Scholz trifft Modi

Ukraine, Klima, China: Warum die deutsch-indischen Regierungskonsultationen wichtig sind

Der indische Premierminister Narendra Modi, hier vor dem Gästehaus der indischen Regierung in Delhi, wird am Montag zu Regierungskonsultationen in Berlin erwartet. Im Zentrum steht ein Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz.

Berlin. Angesichts der in der Corona-Pandemie eingeübten Videokonferenzen wirkt es schon fast wie ein Anachronismus: Das indische Kabinett kommt am Montag nach Berlin zu einem Treffen mit den deutschen Ministerkollegen und -kolleginnen. Es sind die 6. deutsch-indischen Regierungskonsultationen, das eigentlich für vergangenes Jahr geplante reguläre Treffen wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben. Premierminister Narendra Modi wird sich erstmals mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zusammensetzen – anders als in seinem Wahlkampf, in dem er sich zum Teil als Hologramm auf die Bühnen projizieren ließ, wird Modi im Kanzleramt in persona erwartet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Scholz nennt Indien zentralen Partner in Asien

Beide Regierungen unterzeichneten eine Reihe von Absichtserklärungen für eine engere Zusammenarbeit.

Smog und Hitzerekorde

Wie bei solchen Treffen üblich, werden eine Reihe von Abkommen unterzeichnet werden – dass das Thema Klima dabei eine Rolle spielen wird, liegt auf der Hand. Indien gilt als drittgrößter Emittent klimaschädlicher Gase, in der Hauptstadt Delhi gleicht der gesundheitsschädliche Smog phasenweise dichten Nebelbänken, der auch ohne Corona-Pandemie das Tragen von Masken nötig macht. Hitzewellen werden häufiger.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gerade ist früher als üblich die erste des Jahres über den Subkontinent hereingebrochen, der März war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901. Schon jetzt ist klar, dass die Weizenernte geringer ausfallen wird – eine zusätzliche Belastung neben dem kriegsbedingten Ausfall von Getreideimporten aus der Ukraine.

Auch der Krieg gegen die Ukraine dürfte in Berlin besprochen werden. Indien trägt die wegen des Angriffs auf die Ukraine verhängten Sanktionen gegen Russland bislang nicht mit und hat sich im Uno-Sicherheitsrat bei Resolutionen gegen Russland enthalten. Gründe lassen sich finden: Indien bezieht laut Rüstungsforschungsinstitut Sipri einen großen Teil seiner Waffen aus Russland. Der Kauf von Kampfflugzeugen ließ Frankreich vergangenes Jahr vom zweiten auf den ersten Platz der indischen Rüstungslieferanten rücken.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Öl aus Russland

Beim Öl ist Indien gerne eingesprungen, als wegen des Krieges anderswo die Importe aus Russland reduziert wurden. Außerdem unterstützt das Land von Präsident Wladimir Putin Indien im UN-Sicherheitsrat in seinem Dauerkonflikt gegen das Nachbarland Pakistan.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Regierung müsse Modi drängen, seinen Neutralitätskurs gegenüber Russland zu überdenken, fordert der Vorsitzende der deutsch-indischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Ex-Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) „Der Besuch der indischen Regierung in Europa muss dafür genutzt werden, für unsere Position und damit für eine klare Verurteilung des russischen Angriffskriegs und die entsprechenden Konsequenzen zu werben“, sagte er dem RND.

Die Druckmittel halten sich dabei in Grenzen, auch weil Indien sich nach Einschätzung von Experten in der Wirtschaftspolitik stark abkoppelt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei einem Besuch in Indien vor ein paar Tagen vereinbart, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, mit knapp 1,4 Milliarden Einwohnern nach China das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt, wieder aufzunehmen.

Brinkhaus betonte: „Wir haben ein großes strategisches Interesse daran, dass es neben China weitere starke Spieler in Asien gibt. Und Indien ist trotz aller offensichtlicher Probleme ein demokratisches Land mit großem Wachstumspotenzial.“

Auch beim Kampf gegen den Klimawandel könne man gut kooperieren. An Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) richtete Brinkhaus die Aufforderung, beim Zusammentreffen mit Premierminister Modi über die politischen Gespräche hinaus eine persönliche Ebene zu suchen. „Wichtig ist, die politischen Beziehungen auch auf eine persönliche gute Basis zu stellen“, sagte Brinkhaus.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.