Reaktivierung der Impfzentren: Städte kritisieren neue Debatte

Eine Maske liegt vor dem Impfzentrum in der Messe Erfurt.

Eine Maske liegt vor dem Impfzentrum in der Messe Erfurt.

Berlin. Die Städte haben die Debatte über eine kurzfristige Reaktivierung von Impfzentren für Corona-Auffrischungsimpfungen kritisiert. Ein Impfzentrum sei „keine Taschenlampe“, die je nach Stimmungslage aus- und wieder angeknipst werden könne, heißt es in einem Schreiben des Deutschen Städtetags an die Gesundheitsminister der Länder, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Strukturen seien verändert, Flächen anderweitig genutzt, Personal umgeschichtet worden. Ein derartiger Richtungsumschwung sei nicht nachvollziehbar.

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Bund und Länder hatten vereinbart, die zum Impfstart eingerichteten zeitweise mehr als 400 regionalen Impfzentren zum 30. September zu schließen oder die Kapazitäten zurückzufahren. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) brachte nun ins Gespräch, dass die Länder die Impfzentren wieder startbereit machen, um mehr Impf-Auffrischungen als Schutz im Winter zu ermöglichen. Mehrere Länder reagierten bereits reserviert auf den Vorstoß. Kritik gibt es aber weiterhin auch an stockendem Impftempo im Netz der Arztpraxen.

„Auch in der Pandemie braucht es ein Mindestmaß an Kalkulierbarkeit von Entscheidungen“, mahnte der Städtetag. Dabei sei es angesichts dynamisch steigender Infektionszahlen richtig, die Frage von Auffrischungsimpfungen rechtzeitig zu thematisieren. Zunächst seien die Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Organisation gefordert. Diese hätten „stets signalisiert, ein Massenimpfgeschäft im Herbst und Winter ohne die kommunalen Impfzentren leisten zu können“. Die Städte stünden selbstverständlich bereit, ihre niedrigschwelligen Impfangebote aufrechtzuerhalten und bei Bedarf auch zu erweitern.

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Booster-Impfungen für alle möglich

Zum Vorgehen in der Corona-Krise im Winter wollen sich am Dienstag unter anderem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, in Berlin äußern. Impf-Verstärkungen („Booster“) sind mindestens sechs Monate nach einer vollständigen Impfung möglich. Angeboten werden sie Älteren ab 60 Jahre, Corona-Risikogruppen, aber auch Geimpften mit Astrazeneca und Johnson & Johnson. Die Stiko empfiehlt Auffrischungen vorerst unter anderem für Menschen ab 70. Grundsätzlich sind sie laut Impfverordnung für alle anderen Menschen ebenfalls möglich.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag): „Jeder, dessen vollständige Impfung sechs Monate zurückliegt, sollte sich bald eine Auffrischungsimpfung holen.“ Er erklärte: „Weil der Immunschutz nach einem halben Jahr abnimmt, müssen wir als Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass der Schutz stabil bleibt.“

Er forderte, die Auffrischungsimpfungen bei den niedergelassenen Ärzten zu machen. „Falsch dagegen wäre es, jetzt wieder auf Impfzentren zu setzen: Impfzentren waren am Anfang nötig, weil es zu wenig Impfstoff gab und die Lagerung der Dosen kompliziert war.“ Impfzentren seien zehnmal so teuer wie das Impfen in den Arztpraxen. Außerdem sei die Hemmschwelle für viele Menschen beim Hausarzt viel niedriger.

Studien übertragbar auf Deutschland?

Die Stiko beschäftigt sich nach den Worten ihres Vorsitzende Mertens gerade ausführlich mit dem Thema Auffrischungsimpfungen. „Die Ständige Impfkommission prüft im Moment sehr intensiv, ob sie Auffrischungsimpfungen für alle Bevölkerungsgruppen empfehlen wird“, sagte Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es gebe Daten aus internationalen Studien, die dafür sprächen, wobei geprüft werden müsse, inwieweit diese Ergebnisse auf Deutschland übertragbar seien.

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„Eine Entscheidung darüber wird in wenigen Wochen fallen“, sagte Mertens. Bei einer solchen allgemeinen Empfehlung für Booster-Impfungen sei die Frage entscheidend, ob damit die Weiterverbreitung des Virus gebremst werden könne, so Mertens.

Im ZDF-„heute journal“ erläuterte Mertens am Montagabend, es sei zunächst einmal sehr wichtig, die Menschen zum dritten Mal zu impfen, die das höchste Risiko hätten, bei einer Corona-Infektion schwer zu erkranken. „Das sind eben die alten Menschen über 70. Das sind die Menschen, die ein gestörtes Immunsystem haben (...), und das sind letztlich auch die Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen.“ Es sei „unpraktikabel“ zu verlangen, dass jetzt die gesamte Bevölkerung auf einen Schlag eine dritte Impfung erhalten solle.

RND/dpa

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