„Radikaler Kurswechsel" gefordert

Ölbohrpläne im Wattenmeer: Fridays for Future und Grüne Jugend empört

Die Bohr- und Förderinsel „Mittelplate" in der Nordsee vor der Küste bei Büsum. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future zeigt sich empört über Überlegungen zu Ölbohrungen im deutschen Wattenmeer.

Die Bohr- und Förderinsel „Mittelplate" in der Nordsee vor der Küste bei Büsum. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future zeigt sich empört über Überlegungen zu Ölbohrungen im deutschen Wattenmeer.

Berlin. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future zeigt sich empört über Überlegungen zu Ölbohrungen im deutschen Wattenmeer. Auch die Grüne Jugend kritisierte die Pläne.

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Die schlimmsten Folgen der Klimakrise seien nur noch durch einen „radikalen Kurswechsel“ zu verhindern, sagte Sprecherin Pauline Brünger der Nachrichtenagentur dpa. „Die Reaktion der Bundesregierung auf den Krieg droht jedoch, die Klimakrise weiter zu befeuern.“

Brünger verwies auf einen am Dienstag veröffentlichten Bericht der Weltwetterorganisation (WMO), wonach die Jahres-Durchschnittstemperatur der Welt schon bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen könnte - auch wenn der Wert in den Folgejahren wieder niedriger liegen könnte. Klimaexperten warnen, dass die Folgen des Klimawandels bei einer Erwärmung von dauerhaft mehr als 1,5 Grad erheblich sind.

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Derweil stellten die Grünen sich hinter neue Gasterminals und Ölbohrungen im Wattenmeer, beklagte Brünger. „Die Partei ist im Inbegriff, ihre Politik nicht mehr an der Wissenschaft, sondern an den Wünschen und Vorlieben einiger weniger Industriebosse wie von der BASF und ihrer Tochter Wintershall auszurichten.“

Einfuhr von russischem Gas: Scholz lehnt Importstopp ab

„Bei allem, was wir tun, dürfen wir uns nicht mehr schaden als Russland“, so Bundeskanzler Olaf Scholz.

Bemühungen um Unabhängigkeit von russischem Gas und Öl

Angesichts der Bemühungen, die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu verringern, wird in Schleswig-Holstein auch über eine Ausweitung der Ölförderung im Wattenmeer nachgedacht. CDU und FDP im Land sprachen sich zuletzt für das Vorhaben aus. Selbst die Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Finanzministerin Monika Heinold, hatte erklärt, „die Suche nach alternativen Quellen bezieht auch die Mittelplate mit ein“. Sie verknüpfte ihre Zustimmung zu einer Ausweitung der Fördermengen demnach allerdings mit der Bedingung, dass Wintershall Dea den Antrag mit einem früheren Ausstiegsdatum für die Plattform insgesamt verbindet.

Es mache fassungslos, mit welcher Selbstverständlichkeit Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) die Interessen fossiler Konzerne übernehme, sagte Brünger. „Neue fossile Investitionen als Teil der Lösung zu verkaufen, ist das Gegenteil nachhaltiger Krisenpolitik - es ist ein Krisenbeschleuniger. Ist das Ihr Ernst, Herr Habeck?“ Habeck treibt den Bau von Terminals zur Einfuhr von Flüssiggas (LNG) voran, um Gaslieferungen aus Russland zu ersetzen. Später sollen diese für die Einfuhr von klimafreundlichem Wasserstoff genutzt werden.

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Kritik von der Grünen Jugend

Auch der Bundesvorsitzende der Grünen Jugend, Timon Dzienus, hat die Pläne zur Förderung von Öl und Gas im Wattenmeer kritisiert. „Solche Vorschläge sind völliger Quatsch“, sagte er im Interview mit dem Bremer „Weser-Kurier“ (Donnerstag). Es gehe um extrem geringe Mengen, die auch noch direkt neben dem Niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer gefördert werden sollten. Dieser stehe nicht ohne Grund unter gesetzlichem Schutz, ein Störfall hätte massive Umwelt- und Klimaschäden zur Folge. Gerade Niedersachsen habe aber ein riesiges Potenzial beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, was bislang nicht genutzt werde.

Kritisch äußerte sich Dzienus auch über den geplanten Bau fester LNG-Terminals an der Küste. Es sei noch gar nicht klar, wie viel flüssiges Erdgas überhaupt gebraucht werde, wenn unter anderem konsequent auf Energieeinsparung, Energieeffizienz oder dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gesetzt werde. „Wir dürfen nicht vergessen, dass LNG ähnlich schädlich ist wie die dreckige Braunkohle“, sagte Dzienus.

RND/dpa

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