDR-Fußballstars

Auf einmal mit Sponsor auf der Brust: Dynamo-Ass Hans-Uwe Pilz läuft im April 1990 als Werbeträger ins Stadion.

Auf einmal mit Sponsor auf der Brust: Dynamo-Ass Hans-Uwe Pilz läuft im April 1990 als Werbeträger ins Stadion.

Dresden. Jeder echte Fan kennt sie: jene Schlüsselereignisse, die einen in Jugendjahren unheilbar mit dem Virus Fußballbegeisterung infizieren. Bei Maik Großhäuser, aufgewachsen in Holzweißig im Kreis Bitterfeld und in Delitzsch nördlich von Leipzig, war es das FDGB-Pokalfinale 1982. Als Zehnjähriger verfolgte er auf schwarz-weiß flimmernder Mattscheibe, wie Hans-Uwe Pilz Dynamo Dresden in Berlin im Elfmeterschießen zum Triumph über den verhassten BFC verhalf, wie die Massen im Stadion den Sieg der SGD wie einen WM-Titel feierten.

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Autor ist seit 1982 Fan von Dynamo Dresden

Mit einem Mal war auch Großhäuser Dynamo-Fan, war die kleine Welt des DDR-Fußballs die seine. Zwar gibt es den „Arbeiter- und Bauernstaat“ schon über drei Jahrzehnte nicht mehr, verblasst damit auch die Erinnerung an seine Fußballidole langsam, doch vergessen sind sie noch nicht. Obwohl inzwischen auch Legenden wie „Dixie“ Dörner, Achim Streich und jüngst Bernd Bransch gestorben sind, leben die Stars der alten Oberliga in den Köpfen vieler aus der Generation Großhäusers fort.

Buchangebot zum Thema Ostfußball überschaubar

Erinnerungen an sie zu pflegen, ist aber weit schwieriger als für Gleichaltrige mit West-Sozialisation, denn das Angebot an Büchern und Internetportalen zum Thema ist im Vergleich zum gut dokumentierten Erbe des Fußballs zwischen Hamburg und München überschaubar. Also sagte sich Großhäuser, inzwischen in Salzburg ansässig und immer noch gierig nach neuen Informationen über die letzte Dekade des DDR-Fußballs, dass er selbst ein Buch schreiben müsse.

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„Atze“ vermittelt Kontakte

Gesagt, getan. Er wollte wissen, wie es jenen Oberliga-Kickern ergangen ist, die 1989/90 zwischen 27 und 34 Jahren alt waren. Wie sie ihre Laufbahn in der DDR starteten, wie sie die enormen Umwälzungen in ihrer aktiven Zeit erlebt haben und wie es ihnen heute geht. So schrieb er Matthias Döschner an, „Atze“ war eines der Idole seiner Kindheit. Der Dresdner antwortete ihm bereitwillig, gab dem ausgewanderten Dynamo-Fan im Herbst 2020 ein erstes Interview, vermittelte Kontakte, sodass Großhäuser alsbald in einer Flut an Informationen schwimmen lernen musste.

Dynamo-Ass Matthias Döschner (hier noch als Aktiver am Mikrofon des DDR-Fernsehens) ist einer jener Spieler, denen ein Kapitel im Buch gewidmet ist.

Dynamo-Ass Matthias Döschner (hier noch als Aktiver am Mikrofon des DDR-Fernsehens) ist einer jener Spieler, denen ein Kapitel im Buch gewidmet ist.

Gegen wen „Champi“ gar nicht gern spielte

Ohne journalistische Erfahrung, aber mit wahrer Begeisterung für die Oststars schrieb er im Eigenverlag ein 456 Seiten starkes Buch, das reich bebildert mit famosen Aufnahmen des Zwickauer Fotografen Frank Kruczynski, aber auch vielen Schnappschüssen aus Privatarchiven rasch Neugier und Lesespaß bei denen weckt, die Heroen wie Döschner, Pilz, Rudwaleit, Ernst, Mothes, Stahmann, Heun, Kreer, Liebers, Raab oder Trautmann noch haben spielen sehen. 46 Interviews mit Spielern und Trainern (darunter sieben Ex-Dresdner) hat Großhäuser verarbeitet. Er hat seine Gesprächspartner nach ihren Karrieren vor und nach dem Mauerfall gefragt, aber auch nach ihrem liebsten und unbeliebtesten Gegenspieler. Letzterer konnte durchaus schon mal vom stark besetzten BFC sein – oder aus der eigenen Mannschaft. Wie bei „Champi“ Pilz, dem Helden vom Pokalendspiel 1982. Der heutige Sportlehrer verrät im Buch: „Christian Backs vom BFC war ein unangenehmer Spielertyp für mich. Und im Training gegen Jörg Stübner zu spielen, war auch nie einfach.“ Wer sich noch daran erinnert, wie der 2019 verstorbene „Rasenmäher“ selbst einem Weltstar wie Michel Platini auf den Füßen stand, kann das unschwer nachvollziehen.

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Wo gibt es das Buch?

Maik Großhäuser: „Zeitreisen. Spieler und Trainer erinnern sich an die DDR-Oberliga“. Das Buch, erschienen 2022 im Eigenverlag, kann man nur übers Internet beim Autor beziehen. Die Adresse lautet: bestellung.buch@yahoo.com. Der Preis beträgt 29,90 Euro + Versandkosten.

Von Jochen Leimert

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