Spanien, Griechenland, Kroatien und Co.

Von Chaos bis Rekordumsätze: Der internationale Flughafen-Überblick

Passagierinnen und Passagiere stehen am ersten Wochenende der Sommerferien (25.6.) am Flughafen Düsseldorf in langen Schlangen und warten auf ihre Abfertigungen. Wie sieht es derzeit in anderen Ländern aus?

Viele Reisende blicken ihrem Urlaub im Sommer 2022 mit Sorge entgegen. Sie haben die Videos der Warteschlangen an den Sicherheitskontrollen gesehen, die teilweise bis vor die Terminaltüren reichten. Sie haben die Nachrichten über Tausende gestrichene Flüge gelesen. Und sie haben Bilder von Hunderten Koffern gesehen, die sich an einigen Flughäfen stapeln.

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Vor allem an den Airports Düsseldorf und Köln-Bonn herrschte zuletzt Chaos: Als die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen starteten, traf die aufgestaute Reiselust Zehntausender Passagierinnen und Passagiere auf den Personalmangel an Flughäfen und Airlines. Zum Ferienstart in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern warnen auch die Flughäfen BER und Hamburg: Es kann länger dauern!

Warnstreik und Ferienbeginn sorgen für längere Wartezeiten am Flughafen in Hamburg

Am Hamburger Flughafen ist es schon am frühen Morgen zu längeren Wartezeiten vor den Sicherheitskontrollen gekommen. Die Passagierinnen und Passagiere sind überrascht und genervt.

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Wer dann endlich im Urlaub angekommen ist, möchte entspannen – und sich nicht während der schönsten Zeit des Jahres fragen müssen: Geht wenigstens beim Rückflug alles glatt?

Ob sich Urlauberinnen und Urlauber auch in den beliebten Reiseländern Spanien, Griechenland, Italien, Portugal, Kroatien, Frankreich und in der Türkei auf Chaos einstellen müssen, zeigt dieser Überblick.

Spanien: die Lage an den Flughäfen

Der Freitag war kein guter Tag für den Flughafen von Palma de Mallorca: Am Morgen fielen ein Condor-Flug nach Düsseldorf, ein Eurowings-Flug nach Hamburg und ein Easyjet-Flug nach Gatwick aus. Wer mit Air Nostrum nach Saarbrücken fliegen wollte, musste zweieinhalb Stunden Verspätung in Kauf nehmen. Und so weiter. Spanien bekommt die Herausforderungen des diesjährigen Touristenbooms ganz gut in den Griff, aber manchmal läuft auch hier alles schief.

Kürzlich behauptete ein Iberia-Chef, dass in Madrid-Barajas innerhalb von drei Monaten 15.000 Kundinnen und Kunden Anschlussflüge verpasst hätten, weil die Passkontrollen nicht gut genug besetzt seien. Er konnte das aber nicht belegen. Die Regierung hat 500 zusätzliche Beamtinnen und Beamte an die größten Flughäfen beordert und erlaubt jetzt nicht nur EU-Touristinnen und -Touristen, sondern auch britischen Touristinnen und Touristen, durch die elektronische Passkontrolle zu gehen.

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Die Lage könnte sich aber zur Hauptferienzeit verschlechtern. Kontinuierliche Verspätungen von Flügen aus London, Amsterdam und Frankfurt könnten für Verzögerungen bei der Abfertigung von gelandeten Passagierinnen und Passagieren sorgen. Zusätzlich wollen Flugbegleiterinnen und -begleiter der britischen Airline Easyjet im Juli an drei Wochenenden in Spanien streiken. Am 1., 2., 3., 15., 16., 17., 29., 30. und 31. Juli wollen sie ihre Arbeit in Barcelona, Málaga und auf Mallorca niederlegen. Bei der irischen Fluglinie Ryanair sind weitere Streiks zwischen dem 12. und 15., dem 18. und 21. sowie zwischen dem 25. und dem 28. Juli geplant. Bereits im Juni und am ersten Juliwochenende legten die Flugbegleiterinnen und -begleiter ihre Arbeit nieder.

In Portugal sollen nach einem Chaostag vor zwei Wochen in Lissabon die Kontrollen technisch und personell aufgerüstet werden. Das Urlaubsgeschäft soll nicht an der Einreise scheitern.

Großbritannien: die Lage an den Flughäfen

Lange Schlangen, unkalkulierbare Wartezeiten und Berge von Gepäck: In Großbritannien herrscht an Flughäfen seit Wochen regelmäßig Chaos. Zuletzt betroffen war der Flughafen Heathrow in der britischen Hauptstadt. Dort mussten Fluggesellschaften diese Woche kurzfristig Dutzende Flüge annullieren, weil man nicht genug Personal hatte.

