Nach Leipzig-Rauswurf im Dezember

Inside-Kolumne: Wie Jesse Marsch Leeds und England von sich überzeugt

Auf dem Vormarsch: Ex-Leipzig-Trainer Jesse Marsch überzeugt an der Seitenlinie bei Leeds United.

Der US-Amerikaner Jesse Marsch weiß, dass er die Sprache der Engländer sprechen muss, wenn er in England akzeptiert werden will. Natürlich, in beiden Ländern, in den USA und England, wird Englisch gesprochen. Doch es gibt ein paar Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem englischen Englisch, und diese Unterschiede können entscheidend sein, vor allem im Fußball. „Die Leute hassen es, das Wort Soccer zu hören“, weiß Marsch und meint damit: die Leute in England. Engländer halten Menschen, die Soccer sagen, grundsätzlich für ahnungslos. Marsch nennt den Fußball deshalb Football. So wie es üblich ist im Mutterland des Spiels.

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Seit etwas mehr als einem Monat ist Marsch, ehemaliger Trainer von RB Leipzig, als Coach bei Leeds United im Amt, und er hat eine doppelt schwere Aufgabe. Er muss die übergroßen Fußstapfen seines Vorgängers Marcelo Bielsa füllen. Der Argentinier war in der fußballverrückten Stadt in Yorkshire im Norden Englands nicht einfach nur Trainer, er war der Messias, ein Gesandter des Schicksals, der dem Verein seinen Stolz zurückgegeben hat mit der Rückkehr in die Premier League nach 16 Jahren. Bielsas Gesicht ist in Leeds als Wandmalerei an Häuserfassaden zu sehen, örtliche Musiker dichteten ihm Lieder, er hat in der Stadt einen ähnlichen Status wie Jürgen Klopp in Liverpool.

Die Leeds-Gemeinde hat akzeptiert, dass Bielsa gehen musste, weil die Mannschaft der Abstiegszone in dieser Saison – der zweiten nach der Premier-League-Rückkehr – gefährlich nahegekommen ist. Sein Projekt war am Ende. Doch diese Erkenntnis bedeutet nicht, dass die Fans seinen Abschied schon verkraftet hätten. Deshalb hätte es jeder Trainer schwer als Bielsa-Nachfolger. Aber ein Trainer aus den USA ganz besonders.

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Jesse Marsch kämpft in Leeds auch gegen das Klischee, dass US-Amerikaner keine Ahnung vom Fußball haben. Vor ihm arbeitete erst ein Coach aus dem Land in der Premier League, nämlich Bob Bradley 2016 bei Swansea City. Nach nur 85 Tagen und sieben Niederlagen in elf Spielen wurde er entlassen. Zum Verhängnis wurde ihm neben den schlechten Ergebnissen auch die Tatsache, dass er für den englischen Geschmack zu viele amerikanische Fußballvokabeln benutzte.

Marsch ist sich im Klaren darüber, dass Amerikaner im englischen Fußball an einem Stigma leiden würden, aber er sammelt Pluspunkte. Er sagt Football statt Soccer, und er hat Leeds zuletzt zu zwei Siegen nacheinander geführt. Beide waren höchst dramatisch. Gegen Norwich City kassierte die Mannschaft in der 91. Minute den Ausgleich zum 1:1 und schoss in der 94. Minute den 2:1-Siegtreffer. Gegen die Wolverhampton Wanderers kam Leeds nach einem 0:2-Rückstand zurück und gewann 3:2. Der Siegtreffer fiel ebenfalls in der Nachspielzeit.

Vermutlich wird Marsch bei Leeds United nie den Legendenstatus von Marcelo Bielsa erreichen, aber er hat den Fans die ersten beiden denkwürdigen Erlebnisse einer neuen Ära geschenkt, der Ära nach Bielsa. Und er hat, ganz nebenbei, den Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf sieben Punkte ausgebaut.

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