Limit gegen Touristenmassen

Funktioniert Mallorcas Obergrenze für Kreuzfahrtschiffe?

Der Massentourimsus ist zurück in Spanien: Am 17. Juni 2021 legt die  „Mein Schiff 2“ im Hafen von Palma an, während Touristen über die Promenade gehen.

Am 17. Juni 2021 legt die „Mein Schiff 2“ im Hafen von Palma an, während Touristinnen und Touristen über die Promenade gehen.

Langsam geht es wieder los. Die Hafenbehörde der Balearen zählte diesen Juni knapp 147.000 Kreuzfahrtschiffpassagiere in Palma. Das waren 46 Prozent weniger als im gleichen Monat vor drei Jahren, als noch niemand an Corona dachte.

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Auch im kommenden Jahr wird sich das Kreuzfahrtgeschäft noch nicht ganz wieder erholt haben, schätzt die Cruise Lines International Association (CLIA), aber doch beinahe: Der Branchenverband rechnet für 2023 mit einem Minus von etwa 9 Prozent in den europäischen Mittelmeerhäfen. Von denen ist Palma, gemessen an der Zahl der Kreuzfahrtpassagiere, einer der wichtigsten: die Nummer drei nach Barcelona und Civitavecchia (in der Nähe von Rom).

Wenn es nach einigen Aktivistinnen und Aktivisten ginge, sollen es ruhig immer weniger werden. Die Schiffe stören, finden sie, und die Menschenmassen, die sich aus ihnen ergießen, auch.

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Die Regionalregierung der Balearen gehört zu denen, die in den Schiffen und ihren Gästen ein Problem sehen. Nicht grundsätzlich, aber in ihrer Zahl. Man könne es gut verstehen, sagte die Regionalpräsidentin Francina Armengol im Mai, dass die Menschen eine der schönsten Städte am Mittelmeer genießen wollten – nämlich Palma –, aber ebenso gut sei doch zu verstehen, dass die Vorzeigeecken der Stadt unter dem Ansturm der Besucherinnen und Besucher nicht kollabieren dürften. Die Deckelung des Kreuzfahrtverkehrs soll helfen, den Kollaps zu vermeiden. Auch in künftigen, besseren Zeiten, wenn weder Viren noch andere Krisen den Menschen die Lust am Reisen nehmen.

Ab 2023 maximal drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen

Zwei Jahre hat die Regionalregierung mit den großen Kreuzfahrtveranstaltern und der CLIA verhandelt, um im Mai dieses Jahres ein Verständigungsmemorandum zu unterzeichnen, in dem sich die Unternehmer zur Selbstbeschränkung verpflichten. Ab 2023 sollen höchstens noch drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen von Palma liegen, von denen nur eines eine Kapazität von 5000 Gästen überschreiten darf. Im Durchschnitt einer Woche sollen täglich nicht mehr als 8500 Passagiere in Palma ankommen.

Für dieses Jahr gibt es noch ein paar Ausnahmen, weil die Veranstalter ihre Pläne für 2022 schon gemacht hatten; deswegen sind im Hafen an 18 Tagen auch mal vier Schiffe zu sehen.

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Die deutschsprachige „Mallorca Zeitung“ verfolgt die Bewegungen ganz genau. Am vergangenen Wochenende glaubte sie sogar, fünf Kreuzfahrtschiffe zu zählen, gestand an anderer Stelle aber ein, dass manchmal Superluxusjachten nicht von Kreuzfahrtschiffen zu unterschieden seien. Die Beschränkung auf drei oder ausnahmsweise vier Schiffe gilt nur für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 500 Passagieren.

Auch Dubrovnik beschränkt Kreuzfahrtschiffe

Palma ist nach dem kroatischen Dubrovnik die zweite europäische Mittelmeerstadt, die die Zufahrt von Kreuzfahrtschiffen beschränkt. Dort sollen nach einem Beschluss von 2018 nur noch zwei Schiffe am Tag mit zusammen höchstens 5000 Menschen ankommen. Dubrovnik hat allerdings nur gut 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist also schnell von Touristinnen und Touristen überschwemmt; Palma hat etwa zehnmal so viele und kann damit mehr aushalten.

Nach einer Studie, die der Präsident der Bürgerinitiative Palma XXI im Herbst 2018 vorstellte, kommen täglich 90.000 Menschen in die Altstadt von Palma, von denen die meisten Einheimische sind – doch zur touristischen Hochsaison im Juli immerhin auch knapp 38.000 Auswärtige.

Nicht alle Kreuzfahrtgäste, die im Hafen von Palma gezählt werden, sind Durchreisende, die nur ein paar Stunden Zeit haben und sich als unfreiwillig lästige Masse durch die Gassen schieben. Etwa die Hälfte der insgesamt gut zwei Millionen verzeichneten Passagiere im Jahr 2019 begann und beendete ihre Mittelmeerkreuzfahrt in Palma, hatte also vorher oder nachher dieselbe Muße für einen Stadtbummel wie jeder andere Besucher und jede andere Besucherin auch.

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Das Fachmagazin „Hosteltur“ zitierte im Juli eine Reihe von Mallorquiner Einzelhandelsverbänden, die kein Verständnis für die Restriktionspolitik der Regionalregierung zeigten. Man könne in Palma problemlos durch die Straßen laufen, was „eine großartige Erfahrung“ sei. Und Kreuzfahrtpassagiere seien willkommene Gäste, die „zur Wiederbelebung unserer durch Covid geschädigten Wirtschaft beiträgt“. Ein bisschen weniger willkommen als früher sind sie auf Mallorca jetzt doch.

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