Diskussion um Unvereinbarkeitsbeschluss

Eklat in Thüringen abgewendet? CDU und Linke arbeiten an Kompromissen

Ministerpräsident Bodo Ramelow während der 81. Plenarsitzung des Thüringer Landtags

Ministerpräsident Bodo Ramelow während der 81. Plenarsitzung des Thüringer Landtags

Erfurt. In Thüringen zeichnen sich mehrere Kompromisse ab, um eine mögliche Abstimmungsallianz von CDU und AfD bei zwei Streitthemen im Landtag zu verhindern. Nach einem Gespräch mit CDU-Fraktionschef Mario Voigt zeigte sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Mittwoch in Erfurt zuversichtlich, dass gemeinsame Lösungen bei zwei Gesetzentwürfen der oppositionellen CDU-Fraktion in den kommenden Wochen möglich sind. Dabei geht es um eine 1000-Meter-Abstandsregel für Windräder zu Wohngebäuden und die Wiedereinführung der Schulgeldfreiheit für Gesundheitsberufe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

CDU-Fraktionschef Mario Voigt sprach von einem Durchbruch für zwei Anliegen, die der CDU wichtig seien. Die Lage drohte zu eskalieren, weil Ramelows rot-rot-grüne Minderheitskoalition die CDU-Initiativen zuvor ablehnte, die AfD-Landtagsfraktion mit ihrem Chef Björn Höcke jedoch Zustimmung signalisierte.

Gemeinsam mit der FDP-Gruppe könnten CDU und AfD im Landtag in Erfurt die Koalition von Linke, SPD und Grünen überstimmen, der vier Stimmen für eine eigene Mehrheit fehlen. Die AfD wird in Thüringen vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremistischer Tendenzen beobachtet. Ein möglicher Eklat hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Voigt: Kein Verstoß gegen Unvereinbarkeitsbeschluss

Diskutiert wurde, ob die von CDU-Parteichef Friedrich Merz erklärte Brandmauer der CDU zur AfD in Gefahr geraten könnte. Merz sagte in der Nacht zum Mittwoch in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, er hoffe auf eine Lösung, ohne dass die AfD dazu benötigt werde. „Nun können wir nicht jeden Antrag, den wir in der Sache für richtig halten, davon abhängig machen, ob die AfD dem zustimmt oder nicht“, sagte er aber auch. CDU-Fraktionschef Voigt sagte, es gebe in Thüringen keinen Verstoß gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU zur AfD.

Ramelow und Voigt zeichneten nach ihrem Treffen Kompromisslinien auf. Bei der umstrittenen Abstandsregelung von Windrädern könnte der Gesetzentwurf der CDU nach dem Vorbild einer Regelung in Brandenburg um eine Öffnungsklausel und einen Passus zum Ersatz alter Windräder durch Repowering ergänzt werden, sagte Ramelow. Zudem verständigen sich der Linke- und der CDU-Politiker darauf, dass Azubis in Gesundheitsberufen an freien Schulen weiter von Schulgeldzahlungen befreit werden sollen.

Die CDU wird als größte Oppositionsfraktion außerdem bei der Umstellung der energieintensiven Thüringer Glasindustrie mit 7000 Arbeitsplätzen von Gas auf Strom aus erneuerbaren Quellen mitarbeiten. Mehr Spielraum gibt die CDU der Regierung auch bei einem von ihr initiierten Haushaltsbeschluss, wonach im Jahresverlauf 330 Millionen Euro einzusparen sind.

In Thüringen regiert Rot-Rot-Grün seit 2020 ohne eigene Mehrheit. Ein Jahr lang gab es einen Stabilitätspakt mit der CDU, um einen Haushalt zu verabschieden. Derzeit besteht keine Vereinbarung, die die Zusammenarbeit regelt. „Wir können uns als Demokraten an einen Tisch setzen. Dafür braucht es keine vertragliche Vereinbarung“, sagte Voigt zu den komplizierten Verhältnissen in der Thüringer Landespolitik.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken