Kommentar zur Brasilien-Wahl

Rechtspopulisten weiter stark – doch die Schuld liegt nicht beim Wähler allein

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, zieht gegen seinen Konkurrenten Lula da Silva in die Stichwahl ein.

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, zieht gegen seinen Konkurrenten Lula da Silva in die Stichwahl ein.

Das Ergebnis des ersten Durchgangs der Präsidentschaftswahlen in Brasilien löste die gleichen Reflexe aus wie die jüngsten Resultate in Italien, Frankreich oder auch in Ostdeutschland. Das zeigt die ganze Ratlosigkeit jener politischen Klasse, die sich längst nur noch um sich selbst dreht, die alles verdammt, was nicht der eigenen Überzeugung entspricht.

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Wählerverdammung hat allerdings noch nie geholfen, die Probleme zu lösen, die die Ursache für eine solche Wählerwanderung bilden. Stattdessen vertieft sie die Gräben nur.

Europas Blick auf Brasilien ist zu überheblich

Richtiger wäre es, die Gründe zu analysieren, warum Rechtspopulisten wie Bolsonaro in Brasilien, Meloni in Italien, die AfD in Deutschland oder Le Pen in Frankreich weiterhin so stark sind. Sprechen die klassischen politischen Parteien eigentlich noch die Sprache der durchschnittlichen Bürgerinnen und Bürger? Kennen Sie die tatsächlichen Probleme der Arbeiterschaft, der Mittelschicht?

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Auf Brasilien erlauben wir Europäer und Europäerinnen uns bisweilen einen überheblichen Blick, weil die aktuelle Bolsonaro-Regierung eine tatsächlich unverantwortliche Amazonas-Abholzungspolitik betreibt. Aber sind wir da wirklich besser? Deutschland importiert inzwischen noch mehr Kohle aus Kolumbien, weil Berlin Proteste gegen den Kohlebergbau im eigenen Land scheut.

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Die Europäer und Europäerinnen exportieren Pflanzenschutzmittel nach Brasilien und setzen nach wie vor auf Verbrennerautos in Lateinamerika. Woher also die Überheblichkeit, die Brasilianer für etwas zu kritisieren, was wir selbst nicht viel besser machen? Wenn am Ende der Lula da Silva, der wohl die Stichwahl doch knapp gewinnen wird, der neue Ansprechpartner wird, sollten die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden. Dann dürfte es auch mit dem europäisch-südamerikanischen Freihandelsabkommen klappen.

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