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Andrew kauft sich frei: Was das für den Prinzen und das Königshaus bedeutet

Der britische Prinz Andrew.

London. Ließ man am Mittwoch in einem Kiosk den Blick über die britischen Boulevardblätter schweifen, sah man vor allem einen: Prinz Andrew, mal mit einem Smoking, mal in einer Uniform, immer aber mit ernster Miene und gesenktem Blick. Daneben die Nachricht, die viele Menschen auf der Insel bewegt und erbost: Der Herzog von York einigt sich in der Klage um Missbrauchsvorwürfe mit der US-Amerikanerin Virginia Guiffre. Der „Daily Star“ schrieb nicht ohne Spott: „Scheinheiliger Royal zahlt ein Missbrauchsopfer aus, das er angeblich nie getroffen hat.“ „Die finale Zehn-Millionen-Dollar-Schande des Herzogs“, titelte die Daily Mail.

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Die Nachricht, die Menschen und Medien in Wallung brachte, kam überraschend. Denn eigentlich hatte der gefallene Prinz vor rund drei Wochen auf eine Verhandlung vor einem Geschworenengericht bestanden, um seine Unschuld zu beweisen, wie es damals hieß. Die heute 38-Jährige wirft ihm vor, sie als Minderjährige misshandelt zu haben, dreimal auf dem Anwesen des mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein – in London, New York und auf den Jungferninseln. Sie verklagte ihn vor einem Gericht auf Schadensersatz. Andrew leugnete die Taten, beteuerte, dass er sich nicht einmal an Virginia Guiffre erinnern könne.

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Angeblich zwischen 10 und 12 Millionen Dollar gezahlt

Dann die plötzliche Kehrtwende: Der Prinz habe sich mit der Klägerin auf einen Vergleich geeinigt, meldeten britischen Medien am Mittwochabend. Der Preis: eine „bedeutende Spende“ im Bereich zwischen 10 und 12 Millionen Dollar. In dem Gerichtsdokument beteuerte Andrew, dass er seine Verbindung zu Epstein bedauere. Außerdem lobte er den „Mut von Giuffre und anderen Überlebenden, für sich selbst und andere einzustehen“. Auffallend ist dabei der neue Tonfall des 61-Jährigen, insbesondere im Vergleich zu seinem berüchtigten Interview mit der BBC-Journalistin Emily Maitlis im Jahr 2019, in dem der Herzog versäumte, sein Mitgefühl für Epsteins Opfer auszudrücken. Doch auch wenn sich der Herzog für das Leid entschuldigt, das Guiffre erfahren hat, ein Schuldeingeständnis ist das nicht.

Der Moderator und bekannte Royal-Experte Piers Morgan echauffierte sich in der Boulevard-Zeitung „The Sun“ über die Worte des Prinzen: Die allerletzte Person, von der Guiffre nun „Unterstützung braucht, ist ein Mann, der jahrelang mit bösartigen Sexhändlern rumgehangen hat und gerade riesige Geldsummen bezahlt, um einem Prozess wegen seiner eigenen angeblichen Beteiligung zu entgehen.“

Die Einigung erspart dem 61-Jährigen zwar eine Verhandlung vor Gericht, Beobachter bezweifeln jedoch, dass er seine Stellung im Königshaus rehabilitieren kann. Die britische Adelsexpertin Penny Junor sagte: „Ich halte das für sehr, sehr unwahrscheinlich.“ Diese Meinung teilt auch Joe Little, Herausgeber des Magazins „Majesty“. Dafür sei die Monarchie durch seine Verbindung mit Epstein zu sehr beschmutzt worden, ist sie sich sicher. Außerdem ruft auch die Einigung weitere Fragen auf: Vor allem danach, wer die Kosten für den Deal in Millionenhöhe trägt. Die britische Tageszeitung „Der Telegraph“ geht davon aus, dass unter anderem die Queen dafür aufkommen wird, vor allem um einen Schlussstrich unter die Affäre ziehen, die einen Schatten über das 70-jährige Thronjubiläum der Monarchin zu werfen drohte.

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Wer zahlt den Preis des Vergleichs?

Denn insgesamt gesehen ist die Einigung für das Königshaus, so betonen viele Beobachter, eine eher gute Nachricht. Nick Goldstone, Anwalt bei der Londoner Kanzlei „Ince“, beschreibt den Deal als „eine große Erleichterung für diese Institution“ und „einen guten Tag für die königliche Familie“. Denn ein Gerichtsverfahren in den USA wäre eine mediale Schlammschlacht geworden, die der britischen Monarchie in jedem Fall geschadet hätte.

Ebenfalls erleichtert über den Deal mit dem Prinzen ist wohl Virginia Guiffre. Schließlich habe sie das geschafft, „was niemand sonst erreicht hat: Prinz Andrew dazu zu bringen, seinen Unsinn zu beenden und sich auf die Seite der Opfer sexuellen Missbrauchs zu stellen“, sagte Lisa Bloom, Anwältin mehrerer Opfer von Epstein. Robert Lewis, ein in New York ansässiger Anwalt, der ebenfalls Opfer von Epstein verteidigt hat, meinte, er hätte Andrew zwar gerne vor Gericht gesehen, „aber am Ende des Tages muss Virginia entscheiden, was das Beste für sie ist“. Und: „Sie muss nicht das Gewicht der Interessen der Welt tragen.“

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