Nach der Randale in Bayreuth

Dynamo Dresden will Kampf gegen Gewalt im Stadion intensivieren

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend will die Gewalt im Stadion eindämmen.

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend will die Gewalt im Stadion eindämmen.

Dresden. 14 verletzte Polizisten, zwei demolierte Toiletten-Container, eine beschädigte festinstallierte Toiletten-Anlage, ein zerstörter Imbissstand, beschädigte Kassenhäuschen und noch einmal rund 50.000 Euro Sachschaden in einem Entlastungszug der Bahn – das sind nur die größten Posten in der Schadensbilanz, für die ein kleiner Teil der 4000 zum letzten Auswärtsspiel nach Bayreuth gereisten Fans von Dynamo Dresden verantwortlich ist. Nicht wirklich genau abzuschätzen, aber sicher immens ist auch der Imageschaden, den die Chaoten dem Verein und der Stadt Dresden in Oberfranken, aber auch bundesweit eingebrockt haben. Eine Schreckensbilanz, die die Dynamo-Führung zwingt, wirksamere Maßnahmen als bisher gegen die Gewalttäter zu ergreifen. Der kaufmännische Geschäftsführer Jürgen Wehlend erläuterte am Freitag vor der Presse, wie der Verein Vorfälle wie jene in Bayreuth künftig verhindern will.

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Düstere Zeiten für Auswärtsfahrer zeichnen sich ab

Zuvor entschuldigte sich der 56-Jährige noch einmal bei den Geschädigten vom letzten Sonnabend und stellte klar: „Es gibt überhaupt keine Rechtfertigung, keine nachvollziehbare Erklärung für das, was dort passiert ist.“ Weniger als 100 Personen aus dem Gästeblock hätten sich an der Randale beteiligt, „blanke Anarchie“ walten lassen. Um dem wilden Treiben einiger weniger Chaoten Einhalt zu gebieten, dürfe Dynamo nun auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschrecken. Hatte er als erste Reaktion den freien Verkauf von Gästekarten für das Auswärtsspiel in Essen am 15. Oktober gestoppt, denkt der Club nun ernsthaft darüber nach, ob er in nächster Zeit überhaupt noch Auswärtsfahrten der Fans unterstützen, Karten dafür verkaufen will. „Es spricht momentan vieles dafür, dass wir nicht mit Gästefans nach Mannheim fahren“, sagte Wehlend mit Blick auf das übernächste Auswärtsspiel am 29. Oktober. Zu groß sei das Risiko im Rhein-Main-Gebiet, wo häufig auch Fans von Eintracht Frankfurt über die Stränge schlagen. Noch sei die Entscheidung aber nicht gefallen, so Wehlend. Klar ist aber schon, dass der geplante Sonderzug nach Saarbrücken anlässlich des 70-jährigen Vereinsjubiläums im April 2023 nicht in Dresden abfahren wird.

Fancharta muss überarbeitet werden

Über den Umgang mit den anderen Auswärtspartien wird am Dienstag noch einmal beraten, wenn sich die Vereinsspitze mit Vertretern der organisierten Fanszene trifft. Dort kommt auch die Fancharta auf den Prüfstand, wird möglicherweise die Selbstverwaltung des K-Blocks gekippt. „Da werden wir neue Spielregeln festlegen müssen“, kündigte Wehlend an. Man werde auch im Stehplatzbereich der Heimfans die Stadionordnung konsequenter durchsetzen, das Hausrecht zur Anwendung bringen müssen. „Wenn aus einer Fankneipe heraus Eier und Tomaten auf Ordner und Polizeikräfte geworfen werden, dann ist das ein No-Go“, sagte Wehlend. Er ist froh, dass in der kommenden Woche im Stadion die neuen Ballfangnetze an den Seiten hinter beiden Toren montiert werden, die – bis zum Stadiondach reichend – auch ein Überwerfen von Gegenständen in den Innenraum verhindern sollen.

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Digitale Kameratechnik soll ins Stadion

Man werde bei Bedarf auch mehr Ordner einsetzen, bei Risikospielen Schlupflöcher bei der Sektorentrennung konsequenter schließen, die Einlasssituation überprüfen, die Vergabe von Arbeitskarten aufs Nötigste beschränken, erklärte der SGD-Geschäftsführer. „Es geht jetzt nicht mehr anders“, so Wehlend. Er fordert von der Stadt und der Stadion-Projektgesellschaft auch, dass digitale Kameratechnik ins Stadion eingebaut, die analoge abgelöst wird. „Das ist ein Punkt, der uns wirklich am Herzen liegt“, so Wehlend. Er erklärt: „Wenn ich weiß, dass hochmoderne Kameratechnik in einem Stadion installiert ist, dann beeinflusst das auch nachweisbar das Verhalten von Fußballfans.“ Auch im Stadion dürfe es keine rechtsfreien Räume geben, so Wehlend.

Stadionverbotsanträge sollen schneller bearbeitet werden

Groß sind seine Hoffnungen, dass in Bayreuth aufgenommene Videos einige der Täter überführen werden, Ergebnisse aus Oberfranken gebe es aber noch nicht. Kommen die, dann will Dynamo die Sünder bestrafen, die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu erwartende Geldstrafe auf die Verursacher umlegen, neue Stadionverbote aussprechen. Um die schneller zu verhängen, den Strafanträgen der Behörden rascher zu folgen, will man das Personal dafür aufstocken. Bislang bearbeitet nur ein Stadionverbotsbeauftragter ehrenamtlich mit Hilfe zweier Fanbeauftragten und des Sicherheitsdienstes dieses Thema. „Hier müssen wir uns anders aufstellen“, ist Wehlend überzeugt. Seit der Randale vom 16. März 2021 habe man rund 300 Stadionverbotsanträge seitens der Polizei erhalten, daraufhin 151 Stadionverbote ausgesprochen, sechs Verbote zur Bewährung ausgesetzt. 100 Anträge seien aber noch in der Bearbeitung, der Rest habe sich als unberechtigt erwiesen, so der Geschäftsführer.

Arbeitsgruppe gebildet

Er erklärte zudem, dass man eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Vereins, der Fans, des Sicherheitsdienstes, der Polizei und der Stadt gebildet habe, um weitere Maßnahmen gegen die Gewalt zu entwickeln. „Wir haben auch externe Berater hinzugezogen“, so Wehlend. Ein Lenkungskreis, dem u.a. der Polizeipräsident, Oberbürgermeister Dirk Hilbert und er selbst angehören, werde Ende Oktober wieder tagen. Bis dahin hofft Wehlend auch auf Impulse für die Aufklärung der Randale in Bayreuth. Er forderte alle friedlichen Fans auf, eventuell gesammeltes Beweismaterial in Form von Fotos oder Videos der Polizei oder dem Verein zu übergeben. Man werde der SpVgg Bayreuth auch helfen, die Schäden zu regulieren, so Wehlend. Er wünschte sich, dass sich auch Fans an der Reparatur des Imbisswagens oder der Toilettenanlagen beteiligen.

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