Viele offene Fragen

Berufung, Karriere, Strafe: Wie geht es jetzt weiter?

Im Rechtsstreit geht Johnny Depp größtenteils als Sieger hervor – doch seine Schauspielkarriere hat unter dem Prozess stark gelitten.

Im Rechtsstreit geht Johnny Depp größtenteils als Sieger hervor – doch seine Schauspielkarriere hat unter dem Prozess stark gelitten.

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Selten wurde ein Prozess auf so persönlicher Ebene geführt wie der Rechtsstreit von Johnny Depp und Amber Heard. Die Geschworenen bestätigten am Mittwoch Depps Vorwurf, Heard habe ihre Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erfunden. Die Jury urteilte nun hauptsächlich zugunsten des Schauspielers, gab jedoch auch Heard in einigen Punkten recht. Heard muss Depp 10,35 Millionen Dollar Schadensersatz bezahlen – der Schauspieler wiederum muss seiner Ex-Frau etwa 2 Millionen Dollar zahlen. Doch ist der Prozess damit endgültig vorbei? Und wird Johnny Depp bald wieder für „Fluch der Karibik“ vor der Kamera stehen? Ein Überblick.

Kann Amber Heard in Berufung gehen?

Laut Juryurteil muss Amber Heard nun 8,35 Millionen Dollar (knapp 8 Millionen Euro) an Depp zahlen. Heard hatte ihrem Ex-Mann im Verleumdungsprozess vorgeworfen, sie mehrfach körperlich und sexuell missbraucht zu haben. Depp hatte die Vorwürfe bestritten und auch die Jury bestätigte, dass Heard die Missbrauchsvorwürfe erfunden habe. Zugleich gaben die Geschworenen auch Heard recht, die erklärt hatte, sie sei von Depps Anwalt verleumdet worden, als dieser ihre Missbrauchsvorwürfe als Schwindel bezeichnete. Medienberichten zufolge plane die Schauspielerin nun, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Da die Jury jedoch größtenteils zugunsten Johnny Depps urteilte, wären neue Beweise oder Zeugenaussagen nötig, um das Urteil von Mittwoch zu verändern.

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Kann Amber Heard die Strafe zahlen?

Dennoch kommt nach dem Urteil die Frage auf, ob Amber Heard den Schadensersatz aus eigener Tasche zahlen kann. Wie mehrere Medien berichten, wird das Nettovermögen der Schauspielerin auf rund 8 Millionen Dollar geschätzt – also die Summe, die sie nun zahlen soll. Allein für ihre Filmrollen in „Paranoia – Riskantes Spiel“ und „Machete Kills“ (beide 2013), der Fortsetzung von „Machete“ sowie 2018 für die weibliche Hauptrolle in „Aquaman“ soll Heard zwischen 2013 und 2019 rund 10 Millionen Dollar verdient haben. Ihre Ausgaben sind hingegen nur schwer zu beziffern, zuletzt kamen die Prozesskosten hinzu.

Johnny Depp gewinnt Prozess gegen Amber Heard fast vollständig

Schauspieler Johnny Depp erringt fast vollständigen Sieg gegen seine Ex-Frau Amber Heard.

Im Prozess hatte sich Heard immer wieder in Aussagen zu ihrem Vermögen verstrickt. So hatte sie 2018 vor Gericht gesagt, die Abfindungssumme von 7 Millionen Dollar, die sie nach der Scheidung von Johnny Depp erhalten habe, komplett einem Kinderkrankenhaus und einer Bürgerrechtsorganisation gespendet zu haben. Wie nun im gerade beendeten Prozess vor Gericht herauskam, sind jedoch nur knapp 1,3 Millionen Dollar in der Spendenkasse eingegangen. Ob sie den restlichen Anteil noch spenden kann, nachdem sie rund 8 Millionen Euro an Depp zahlen soll, ist unklar.

Wer ist Johnny Depps erfolgreiche Anwältin?

Im öffentlichen Prozess zwischen Heard und Depp rückten auch die Anwälte und Anwältinnen der beiden ins Rampenlicht. Vor allem die Verteidigerin von Johnny Depp, Camille M. Vasquez, erhielt in den sozialen Netzwerken viel Zuspruch. Clips zu ihrem Kreuzverhör von Amber Heard wurden bei Tiktok und Youtube millionenfach geklickt. Vasquez arbeitet für die internationale Anwaltskanzlei Brown Rudnick und hat Johnny Depp gemeinsam mit sieben weiteren Anwälten und Anwältinnen im Verleumdungsprozess gegen Amber Heard vertreten. Nach ihrem Abschluss an der University of Southern California im Jahr 2006 beendete Vasquez 2010 ihr Studium an der Southwestern Law School in Los Angeles. Laut der Website ihrer Anwaltskanzlei wurde sie im vergangenen Jahr von der US-Fachzeitschrift „The Best Lawyers in America“ auf die Liste der „Ones to Watch“ aufgenommen.

