Modernstes Flugabwehrsystem Deutschlands

Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T an Ukraine übergeben: Was zeichnet das Artilleriesystem aus?

Ein Raketenwerfer vom Typ Iris-T.

Ein Raketenwerfer vom Typ Iris-T.

Berlin. Kurz nach den neuen Raketenangriffen Russlands auf Dutzende ukrainische Städte hat Deutschland das Flugabwehrsystem Iris-T SLM an das Land übergeben. Dies gab der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow auf Twitter bekannt. „Eine neue Ära der Luftverteidigung“ habe nun begonnen. Ausdrücklich bedankte er sich bei Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) für ihre starke Unterstützung der Ukraine, die sich seit Februar gegen eine russische Invasion wehrt.

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Damit löst die Bundesregierung ein Versprechen ein, das Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bereits Anfang Juni im Bundestag gegeben hatte. Zuletzt hatte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Montag eine baldige Lieferung in Aussicht gestellt. Ursprünglich war die erste Übergabe für November vorgesehen.

Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme des bodengestützten Typs von Iris-T zur Verfügung stellen, die Finanzierung von drei weiteren ist gesichert. Das System besteht aus mehreren Komponenten: Radaranlage, Gefechtsstand und drei auf Lastwagen montierten Raketenwerfer.

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Was kann das Flugabwehrsystem Iris-T?

Nach Angaben der Bundesregierung handelt es sich bei der Waffe um das modernste Flugabwehrsystem Deutschlands. Entwickelt wurde es vom deutschen Rüstungskonzern Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee. Das bodengestützte Flugabwehrsystem soll in erster Linie die Zivilbevölkerung schützen, indem es Luftangriffe der russischen Armee abwehrt.

Eines dieser Systeme kann eine mittlere Großstadt wie Nürnberg oder Hannover schützen. Iris-T SLM kann auf Ziele bis 20 Kilometer Flughöhe und 40 Kilometer Reichweite feuern. Ihre Reichweite ist damit deutlich größer als etwa jene von schultergestützten Flugabwehrraketen wie die ebenfalls von Deutschland an die Ukraine gelieferten Stinger-Flugabwehrraketen. Es wird also eine Art Schutzschirm über einer Fläche gespannt. „Besonders die bodengebundene Luftverteidigung ist in der Lage, Räume über längere Zeit dauerhaft zu schützen“, schreibt der Hersteller.

Ukrainische Soldaten wurden in Deutschland schon an dem Waffensystem ausgebildet. Die Industrie übernahm die technische Betreuung. Spezialisten der Luftwaffe übernahmen das taktische Training.

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Bundeswehr verfügt selbst noch nicht über Iris-T

Iris-T feuert eine Rakete zur Abwehr von Hubschraubern, Flugzeugen sowie Marschflugkörpern und Raketen. Das Radar ermittelt die Richtung des Angriffs; am Schluss des Anflugs übernimmt der auf Infrarot, also Wärmestrahlung, reagierende Suchkopf der Rakete.

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Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. So können Täuschkörper eine einzelne Rakete ablenken oder eine Überzahl angreifender Objekte die Sensoren oder das ganze System zahlenmäßig überfordern. Das Luftabwehrsystem ist mobil und kann seinen Standort schnell wechseln, wenn es vom Gegner ausgekundschaftet wurde. Die Anlage ist dann in kurzer Zeit wieder feuerbereit.

Die Ukraine erhält mit der ersten Iris-T-Lieferung ein Verteidigungssystem, über das die Bundeswehr selbst noch nicht verfügt.

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Was können andere gelieferte Artilleriesysteme aus Deutschland und den USA?

Vier der Mehrfachraketenwerfer Mars II hat Deutschland bereits Ende Juni in die Ukraine geliefert. Das Mittlere Artillerieraketensystem (Mars) kann Flugkörper unterschiedlicher Wirkungsweise verschießen - etwa gelenkte Raketen mit GPS-System oder Minenausstoßraketen zum Sperren von Geländeabschnitten.

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Je nach Munition treffen die Raketenwerfer nach Angaben des Herstellers Krauss-Maffei Wegmann Ziele zwischen 10 und 40 Kilometern Entfernung. Die Abschussbatterien mit einer Kampfbeladung von 12 Raketen sind dabei auf Kettenfahrzeuge montiert, die bis zu 50 Stundenkilometer schnell fahren können.

Mehrfachraketenwerfer HIMARS

Aus den USA ging der moderne Mehrfachraketenwerfer HIMARS des US-Herstellers Lockheed Martin an die Ukraine. Nach Angaben aus der US-Regierung hat das Artilleriesystem eine Reichweite von rund 80 Kilometern – spezialisierte Raketen zur Verwendung in dem System können nach Herstellerangaben dagegen bis zu 300 Kilometer weit fliegen.

Die HIMARS-Abschussbatterie kann zum Beispiel mit sechs gelenkten Artillerieraketen bestückt werden. Das Trägerfahrzeug ist nach Angaben der US-Armee mit bis zu 94 Stundenkilometern unterwegs.

RND/nis mit dpa

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