Olympische Spiele: Sollten Sportler laut Kritik an China und dem IOC üben?

Olympiasiegerin Natalie Geisenberger hatte den coronabedingt rigiden Umgang mit den Sportlern kritisiert.

Olympiasiegerin Natalie Geisenberger hatte den coronabedingt rigiden Umgang mit den Sportlern kritisiert.

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler beteiligen sich aktuell kaum an politischen Diskussionen über Olympia Ausrichter China. Herr Klein, woran liegt das?

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Es muss jedem Sportler und jeder Sportlerin freigestellt sein, wie sie oder er mit der Situation umgeht. Es ist erst einmal total legitim, wenn sich Athletinnen und Athleten auf ihren sportlichen Wettkampf konzentrieren und sich in der Konzentrationsphase in den Tunnel begeben. Wichtig ist zu betonen, dass die Athleten eine heterogene Gruppe sind. Einige wollen sich äußern, andere wollen sich komplett auf den Sport fokussieren. Wieder andere trauen sich vielleicht gerade nicht, und deshalb ist es einfach wichtig zu sagen: Niemand muss sich äußern, aber alle müssen das Recht haben, sich äußern zu können. Und das ist aktuell nicht wirklich gegeben.

Sie haben verschiedenen Gruppen von Athletinnen und Athleten angesprochen. Erik Lesser etwa hat bei Instagram vor dem Abflug nach Peking schon sehr deutliche Worte gefunden, mit seinem Post „Money, money, money“ in Richtung IOC. Rodlerin Natalie Geisenberger hat nach ihrer Goldmedaille ebenfalls Andeutungen gemacht.

Dies spiegelt auch teilweise die Gespräche wider, die wir mit Athletinnen und Athleten geführt haben. Manche trauen sich vor Ort gar nicht, etwas zu sagen, oder äußern sich zurückhaltend. Es ist nun einmal so, dass die Meinungsfreiheit durch die Regel 50 des IOC (Anmerkung d. Red.: politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda) auf dem Podium pauschal eingeschränkt ist. Erschwerend kommt aber hinzu, dass es ja sogar Drohungen von chinesischer Seite gab, sollten sich Athletinnen und Athleten kritisch äußern. Das bedeutet im Endeffekt, dass sich Athletinnen und Athleten am Ende auch selbst zensieren, aus reinem Selbstschutz.

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Dann kommt der Fall Thomas Bach hinzu, der IOC-Präsident, der sich mit der chinesischen Tennisspieler Spielerin Peng Shuai ablichten lässt. Schon vor Monaten hatte Peng Shuai einem ehemaligen chinesischen Regierungsmitglieds sexuelle Belästigung vorgeworfen und ist nun plötzlich zurückgerudert. Wie sehen Sie diesen Fall?

Dieser Fall ist erschütternd, weil er zeigt, wie das IOC mit dem Thema sexualisierter Gewalt, mit Missbrauch umgeht. Das ist völlig unangemessen, unprofessionell und nicht im Sinne des Schutzes der Athleten. Das IOC hat in den letzten Wochen mehrere Schritte unternommen, um sich wirklich zum Steigbügelhalter, zum Komplizen des chinesischen Regimes zu machen.

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Es hat mit diesem letzten Treffen auch dazu beigetragen, dass sich nun das Narrativ des chinesischen Regimes durchsetzt und wir eigentlich von der Geschichte ablassen müssen, um die Athletin so überhaupt noch schützen zu können. Das ist sehr, sehr traurig und erschütternd, weil es die Glaubwürdigkeit des IOC nachhaltig beschädigt hat. Es ist völlig klar geworden, dass das IOC politischen und wirtschaftlichen Interessen mehr Bedeutung beimisst als seiner menschenrechtlichen Verantwortung und seiner Fürsorgepflicht für Athletinnen und Athleten.

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Gehen Sie denn davon aus, sich Sportlerinnen und Sportler nach ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen noch einmal mit deutlicheren Worten äußern? Und ist es da nicht eigentlich schon zu spät?

Es kann gut sein, dass sich im Nachgang Athletinnen und Athleten äußern, wenn sie sich auch sicherer fühlen. Es geht dabei nicht um die Frage, ob das zu spät ist. Es ist wirklich eine Frage der Wahlfreiheit. Athletinnen und Athleten haben Menschenrechte, und dazu gehört die Meinungsfreiheit. Es geht nicht darum, dass es einen Zwang für Athleten gibt, sich zu äußern, auch wenn das vielleicht für den einen oder anderen wünschenswert wäre. Es ist ihr gutes Recht, sich auch nicht zu äußern beziehungsweise sich auf den Sport zu fokussieren. Gleichzeitig sprechen wir über mündige Athletinnen und Athleten, die sichere Bedingungen brauchen. Sie dürfen keine Angst davor haben, wenn sie etwas sagen und sich zu Themen ihrer Wahl äußern wollen.

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