Energiekrise und Inflation treiben die Preise

Studenten zahlen bis zu 100 Euro mehr für Wohnheimplatz

In den Wohnheimen des Deutschen Studentenwerks leben rund 300.000 Studierende. Sie sind nun zu einer Energiespar-Challenge aufgefordert.

In den Wohnheimen des Deutschen Studentenwerks leben rund 300.000 Studierende. Bei neuen Mietverträgen steigen die Kosten für das Wohnen in vielen Städten.

Berlin. Studierende müssen sich auf steigende Preise einstellen. Wie eine Umfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) in den fünf größten Studentenwerken des Landes zeigt, steigen die Preise für Wohnheim­zimmer und Mensaessen zum Teil drastisch.

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Wer zum Beispiel einen Neu- oder Folgevertrag für einen der knapp 10.000 Wohnheim­plätze des Studentenwerks Berlin – zuständig für 175.000 Studierende – unterschreibt, zahlt seit dem 1. November zwischen 15 und 110 Euro mehr im Monat. Wie viel mehr man zahlt, hängt nicht zuletzt vom Wohnheim ab: Einige Standorte werden mit Gas, andere mit Fernwärme geheizt.

Berlin ist kein Einzelfall. Das Kölner Studentenwerk hat seine Mieten im Durchschnitt um 14 von 266 auf 280 Euro erhöht, und die 4400 Wohnheimplätze in Hamburg sind seit Oktober im Schnitt 12,50 Euro teurer geworden. In Frankfurt am Main werden Wohnheimplätze ab Februar im Mittel gut 30 Euro mehr kosten. Einzig München sticht in der Umfrage hervor: „Eine Erhöhung der Mietpreise ist aus jetziger Sicht unwahrscheinlich“, heißt es aus der bayerischen Landeshauptstadt. Grund dafür seien die Förderrichtlinien des subventionierten Wohnraums.

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Steigerungen auch jenseits der Metropolen

Als Ursache der Steigerungen geben die Werke die Energiekrise und die Inflation an. Das betrifft allerdings nicht nur die Metropolen, die ohnehin schon bekannt für teuren Wohnraum sind. Auch abseits der fünf größten Städte wird das Studieren teurer: Das Studentenwerk Ostniedersachsen zum Beispiel versorgt zwischen Hildesheim und Buxtehude an zehn Standorten etwa 60.000 Studierende.

Die Wohnkosten stiegen in den dortigen Wohnheimen um 75 Euro im Monat. Außerdem kletterten die Mensapreise um 20 Prozent in die Höhe. Zum Beginn des Wintersemesters hatte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks Matthias Anbuhl auf die steigenden Mensapreise an fast allen Standorten hingewiesen.

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Trotz der schwierigen Situation sieht keines der befragten Studentenwerke seine Finanzierung jedoch als nicht gesichert an. Zuletzt hatte die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, dass in Sachsen selbst erhöhte Zuschüsse des Landes für die Studentenwerke nicht ausreichen könnten.

Das Geld werde nicht genügen, um die galoppierenden Energie- und Nahrungspreise einzufangen, warnt Andrea Diekhof, Geschäftsführerin des Leipziger Studentenwerks. „Ohne zusätzliche Unterstützung von staatlicher Seite sind deutliche Mietpreis­erhöhungen 2023 unvermeidbar“, warnt sie.

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Zudem: Auch wenn Studentenwerke nicht pleitegehen, müssen sie unter Umständen in einigen Bereichen ihre Investitionen zurückfahren und haben dann weniger Mittel für andere Dinge. „Da die Preise im Bereich des Wohnheimbaus immens steigen“, so ein Sprecher des Studentenwerks München, „ist eine zuverlässige Kalkulation der künftigen Bauvorhaben schwer möglich.“

Offen über Geld sprechen, das fällt vielen Menschen schwer.

„Offen über Geld zu sprechen ist erleichternd“

Mareice Kaiser ist eine erfolgreiche Autorin und Journalistin. Trotzdem gab es in ihrem Leben eine Zeit, in der sie nicht einmal das Eis für ihre Tochter bezahlen konnte. Im RND-Interview erzählt sie von ihrer Geldbiografie, von Dispo-Ping-Pong und wie viel Geld genug ist.

Appell an die Politik

Die Werke appellieren deshalb an die Politik in Bund und Ländern. „Die Studentenwerke benötigen im Interesse der Studierenden unbedingt staatliche Hilfen durch die Bundesländer“, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Werks. Die Länder sind neben den Beiträgen der Studierenden die wichtigste Finanzierungs­quelle. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurden bereits weitere Hilfen durch die Regierungen versprochen – dort hofft man nun, dass das Geld auch fließen wird.

Forderungen gehen aber auch an die Bundesregierung: „Für eine wirkliche, existenzsichernde Entlastung der Studierenden bedarf es einer weiteren Anpassung des BAföG“, sagt der Geschäftsführer des Hamburger Studentenwerks, Sven Lorenz. Die Bafög-Sätze wurden zwar kürzlich erhöht, allerdings sind die Inflationsraten weiter gestiegen.

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