Weiter zuspitzen könnte sich die Lage dort Ende Juli, wenn Mitarbeitende der Fluggesellschaft British Airways im Kampf für eine bessere Bezahlung voraussichtlich in einen Streik eintreten, der bis in den August andauern kann. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan machte kürzlich unter anderem den Brexit für die chaotische Situation verantwortlich, da dieser die Menge potenzieller Arbeitskräfte drastisch verkleinert habe.

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Um die Situation zu entspannen, solle man deshalb die Einwanderungsregeln für Arbeitnehmende der Luftfahrtindustrie lockern. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps zeichnet ein anderes Bild. Ihm zufolge sind die Flughäfen und Fluggesellschaften schuld an den Engpässen, da sie während der Pandemie zu viele Mitarbeitende entlassen hätten. Um die chaotische Lage in den Griff zu bekommen, hat die britische Regierung diese Woche eine Reihe von Maßnahmen angekündigt. So soll der Luftfahrtindustrie unter anderem bei der Rekrutierung und Ausbildung von Personal geholfen werden.

Reisende warten in einer langen Schlange, um die Sicherheitskontrolle in Heathrow am 1. Juni zu passieren. Die Luftfahrtindustrie hat nach den Entlassungswellen während der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, Personal einzustellen.

Reisende warten in einer langen Schlange, um die Sicherheitskontrolle in Heathrow am 1. Juni zu passieren. Die Luftfahrtindustrie hat nach den Entlassungswellen während der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, Personal einzustellen.

Griechenland: die Lage an den Flughäfen

Mykonos und Santorin, Kos und Kreta: Griechenland gehört zu den am meisten gefragten Urlaubszielen dieses Sommers. Am Hauptstadtflughafen Athens International (AIA) erreichten die Passagierzahlen im Juni 94 Prozent des Niveaus vom Vorkrisenjahr 2019. Bei den Buchungsumsätzen liegt Griechenland nach Angaben des Analysehauses TDA sogar um 14 Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2019.

Dennoch läuft der Verkehr auf den 38 griechischen Flughäfen weitgehend rund. In Athen berichten Passagierinnen und Passagiere von wenigen Minuten Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen, auch die Gepäckausgabe funktioniert nach Angaben von Reisenden zeitnah. „Wir erleben bisher keine größeren Störungen im Flug- und Passagierverkehr“, heißt es bei der Pressestelle der Flughafengesellschaft AIA.

Menschen liegen am Strand von Alimos im Süden von Athen.

Menschen liegen am Strand von Alimos im Süden von Athen.

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Für den Urlauberverkehr sind vor allem die griechischen Regional- und Inselflughäfen wichtig. 14 davon betreibt Fraport Greece. Auf einigen Airports liegen die Verkehrszahlen inzwischen über dem Niveau von 2019. Der Betrieb läuft dennoch nach Berichten von Reisenden ohne größere Störungen. Fraport-Sprecher Robert Payne sieht einen Grund darin, dass diese Regionalflughäfen als Zieldestinationen im Punkt-zu-Punkt-Verkehr angeflogen werden und deshalb nicht vor so großen Herausforderungen stehen wie die großen Drehkreuze. „Wir haben während der Pandemie kein Personal abgebaut und sind deshalb mit unseren gut ausgebildeten Mitarbeitern für die Sommersaison gerüstet“, erklärt Payne.

Kroatien: die Lage an den Flughäfen

Wer von Kroatien aus zurück Richtung Deutschland fliegen will, solle sich keine Sorgen machen, sagt Romeo Draghicchio, Direktor der Kroatischen Zentrale für Tourismus: „In Kroatien gibt es kein Flugchaos oder Abfertigungsprobleme durch Personalmangel.“

Leider gebe es einige Flugstreichungen Richtung Kroatien, diese seien aber bedingt durch die Probleme an deutschen Flughäfen. Im Juli fallen demnach knapp 50 Flüge von Eurowings Richtung Adria aus. Betroffen sind unter anderem 20 Abflüge von Köln-Bonn nach Zagreb, Rijeka und Zadar, sieben von Düsseldorf nach Rijeka und Zagreb sowie 16 von Stuttgart nach Zagreb, Split, Rijeka und Pula.

Die große Mehrheit der Reisenden fährt jedoch mit dem Auto nach Kroatien – und sei daher von möglichen Flugproblemen ohnehin nicht betroffen. So seien im Jahr 2019 rund drei Millionen Deutsche in das Land an der Adria gekommen, davon sei nur eine Million geflogen. Im Sommer 2022 sei der Anteil der Autofahrenden voraussichtlich sogar noch einmal 10 Prozent höher als im Vorkrisenjahr.

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Die Region Istrien in Kroatien gehört zu den beliebtesten Destinationen.

Die Region Istrien in Kroatien gehört zu den beliebtesten Destinationen.

