Privatvermögen für die Landesverteidigung

Ausbildung von drei Millionen Zivilisten: Taiwaner spendet 30 Millionen Euro zur Verteidigung gegen China

Militärwachen halten die Flagge Taiwans bei einer offiziellen Zeremonie.

Militärwachen halten die Flagge Taiwans bei einer offiziellen Zeremonie.

Peking. Am Donnerstag trat Robert Tsao ins Blitzlichtgewitter der Fotojournalistinnen und ‑journalisten. Der bereits ergraute Geschäftsmann hatte auf seiner eigens einberufenen Pressekonferenz in Taipeh eine dringliche Botschaft an seine Landsleute: „China ist bestrebt, Taiwan anzugreifen“, sagte der 75-Jährige. Wer daran zweifele, würde sich nur selbst belügen. „Ich werde jedoch nicht zulassen, dass die Kommunistische Partei Chinas Taiwan in ein zweites Hongkong verwandelt“, sagte Tsao, der als einer der erfolgreichsten Unternehmer des Inselstaats gilt. „Das ist mein Versprechen an euch.“

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Und dafür greift der Taiwaner nun tief in die eigenen Taschen. Tsao legt umgerechnet 33 Millionen Euro seines Privatvermögens auf den Tisch, um seine Heimat für den Fall einer chinesischen Invasion zu wappnen. Zwei Drittel davon sollen in die Ausbildung von insgesamt drei Millionen Zivilisten gehen, der Rest in professionelle Schützen investiert werden.

Tsao galt lange als auffällig chinaloyal – bis zu den Hongkong-Protesten

Die Geschichte des exzentrischen Geschäftsmannes wirft auch ein Schlaglicht auf die komplizierte Beziehung zwischen Taiwan und China, die sich in den letzten Jahren stark entfremdet haben.

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Tsao hat es bereits vor Jahrzehnten zu Reichtum gebracht, und als Gründer des Halbleiterproduzenten United Microelectronics Corporation (UMC) profitierte er auch wirtschaftlich vom rasanten Aufstieg Chinas. Mehr noch: Bis vor Kurzem galt Tsao als auffällig loyal gegenüber Peking. Ein Taiwaner der älteren Generation, der stets um den Kompromiss und den Ausgleich zu Festlandchina bemüht war. Er hoffte, dass eine friedliche Koexistenz für beide Seiten möglich sei.

US-Delegation besucht Taiwan

Die Volksrepublik China, die Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, kritisierte den Besuch als Einmischung in innere Angelegenheiten Chinas.

Doch das Jahr 2019 stellte für Tsao wie auch für viele seiner Landsleute einen dramatischen Wendepunkt dar. Die Taiwanerinnen und Taiwaner sahen damals in den Fernsehnachrichten täglich mit an, wie die Staatsführung in Peking die Demokratiebewegung in Hongkong blutig niederschlug. Unter dem Slogan „ein Land, zwei Systeme“ wurde zwar der einst britischen Kronkolonie weitgehende Autonomie zugesichert, doch stattdessen beraubte China die Verwaltungszone fast sämtlicher Freiheitsrechte: Kritische Medien wurden zugesperrt, Aktivistinnen und Aktivisten verhaftet und oppositionelle Politikerinnen und Politiker mundtot gemacht.

Taiwan gilt mittlerweile als Vorbilddemokratie Asiens

Spätestens da dämmerte den meisten Taiwanerinnen und Taiwanern nicht nur, dass das Konzept „ein Land, zwei Systeme“ eine reine Farce ist, sondern dass ihnen potenziell ein ähnliches Schicksal droht.

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Die Insel gilt mittlerweile als Vorbilddemokratie Asiens – mit einer lebhaften Medienlandschaft, einer aktiven Zivilgesellschaft und weitreichenden Rechten für Minderheiten. All dies würde ein Ende finden, wenn die KP Chinas ihren Machtanspruch über die – in ihren Augen – „abtrünnige Provinz“ geltend macht.

Unter Xi Jinping werden die Drohungen immer konkreter

Und unter Chinas Staatschef Xi Jinping werden die Drohungen immer konkreter. Erst vor wenigen Wochen kreiste die chinesische Volksbefreiungsarmee Taiwan regelrecht ein und probte eine Invasion. Die größten Militärmanöver seit Jahrzehnten waren eine Reaktion, um den Delegationsbesuch der US-Politikerin Nancy Pelosi in Taipeh zu vergelten.

„Die Bedrohung der Kommunistischen Partei Chinas für Taiwan wächst“, sagt Robert Tsao, der mittlerweile vom Vertreter einer Annäherungspolitik zum regelrechten Hardliner gegenüber Peking geworden ist. Er spricht pathetisch vom Kampf von Freiheit gegen Sklaverei, Demokratie gegen Autoritarismus, Zivilisation gegen Barbarei: „Das Einzige, was Taiwan tun kann, ist, klar zu sagen: Wenn ihr zu uns kommt und uns angreift, werden wir euch vernichten.“

 

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