Schläge und Elektroschocks

Ukrainer aus Mariupol berichten von massiven Misshandlungen und Folter durch russische Truppen

Ein russischer Soldat vor dem Metallurgen-Denkmal in Mariupol: „Der ranghöchste Offizier schlug mir viermal ins Gesicht. Das schien Teil der Prozedur zu sein.“

Menschen aus Mariupol haben von massiven Misshandlungen und Folter durch russische Soldaten berichtet. Nach dem militärischen Sieg über die ostukrainische Stadt sollen Angehörige der Armee und des russischen Inlands­geheimdienstes FSB ukrainische Zivilisten bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und mit Elektro­schocks gequält haben. Wie die Opfer dem britischen Nachrichtensender BBC berichten, wollten die russischen Militärs so vermeidlich russenfeindliche Personen identifizieren, die sich aktiv am Widerstand gegen die Invasion beteiligt hätten.

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Ausgangspunkt für die brutalen Verhöre seien in vielen Fällen die Untersuchung von privaten Mobiltelefonen gewesen. Einzelne private Nachrichten oder geteilte Bilder und Videos des ukrainischen Präsidenten Selenskyj hätten ausgereicht, um den Menschen die Unterstützung der ukrainischen „Nazi-Regierung“ nachzuweisen. Ein Betroffener wurde laut eigener Aussage zusammen­geschlagen und in ein Gefangenenlager gebracht, wo er, wie viele andere, tagelang verhört wurde.

Ein zerstörtes Wohnhaus in Mariupol: Bis zu 90 Prozent der Gebäude in der Stadt sollen durch die Kämpfe zerstört oder beschädigt worden sein.

Ein zerstörtes Wohnhaus in Mariupol: Bis zu 90 Prozent der Gebäude in der Stadt sollen durch die Kämpfe zerstört oder beschädigt worden sein.

Ziel der Verhöre war es, so die Zeuginnen und Zeugen, Angehörige der Polizei und der Verwaltung ausfindig zu machen und ihre Gesinnung zu überprüfen. Angehörige der ukrainischen Armee wurden mit besonderer Brutalität behandelt. Sie wurden nach dem Fall der Mariupols von den Besatzern etwa durch Hämatome an Fingern und Schultern identifiziert, die auf den kürzlichen Gebrauch von Schusswaffen schließen ließen. Die russischen und prorussischen Truppen seien vor allem auf der Suche nach Angehörigen des Asow-Regiments gewesen, die das Stahlwerk der Stadt bis zuletzt verteidigt hatten.

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Im Käfig ohne Nahrung und Wasser

Die massive Gewalt gegenüber den Ukrainern wurde von den Tätern als notwendige „Umerziehung“ der Bevölkerung dargestellt, heißt es. Um die Gefangenen zusätzlich zu erniedrigen, mussten sich viele – Männer wie Frauen – während der Verhöre nackt ausziehen. Einige sollen in Käfige ohne Zugang zu Nahrung und Wasser gesperrt worden sein. Ein anderer Zeuge wurde laut eigener Aussage erst stundenlang geschlagen und dann dazu gezwungen, ein Video aufzunehmen, in dem er „Ruhm der russischen Armee!“ wünschen musste.

Yuriy Belousov, Ermittler der ukrainischen Staats­anwaltschaft, untersucht die Fälle. Er berichtet der BBC nicht nur von Folter, sondern auch von Tötungen von Verdächtigen nach der Übernahme Mariupols: „Es scheint sich um eine russische Methode zu handeln, die im Voraus geplant und gut vorbereitet war. Es handelt sich definitiv nicht um einen Einzelfall oder etwas, das von einer lokalen Militärtruppe gemacht wurde.“ Zudem gibt es immer wieder Berichte von Vergewaltigungen in den besetzten Gebieten.

RND/eti

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