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Erstes Votum

Dynamo-Mitglieder schließen Pressevertreter von Hauptversammlung aus

Die Versammlung der Dynamo-Mitglieder begann um kurz nach 10 Uhr. Dann kam es gleich zu einer Abstimmung.

Die Versammlung der Dynamo-Mitglieder begann um kurz nach 10 Uhr. Dann kam es gleich zu einer Abstimmung.

Dresden. Die beiden Mitgliederversammlungen der SG Dynamo Dresden finden an diesem Sonnabend hinter für die Öffentlichkeit verschlossenen Türen statt: Die Mehrheit der um kurz nach 10 Uhr im Kongresszentrum am Elbufer anwesenden Vereinsmitglieder war der Meinung, die Medien müssten wegen seit Jahrzehnten negativer Berichterstattung über den Verein abgestraft und von der Zusammenkunft ausgeschlossen werden. Befürworter einer Berichterstattung durch vereinsfremde Medien wurden überstimmt.

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Einigkeit im Video, Uneinigkeit im Saal

Als das Treffen vor mehreren hundert Mitgliedern im großen Saal des Kongresszentrums begann, flimmerte noch ein Video über die Leinwand, dass die Einheit und Geschlossenheit der Sportgemeinschaft betonte, doch als die Abstimmung über die Zulassung der Pressevertreter anstand, zeigte sich ein erheblicher Dissenz in den Ansichten der anwesenden Mitglieder. Als Holger Scholze, der Präsident des mit fast 25.000 Mitgliedern zweitgrößten Sportvereins in Ostdeutschland, den Mitgliedern zum Thema das Wort erteilte, meldete sich ein 24 Jahre altes Mitglied und warf der Presse eine negative Berichterstattung auf Kosten des Vereins vor, deswegen sei ihr Ausschluss von der Mitgliederversammlung als Strafe gerechtfertigt. Dafür erhielt er viel Beifall. Ein älteres Mitglied, 71 Jahre alt, hielt dagegen: „Berichterstattung ist ein demokratisches Grundrecht!“ Der Rentner forderte die Leute ringsum auf, die Medien im Saal zu belassen. Er fand aber nicht ausreichend Gehör, die Mehrheit der Stimmberechtigten votierte für den Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein kleinerer Teil enthielt sich der Stimme.

Im Kongresszentrum stehen den Mitgliedern noch einige Stunden Sitzungsmarathon bevor, die Presse ist unerwünscht.

Im Kongresszentrum stehen den Mitgliedern noch einige Stunden Sitzungsmarathon bevor, die Presse ist unerwünscht.

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Medienvertreter verlassen den Saal

Die bereits im Saal befindlichen Medienvertreter verließen daraufhin das Kongresszentrum. Ihnen blieb somit ein Sitzungsmarathon erspart, der bis in den späten Nachmittag andauern könnte. Der Verein hat das Kongresszentrum immerhin vorsorglich bis 19 Uhr gemietet. Wie Dynamo die Corona-Zeit wirtschaftlich überstanden hat, welche Pläne es gibt, die finanziellen Einbrüche nach dem Zweitliga-Abstieg aufzufangen, das erfährt damit zunächst nur ein vergleichsweise kleiner Teil der großen Mitglied- und noch viel größeren Anhängerschaft. Für das Image des Vereins war die Entscheidung der vor Ort anwesenden Mitglieder sicher kein gutes Signal: Transparenz wird offenkundig nicht von allen Dynamo-Sympathisanten geschätzt, nicht als Wert in einer freiheitlichen, offenen Gesellschaft anerkannt.

Von Jochen Leimert

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