Tichy-Aus bei Ludwig-Erhard-Stiftung – Konservative und Liberale atmen auf

Roland Tichy

Roland Tichy

Berlin. Das Aufatmen vieler konservativer und liberaler Stimmen war deutlich hörbar. “Die einzig richtige Entscheidung!”, twitterte CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz. “Wurde auch Zeit”, schrieb Publizist Nikolaus Blome. Und Bundesbankpräsident Jens Weidmann ließ mitteilen, er begrüße den nun möglichen personellen Neuanfang “sehr”.

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Grund für all die Erleichterung war eine Rücktrittsankündigung. Roland Tichy, früherer Chefredakteur der Wirtschaftswoche und heutiger Herausgeber des rechtskonservativen Onlineportals und Monatsmagazins “Tichys Einblick” zieht sich vom Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung zurück.

Er trete bei der am 30. Oktober anstehenden Wiederwahl nicht mehr an, teilte der in die Kritik geratene Publizist den Mitgliedern der Stiftung mit. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Jahren andauernden Entfremdung zwischen Roland Tichy und jenem Milieu, in dem er früher einer der lautesten Wortführer gewesen war.

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Tichy, das muss man wissen, war mal ein geachteter Chefredakteur. Er vertrat neoliberale bis konservative Thesen und hatte eine besondere Freude daran, die von ihm als weltfremd betrachteten Positionen von Grünen und Linken in Talkshows auseinander zu nehmen. Er galt als streitbar, aber seriös. 2008 zeichnete ihn die Branchenzeitschrift Medium Magazin als Wirtschaftsjournalist des Jahres aus.

Es schien fast logisch, dass Tichy mit seinem Ausscheiden aus der Chefredaktion der Wirtschaftswoche zum Vorsitzenden der altehrwürdigen Ludwig-Erhard-Stiftung gewählt wurde. Die vom früheren Bundeskanzler selbst gegründete Stiftung pflegt Erhards Bild einer sozialen Marktwirtschaft, vor allem mit Blick auf die Ordnungspolitik. Neben der gesellschaftlichen Solidarität betont sie auch Werte wie individuelle Freiheit, Eigenverantwortung, Wettbewerb und Leistungsbereitschaft. 75 Mitglieder hat die Stiftung, darunter Politiker von CDU und FDP, Ökonomen und Unternehmer.

Roland Tichy und die Ludwig-Erhard-Stiftung - das hat mal gepasst

Tichy und die Erhard-Stiftung, das hätte ein Traumpaar werden können, wenn sich der Journalist nicht immer weiter radikalisiert hätte. Die Kritik an “Tichys Einblick” nimmt seit Jahren zu. Nicht nur wirtschaftsliberale und konservative Autoren kommen dort zu Wort, sondern auch Populisten und Nationalisten vom rechten Rand. Grüne werden in Beiträgen in die Nähe von Missbrauchstätern gerückt, der Bundesregierung das Ziel der Umvolkung unterstellt und manche Autoren machen unterschwellig oder auch ganz offen Stimmung gegen Flüchtlinge und Ausländer. Es ist alles in allem eine unappetitliche Mischung, die Tichy da unter seinem ehemals guten Namen zusammengerührt hat.

Dass der Chef einer Stiftung, die das Erbe Ludwig Erhards verwaltet, Räume für Hass und Hetze schafft, stößt vielen Konservativen schon lange negativ auf. 2018 weigerte sich Friedrich Merz, den von der Stiftung vergebenen Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik anzunehmen – angeblich, weil er bei der Preisverleihung nicht mit Tichy zusammen auf der Bühne stehen wollte. Schon damals gab es eine Debatte um den Stiftungsvorsitz, die aber folgenlos blieb.

Nun hat Tichy den Bogen offenbar überspannt. Stein des Anstoßes war ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe von “Tichys Einblick". Der Autor Stephan Paetow schreibt über die Qualifikationen der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), befreundete Journalistinnen hätten bislang nur “den G-Punkt als Pluspunkt” feststellen können.

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Ein sexistischer Kommentar, über den sich Chebli bei Twitter beschwerte, und der dazu führte, dass sich Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin im Kanzleramt, aus der Stiftung zurückzog.

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“Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren.”, sagte sie dem Handelsblatt. “Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar."

Nach Bär kündigten auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Unions-Vizefraktionschef Carsten Linnemann an, ihre Mitgliedschaften in der Ludwig-Erhard-Stiftung ruhen zu lassen. Tichy blieb am Ende nur noch der Rückzug.

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