Ungeimpfte trifft es „ganz hart“: Lauterbach warnt bei „Maybritt Illner“ vor Omikron-Variante

Der neue Bundesgesundheitsminister, Karl Lauterbach (SPD).

Der neue Bundesgesundheitsminister, Karl Lauterbach (SPD).

Berlin/Hannover. Angesichts der neuen Corona-Variante Omikron hat der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf mehr Tempo bei der Impfkampagne gepocht. „Wir müssen die Booster- und Erstimpfungen so stark voranbringen, dass wir möglichst große Teile der Bevölkerung geschützt haben, bevor die Omikron-Variante kommt“, sagte Lauterbach am Donnerstag in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“. „Wir müssen quasi noch vor der Omikron-Variante die Kurve bekommen.“

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Nach aktuellem Stand seien nur Menschen mit drei Impfungen gegen die neue Mutante „wahrscheinlich gut geschützt“, so Lauterbach. Dagegen würden sich Genesene besonders schnell mit der Omikron-Variante anstecken. Sogar jene, die bereits mehrfach infiziert waren. Lauterbach plädierte in diesem Zuge für Booster-Impfungen nach fünf Monaten.

Modelliererin: Auf jedes Szenario einstellen

Generell seien Auffrischungsimpfungen aktuell das Gebot der Stunde, um den Großteil der Bevölkerung zu schützen, sagte Lauterbach. Bei doppelt Geimpften sei zwar das Risiko einer schweren Erkrankung geringer, vor einer Ansteckung sei diese Gruppe aber offenbar „wenig bis gar nicht“ geschützt. Der SPD-Politiker warnte in diesem Hinblick vor den möglichen Folgen. „Wenn die zweimal Geimpften sich infizieren, dann läuft das durch zu den Ungeimpften.“ Binnen kürzester Zeit würden sich alle Menschen ohne Corona-Schutz infizieren. „Die Ungeimpften trifft es dann ganz hart.“ Schwere Verläufe seien sehr wahrscheinlich.

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Die Physikerin und Modelliererin Viola Priesemann, die ebenfalls in der Sendung zu Gast war, bestätigte Lauterbachs Warnung: Omikron sei deutlich ansteckender und würde sich daher deutlich schneller ausbreiten als die Delta-Variante. „Wir sehen in den anderen Ländern, dass sich die Fallzahlen jede Woche vervierfachen.“ Masketragen und Kontaktbeschränkungen könnten die Ansteckungen verlangsamen. Es sei jedoch noch offen, inwiefern es zu schweren Verläufen bei der neuen Variante komme. Es müsse auf neue Daten gewartet und mit allen Szenarien – auch dem schlimmsten – gerechnet werden, damit man in den kommenden Wochen vorbereitet auf die Situation reagieren könne.

Lauterbach warnt vor Nachfrage bei Omikron-Impfstoff

Um das von der Bundesregierung anvisierte Ziel der 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten zu erreichen, gebe es laut Lauterbach genügend Impfstoffdosen. Mit ungefähr 14,5 Millionen Impfungen sei ungefähr die Hälfte der Zielvorgabe bisher erreicht worden. Allein am Mittwoch hätte es 1,1 Millionen Impfungen gegeben, wovon 90 Prozent Booster-Impfungen gewesen seien. „Das ist extrem respektabel. So schnell impft – was die Booster-Impfungen angeht – im Moment in Europa niemand.“ Dennoch mahnte er, dass es möglich sei, dass „wir es bis dahin nicht schaffen“. Doch selbst wenn es gelingen sollte, „sind wir damit überhaupt nicht da, wo wir hin müssen“.

Es brauche deutlich mehr Impfstoffreserven, so der neue Gesundheitsminister. Seine angekündigte Inventur, die am Freitag starten solle, gelte für das kommende Jahr. „Da werden wir mit Vollbesetzung im Haus jeden Stein umdrehen.“ Mit den Impfstoffherstellern sei er bereits in Kontakt über weitere Lieferungen, auch für einen möglichen Omikron-Impfstoff. „Ich warte gar nicht ab, bis wir an diesen Punkt gekommen sind, sondern gehe direkt in die Beschaffung.“ Er würde dazu bereits bilaterale Gespräche führen.

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Dabei warnte er jedoch vor der internationalen Nachfrage eines angepassten Impfstoffs, von dem schon in drei Monaten einer bereitstehen könnte. „Wenn die neue Variante da ist, wird es Bestellungen für diesen Impfstoff aus der ganzen Welt geben.“ Dann sei es trotzdem gut, einen alten Impfstoff zu haben, der dennoch helfe. Lauterbach betonte jedoch, dass die deutschen Bestellungen automatisch auf das neue Vakzin übergehen würden, sobald dieser verfügbar sei.

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Ministerpräsident Hans: „Wir müssen wachsam sein“

Von den anderen Gästen im Talkformat wurde Lauterbach zu seinem neuen Amt beglückwünscht. Er habe in der Pandemie mit seinen Prognosen selten danebengelegen, sagte etwa FDP-Vorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Priesemann betonte, da der neue Gesundheitsminister im Thema sei, müsse nicht mehr über Grundlagen gesprochen werden. „Das ist klasse.“ Es gehe nun aber um die Umsetzung. Der saarländische Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) sagte, er wolle mit Lauterbach genauso gut zusammenarbeiten wie mit Vorgänger Jens Spahn und unterstrich: „Ich werde nicht gleich auf ihm herumhacken. Auch nicht, wenn mal ein Fehler passiert.“ Oppositionspolitik müsse auch eine konstruktive Politik sein, so der CDU-Politiker.

Bezüglich des Auslaufens der epidemischen Lage, die von den Ministerpräsidenten bestätigt wurde, gab Hans zu: „Wir haben diese Lage damals anders eingeschätzt, wir haben sie falsch eingeschätzt.“ Es sei aktuell wichtig, den vollen Instrumentenkasten und auch einen sogenannten „Notschutzschalter“ zu haben, für den Fall, dass sich die Omikron-Variante als gefährlicher als die derzeit vorherrschende Delta-Variante erweise. „Wir müssen da wachsam sein.“

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