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Bevor sie Johnny Depp vertrat, konnte die Anwältin bereits einige andere große Prozesse gewinnen. Im Jahr 2017 vertrat sie erfolgreich zwei ehemalige Arbeitnehmer, die den amerikanischen Kommunikationskonzern AT&T und eine weitere IT-Firma wegen Vertragsbruchs verklagt hatten, berichtete das amerikanische Nachrichtenportal „Insider“. Außerdem habe Vasquez 2014 und 2015 zwei Fälle gewonnen, in denen ihren jeweiligen Klienten Diskriminierung vorgeworfen wurde.

Camille Vasquez, Anwältin des US-Schauspielers Depp, beim Schlussplädoyer im Fairfax County Circuit Courthouse.

Camille Vasquez, Anwältin des US-Schauspielers Depp, beim Schlussplädoyer im Fairfax County Circuit Courthouse.

Wie sind die Reaktionen im Netz nach dem Urteil?

Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen verfolgten den Rechtsstreit von Johnny Depp und Amber Heard live über die sozialen Netzwerke. Relativ früh zeichnete sich dort bereits ab, dass der „Fluch der Karibik“-Schauspieler breite Unterstützung erhält. Nach Verkündung des Urteils teilte Depp einen langen Text bei Instagram, in dem er unter anderem seinen Fans seinen Dank aussprach: „Ich bin, und war, von der überströmenden Liebe und der kolossalen Unterstützung und Güte von überall auf der Welt überwältigt.“ Wenige Stunden nach Veröffentlichung erhielt der Post knapp 15 Millionen Likes (Stand 2.6.), Hunderttausende Fans richteten ihre Glückwünsche zum Ausgang des Prozesses an den Schauspieler. „Die Wahrheit siegt“, schreibt etwa ein User. „So glücklich für dich und stolz auf dich“, lautet ein weiterer Kommentar. Auch zahlreiche Prominente kommentierten unter dem Beitrag: Musiker Ryan Adams teilte mehrere Emojis, Schauspielerin Ashley Banson und Supermodel Naomi Campbell reagierten mit mehreren Herzen auf den Text.

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Amber Heard äußerte sich kurz nach Verkündung des Urteils bei Instagram. „Die Enttäuschung, die ich heute empfinde, ist ohne Worte“, schrieb sie. Sie sei untröstlich darüber, dass der „Berg an Beweisen“ nicht gegen den Einfluss ihres Ex-Mannes habe ankommen können. Die Kommentarfunktion unter dem Beitrag wurde sowohl bei Instagram als auch Twitter stark eingeschränkt (Stand 2.6.). Unter dem Hashtag #standwithamberheard sprechen Userinnen und User der Schauspielerin dennoch ihr Mitgefühl aus: „Ein weiterer düsterer Tag für Überlebende auf beiden Seiten des Atlantiks“, lautet etwa ein Kommentar und bezieht sich dabei auf den Mordfall an Sarah Everard, der im vergangenen Jahr weltweit für Aufsehen sorgte. Eine weitere Nutzerin schreibt: „Ich glaube dir.“

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Gibt es nun eine „Fluch der Karibik“-Fortsetzung?

Experten und Expertinnen gehen derweil davon aus, dass der Rechtsstreit von Depp und Heard ihre Schauspielkarriere nachhaltig beeinflussen wird. Zu viele hässliche Details über ihre kurze Ehe seien ans Licht gekommen, die von Millionen Menschen im Fernsehen live verfolgt und in den sozialen Medien ausgiebig diskutiert wurden. „Beide werden wieder arbeiten, aber ich denke, es wird eine Weile dauern, bis ein großes Studio sie als sicher genug ansieht, um auf sie zu setzen“, sagte der ehemalige Anwalt der Unterhaltungsbranche, Matthew Belloni, der für den Newsletter „Puck“ über Hollywood schreibt. „Der persönliche Ballast, der in diesem Prozess aufgedeckt wurde, war einfach zu eklig für ein Studio, als dass es sich damit befassen wollte.“

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Bereits kurz nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe von Amber Heard hatte Disney die Zusammenarbeit mit Johnny Depp gekündigt. Im dritten Teil von „Phantastische Tierwesen“ übernahm stattdessen Mads Mikkelsen Depps Rolle des Bösewichts Grindelwald. Ob es in der Zukunft eine Fortsetzung der „Fluch der Karibik“-Filmreihe mit Johnny Depp in der Hauptrolle geben wird, ist weiterhin unklar. Filmproduzent Jerry Bruckheimer hatte während des Rechtsstreit mit Amber Heard eine erneute Zusammenhang mit Depp jedoch nicht ausgeschlossen. In einem Interview mit der „Times“ verriet er, zwei weitere Filme seien in Planung. Ob auch Johnny Depp wieder dabei sein werde, beantwortete der Produzent mit: „Nicht zu diesem Zeitpunkt, die Zukunft ist jedoch noch nicht entschieden.“ Für seine Rolle als Jack Sparrow wurde Johnny Depp 2004 für den Oscar nominiert.

RND/al mit dpa

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