Südkorea kapituliert vor Omikron: GPS-Überwachung der Quarantäne wird eingestellt

Anfangs galt Südkoreas Corona-Politik als Erfolgsgeschichte. Mithilfe von GPS-Überwachung konnte die Politik die Pandemie bremsen. Durch die rasante Verbreitung der Omikron-Variante muss das Land nun umdenken.

Seoul. Südkorea wird keine GPS-Überwachung mehr zur Durchsetzung von Quarantänen einsetzen. Auch die täglichen Kontrollbesuche bei Coronavirus-Patienten mit geringem Risiko werden eingestellt.

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Die Geschwindigkeit der Übertragungen habe es unmöglich gemacht, eine straffe und proaktive medizinische Reaktion aufrechtzuerhalten, sagte Jeong Eun-Kyeong, die Beauftragte der Seuchenkontrollbehörde KDCA des Landes, am Montag. „Wir planen den Übergang zu einer Antiviren-Strategie, die sich auf die Aufrechterhaltung wesentlicher sozialer Funktionen konzentriert.“

Regierungsmitarbeitern zufolge werden Angestellte des öffentlichen Diensts, die Virusträger mit Hilfe von GPS-fähigen Smartphone-Apps überwacht haben, nun zur Unterstützung bei der Behandlung zu Hause eingesetzt. Positiv getestete Personen müssen sich nicht mehr bei den örtlichen Gesundheitsämtern melden, wenn sie ihr Haus verlassen, um einen Arzt aufzusuchen, ihre mit ihnen zusammenlebenden Familienmitglieder können frei ausgehen, um Lebensmittel, Medikamente und andere lebenswichtige Dinge zu kaufen.

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Virusträger mit geringem Risiko, die um die 50 oder jünger sind und keine Vorerkrankungen haben, müssen ihren Gesundheitszustand nun selbst überwachen und sich an die örtlichen Krankenhäuser wenden, wenn sich ihre Symptome verschlimmern. Das Gesundheitspersonal wird weiterhin täglich Kontrollbesuche bei Menschen ab 60 Jahren oder bei Personen mit Vorerkrankungen durchführen.

Omikron-Ausbreitung überfordert Gesundheitswesen und Verwaltung

Die koreanische Behörde für Seuchenkontrolle und -prävention meldete 38.691 Neuinfektionen, ein Anstieg um das Neunfache gegenüber dem Stand von Mitte Januar. Jeong zufolge könnte das Land bis Ende Februar einen täglichen Anstieg von 130.000 bis 170.000 Fällen erleben.

Südkoreas Kontrolle der Pandemie galt in der Anfangsphase als Erfolgsgeschichte, da es Infektionen und Krankenhausaufenthalte wirksamer eindämmen konnte als die meisten Länder im Westen. Die Gesundheitsbehörden arbeiteten eng mit Biotech-Unternehmen zusammen, um Labortests zu verbessern und setzten technische Hilfsmittel und öffentliche Bedienstete ein, um Kontaktpersonen aufzuspüren und Quarantänen durchzusetzen. Doch die Stärken des Landes wurden durch den beispiellosen Anstieg der Infektionen durch die Omikron-Variante ausgehebelt, die Ressourcen des Gesundheitswesens und der Verwaltung wurden überfordert.

RND/AP

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