Italien: die Lage an den Flughäfen

Marco Troncone und Armando Brunini, die Chefs der Flughäfen von Rom und von Mailand, sind zuversichtlich: „Ich schließe kategorisch aus, dass es bei uns bei der Abfertigung der Passagiere zu chaotischen Szenen beim Check-in, bei den Sicherheitskontrollen oder bei den Parkplätzen kommen wird“, betonen beide.

Und es werde deshalb in Italien auch nicht zu Beschränkungen bei der Anzahl der Starts und Landungen kommen, wie sie auf anderen europäischen Flughäfen bereits Realität sind oder zumindest ins Auge gefasst werden. Der Grund für den Optimismus der beiden Flughafenbetreiber: Sie mussten dank der Corona-Hilfspakete der Regierung während der Pandemie kaum Personal abbauen – und deshalb stehen sie nun auch nicht vor der Schwierigkeit, solches wieder rekrutieren zu müssen.

Die problemlose Abfertigung bedeutet freilich nicht, dass Italien-Reisende entspannt ihren Urlaub antreten können: Die europaweite Welle von Flugannullierungen betrifft auch das Belpaese. In den letzten Wochen sind nach Angaben der Flugsicherheitsbehörde Enac rund 7000 Flüge von und nach Italien gestrichen worden.

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Die Schuld tragen aber nicht die Italiener, sondern die ausländischen Fluggesellschaften, namentlich die Billigflieger Easyjet und Ryanair, aber auch die Lufthansa und ihre Töchter Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Die einzige nennenswerte italienische Fluggesellschaft, die insolvente Alitalia, war schon vor der Pandemie zu einem Zwerg mit gut 50 Fliegern geschrumpft worden: Wo nur noch wenige Flüge angeboten werden, können auch nur wenige gestrichen werden. Die Alitalia heißt nun ITA und sucht einen Käufer.

Frankreich: die Lage an den Flughäfen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pariser Flughäfen haben nicht die französischen Sommerferien ab Ende nächster Woche abgewartet, um in den Streik zu treten. Bereits an diesem Wochenende kommt es an den Flughafen Charles-de-Gaulle und Orly zu Ausfällen, Verzögerungen und langen Warteschlangen, da die Gewerkschaften mit einer hohen Beteiligung rechnen.

Sie fordern unter anderem Gehaltserhöhungen und Prämien. Medienberichten zufolge könnte es im Laufe des Sommers zu weiteren Streiktagen oder -bewegungen kommen.

Reisende warten am 1. Juli auf dem Flughafen Charles-de-Gaulle an, während sich Streikende vor dem Terminal des Flughafens versammeln. Flughafenmitarbeitende streiken für Lohnerhöhungen, um mit der Inflation Schritt zu halten.

Reisende warten am 1. Juli auf dem Flughafen Charles-de-Gaulle an, während sich Streikende vor dem Terminal des Flughafens versammeln. Flughafenmitarbeitende streiken für Lohnerhöhungen, um mit der Inflation Schritt zu halten.

Davon abgesehen gilt die Personalsituation auch in Frankreich als sehr angespannt. Der Flughafenplattform CDG Alliance zufolge gibt es allein an den beiden großen Pariser Flughäfen 4000 unbesetzte Stellen in allen Bereichen. Obwohl der Tourismus in dem beliebten Urlaubsland großes wirtschaftliches Gewicht hat, gab es seitens der Politik noch keine Ankündigungen, um gegenzusteuern.

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Reisenden wird empfohlen, sich vorab auf den Internetseiten der Fluganbieter und Flughäfen zu informieren und zwei bis drei Stunden vor Abflug zu kommen.

USA: die Lage an den Flughäfen

Verspätungen, Flugausfälle und endlose Warteschlangen gehören in diesem Sommer auch in den USA zum Alltag von Urlaubenden und Geschäftsreisenden. Zum Chaos an den Airports tragen neben dem Personalmangel und dem hohen Corona-Krankenstand auch immer häufigere Extremwetter bei, die die Flugpläne durcheinanderwirbeln. So müssen Passagierinnen und Passagiere, die an diesem Unabhängigkeitstagwochenende innerhalb der USA zu Freundinnen, Freunden oder Verwandten fliegen, mit durchschnittlich 437 Dollar zwar 45 Prozent mehr für ihr Ticket zahlen als vor der Pandemie 2019. Der Service ist aber sicher nicht besser geworden.

Eine Frau geht mit einem USA-Fähnchen durch den Boardingbereich für einen Flug nach New York.

Eine Frau geht mit einem USA-Fähnchen durch den Boardingbereich für einen Flug nach New York.

Schon am Memorial-Day-Wochenende Ende Mai wurden nach Medienberichten 2800 Flüge gestrichen. Rund 20.000 waren verspätet. Beim Ausfall eines Fluges erhält man in den USA zwar den Ticketpreis zurück. Es gibt aber keine Entschädigungen für Verspätungen. Auch ein Hotelbett wird oft nicht bezahlt.

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