PCR-Tests werden knapp: Was das für Reisen bedeutet

Passantinnen und Passanten warten vor einem Corona-Testzentrum.

Passantinnen und Passanten warten vor einem Corona-Testzentrum.

Die Labore kommen in Deutschland wegen der steigenden Infektionszahlen kaum noch hinterher. Daher sollen PCR-Tests künftig vorrangig bestimmten Gruppen zur Verfügung stehen: für Ältere, Vorerkrankte und Personal im Gesundheitswesen. Alle anderen sollen per Schnelltest prüfen, ob sie sich mit Corona infiziert haben. Bund und Länder haben sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Montag darauf geeinigt, die nationale Teststrategie dahingehend anzupassen.

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Eine solche Neuregelung könnte sich nachteilig für Reisende auswirken, wenn sie für die Einreise ein ihren Urlaubsort einen negativen PCR-Test benötigen. Das ist beispielsweise derzeit in Österreich der Fall, wenn kein Booster nachgewiesen werden kann. Was, wenn Urlaubende den PCR-Test gar nicht oder wegen hoher Auslastung nicht rechtzeitig bekommen? Ein Überblick.

Was bedeuten die Pläne zur Corona-Teststrategie für Reisende?

Reisende haben unter Umständen in einem normalen Testzentrum keinen Anspruch auf einen PCR-Test für ihre Reise. Zwar ist in den meisten Ländern Europas die Einreise mit einem Antigenschnelltest möglich. Doch zahlreich Urlaubsländer vor allem in Afrika oder in der Karibik verlangen einen PCR-Test für die Einreise, der meist nur für 48 oder 72 Stunden nach dem Abstrich gültig bleibt.

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Die Pflicht zur rechtzeitigen Beschaffung des Corona-Tests liege aber immer bei dem Reisenden: „Ist am Zielort für die Einreise ein PCR-Test notwendig, müssen sich Reisende um die Organisation kümmern“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das Risiko rechtzeitig einen Test vorzuweisen liegt somit beim Reisenden – nicht der Reiseveranstalter.“

Stehen PCR-Test also vorrangig einer bestimmten Bevölkerungsgruppen zur Verfügung, müssen sich Reisende frühzeitig um einen Termin bemühen und die Auswertungszeit richtig abwägen oder mehr Geld für einen Expresstest ausgeben.

Wenn eine Person nun aber keinen PCR-Test vorlegen kann, weil die Tests nur noch einer bestimmten Gruppe zur Verfügung stehen, dann sei die Lage nicht abschließend geklärt, so Degott. „Dennoch hat der Reiseveranstalter das Risiko nicht zu tragen und auch nicht mitzutragen. Das ist mein erster Impuls. Eine kostenlose Stornierung wegen eines fehlenden PCR-Tests wäre also nicht möglich“, sagt de Reiserechtsanwalt.

Was sagen die Reiseveranstalter zum Thema PCR-Tests?

Ähnlich sehen das auch die Reiseveranstalter. Ob nun überlastete Labore oder Priorisierung: „Grundsätzlich bieten wir in solchen Fällen Umbuchungen beziehungsweise Stornierungen gemäß unseren AGBs an – gegebenenfalls werden Einzelfälle geprüft“, heißt es von FTI auf Anfrage des RND. Auch DER Touristik antwortet: „Es gelten in diesem Fall unsere AGB. Wir versuchen aber selbstverständlich, den Flug und das Hotel für unsere Gäste umzubuchen.“

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Für den Fall der Priorisierung von PCR-Tests habe DER Touristik bereits Vorbereitungen getroffen: Gäste der Reiseveranstalter DER Tour, Jahn Reisen, ITS und Meiers Weltreisen könnten die erweiterte Teststruktur eines Labors nutzen, welches die DER Touristik vermittele. Im Gegensatz zu den kassenärztlichen Testlaboren, die extrem überlastet sind, hätten die freien Testlabore noch Kapazitäten frei. Daher habe DER Touristik die Zusammenarbeit mit dem Labor frühzeitig vertieft.

FTI habe keine freien Testzentren, an die sie ihre Gästinnen und Gäste verweisen können. Wie sich eine mögliche Entscheidung auswirkt, würde sich in der Praxis zeigen. „Generell kann man sagen, das restriktive Einreiseregeln unsere Gäste klar von Buchungen abhalten“, teilt der Reiseveranstalter mit. Je einfacher und klarer und vor allem beständig die Bestimmungen seien, desto attraktiver sei ein Zielgebiet. Viele Zielgebiete würden bereits reagieren und vom PCR-Test für die Einreise absehen. Für Reisen nach Griechenland, Ägypten und Singapur beispielweise reicht mittlerweile ein Antigenschnelltest.

So kommen Reisende an einen PCR-Test

Wenn Reisende individuell unterwegs sind oder von ihrem Veranstalter keinen Test organisiert bekommen, können sie an zahlreichen Flughäfen Testzentren in Anspruch nehmen. Sie bieten Corona-Tests außerhalb des allgemeinen Infektionsgeschehens an, so dass Corona-Patienten dort keinen Zugang haben, um ihre Infektion bestätigen zu lassen.

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So bietet beispielsweise die Covid-19 Teststelle von Medicare am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) neben normalen PCR-Tests fürs Reisen auch Express-PCR-Tests an. Bei einem einfachen PCR-Test wird derzeit darauf hingewiesen, dass aufgrund von erhöhtem Testaufkommen es bei normalen PCR-Tests im Labor zu verlängerten Auswertungszeiten kommen kann. Die Abstriche würden nämlich in normale Testlabore verschickt, wo auch Corona-Test von mutmaßlich Infizierten einlaufen, heißt es von einer Sprecherin gegenüber dem RND. In der Regel sei eine Auswertung aber innerhalb von spätestens 48 Stunden möglich, doch durch eine Priorisierung von Personengruppen könnte es auch länger dauern. Eine Beschleunigung der Auswertung sei nicht möglich. Ein Test kostet 75 Euro.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, kann auf die Expressversion zurück greifen. Der RT-PCR-Expresstest wird direkt am Flughafen ausgewertet und kann schon nach 60 bis 120 Minuten abgeholt werden. Die Kosten dafür liegen allerdings bei bis zu 177,74 Euro pro PCR-Test.

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