Geduld gefragt

Bahn kündigt Generalsanierung an: Sperrungen, Baustellen und Umleitungen kommen

Die Bahn kündigt eine "Generalsanierung" an.

Die Bahn kündigt eine "Generalsanierung" an.

Berlin. Das Eisenbahn-Streckennetz in Deutschland ist veraltet, störanfällig und kann den wachsenden Zugverkehr nicht mehr aufnehmen. Experten kritisieren das seit Jahren; am Montag zog auch Bahnchef Richard Lutz diese kritische Bilanz. So viele Züge wie noch nie seien auf dem Netz unterwegs, der Mai war im Fernverkehr der reisestärkste Monat in der Geschichte der Deutschen Bahn (DB). Auch im Güterverkehr wächst die Nachfrage. Und das 9-Euro-Ticket mit Verstärkerzügen im Nahverkehr startet am Mittwoch. Allein die DB hat 2,7 Millionen der bundesweit gültigen Nahverkehrs-Tickets verkauft.

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Zugleich wird so viel gebaut wie noch nie. Und Lutz kündigte weitere Baustellen an - größer und besser koordiniert als die vielen Einzelmaßnahmen, die zurzeit landesweit für Verzögerungen sorgen.

Er kündigt eine „Generalsanierung“ wichtiger Streckenabschnitte der Bahn in Deutschland an. Ziel sei der Aufbau eines „Hochleistungsnetzes“. Bahnkundinnen und -kunden müssen sich deshalb auf längere Sperrungen für Baustellen und Umleitungen einstellen.

Hintergrund ist das Ziel, den Bahnverkehr deutlich auszubauen, dabei aber den Sanierungsstau im Netz zu bekämpfen. „Wir müssen dieses Thema grundsätzlicher und radikaler angehen“, sagte Lutz. „Lieber eine große statt vieler kleiner Sperrungen.“

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Konkrete Vorhaben nannte Lutz noch nicht. Eckpunkte sollen nach seinen Worten möglichst vor der Sommerpause vorgelegt werden. „Wir stehen vor einer Zäsur“, sagte Lutz. „Wir müssen aus der überlasteten Infrastruktur ein Hochleistungsnetz machen.“

„80 Prozent der Qualität des Eisenbahnsystems entscheiden sich auf dem Schienennetz“, räumte Lutz ein. „Die aktuellen Zuverlässigkeits- und Qualitätsprobleme des Verkehrsträgers Schiene sind im Kern Kapazitäts- und Überalterungsprobleme in der Infrastruktur.“

Wichtige Strecken müssen bald für die Dauer der "Generalsanierung" zeitweise gesperrt werden, kündigt die Bahn an.

Wichtige Strecken müssen bald für die Dauer der "Generalsanierung" zeitweise gesperrt werden, kündigt die Bahn an.

Eisenbahngewerkschaft kündigt „Tal der Tränen“ an

Die angekündigte Sanierung wird aus Gewerkschaftssicht den Reisenden viel Geduld abverlangen: „Die Bahnverkehrsunternehmen sowie die Kundinnen und Kunden werden durch ein Tal der Tränen gehen“, sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel, am Montag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es wird Jahre dauern, bis es besser wird. Aber die Kundinnen und Kunden werden das honorieren, weil die Situation auf der Straße auch nicht besser wird und sie umweltbewusst sind“, bemerkte Hommel, der auch Vizechef des Bahn-Aufsichtsrats ist.

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Hommel nannte die Ankündigung richtig und notwendig. Er fügte hinzu: „Die Überalterung und Kapazitätsprobleme sind selbst verursacht. Man hat die Instandhaltung sträflich vernachlässigt.“ Das betreffe nicht nur Nebenstrecken, sondern das 3500 Kilometer lange Kernnetz, das die Hauptlast des Bahnverkehrs trägt. „Das Kernnetz ist ein Sanierungsfall“, sagte Hommel. Ziele wie die Verdoppelung der Fahrgastzahl und der einheitliche Deutschlandtakt seien damit unrealistisch. Lutz hingegen hält daran fest, den Deutschlandtakt bis 2030 erreichen zu wollen.

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, begrüßte die Ankündigungen: „Wer die Verkehrswende will, muss dafür auch etwas tun“, sagte er dem RND. Größere Baustellen würden zwar zu Beeinträchtigungen führen, könnten aber besser geplant werden: „Für eine mehrmonatige Sperrung lohnt es sich, einen ordentlichen Umleitungsfahrplan zu entwickeln. Wichtig ist vor allem eine verlässliche Kommunikation. Die Fahrgäste brauchen klare Informationen. Und die Bahn braucht ein klares Ziel, eine verlässliche Finanzierung und vernünftige Rahmenbedingungen.“

RND/jps/dpa

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