Diktator Lukaschenko

Nach dem Tod des Belarus-Außenministers: Was passiert da gerade in Minsk?

Präsident Alexander Lukaschenko während der Trauerfeier für seinen Außenminister.

Präsident Alexander Lukaschenko während der Trauerfeier für seinen Außenminister.

Nach dem überraschenden Tod des belarussischen Außenministers Wladimir Makej, einem engen Vertrauten von Diktator Alexander Lukaschenko, wird zwischen Minsk, Moskau und Kiew über mögliche Täter und Ziele wild spekuliert. Hintergrund: Der 64‑Jährige war am Samstag überraschend gestorben, die staatliche Nachrichten­agentur Belta berichtete von einem „plötzlichen Tod“, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

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Der Tod des auch als Nachfolger von Lukaschenko gehandelten Politikers ist vor dem Hintergrund des Angriffs­krieges Russlands gegen die Ukraine besonders brisant. Das Regime von Lukaschenko gilt nach einer Protestwelle 2020 und deren gewaltsamer Niederschlagung durch russische Hilfe als äußerst fragil.

Mindestens 9000 russische Soldaten in Belarus

Lukaschenko betont zwar stets, nicht Kriegspartei zu sein und keine Soldaten in den Krieg zu entsenden, doch ist sein Land Aufmarschgebiet für die russischen Aggressionsstreitkräfte. Zudem werden immer wieder von belarussischem Gebiet aus Raketen Richtung Ukraine abgefeuert, außerdem starten und landen von dort aus russische Militärflugzeuge. Mindestens 9000 russische Soldaten sind inzwischen im Süden von Belarus statio­niert, wenige Kilometer von der Ukraine entfernt.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

„Hunderte belarussische Freiwillige kämpfen für die Ukraine, zugleich militarisiert sich die belarussische Opposition in Litauen und Polen“, schrieb der im Exil lebende Politologe Artjom Schraibman in seinem Blog im Nachrichtenkanal Telegram. Das Land droht in den Strudel des Krieges zu geraten.

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Viel war zuletzt darüber spekuliert worden, dass Moskau Druck auf Minsk ausübe, sich am Krieg aktiv zu beteiligen. Der im israelischen Exil lebende Geschäftsmann Leonid Newslin behauptet auf Twitter, Makej sei „mit einem Gift getötet worden, das in einem Speziallabor des FSB (Russlands Inlandsgeheimdienst) entwickelt wurde“. Es habe sich beim Anschlag also um eine Art Warnschuss an Lukaschenko gehandelt.

Diese Woche wollte er Lawrow treffen

Ohne Beweise vorzulegen, twitterte Newslin weiter, seine Gifttheorie sei „bestätigt“ worden – und wies darauf hin, dass der belarussische Außenminister „keine gesundheitlichen Probleme hatte, einen aktiven Lebensstil führte und Pläne machte“. Diese Woche wollte Makej seinen Kremlkollegen Sergej Lawrow in der bela­russischen Hauptstadt Minsk treffen.

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Es ist sehr einfach, eine Person zu vergiften, sodass jeder denkt, sie sei eines natürlichen Todes gestorben.

Leonid Newslin,

Kremlkenner im Exil

„Es ist sehr einfach, eine Person zu vergiften, sodass jeder denkt, sie sei eines natürlichen Todes gestorben“, scheibt Newslin. Er glaubt, dass das „Attentat“ durchgeführt wurde, um sicherzustellen, dass Belarus Wladimir Putins Invasion in der Ukraine weiterhin unterstützt. „Der Diktator traut niemandem“, so Newslin. „Nicht ohne Grund. Er glaubt, dass nach Makej eine großartige Beerdigung für ihn arrangiert werden kann … der Kreml ist bereit, alle Hebel einzusetzen, um Druck auf das belarussische Regime auszuüben.“

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Auch Igor Suschko, Leiter der in Washington ansässigen Denkfabrik Wind of Change Research Group, verbreitet die „Vergiftungsthese“ und beruft sich dabei auf angebliche Papiere von Whistleblowern aus dem Inlandsgeheimdienst FSB. Während man im Kreml zu Beginn des Krieges Lukaschenko als treuen Fall betrachtet habe, sei er zunehmend außer Kontrolle geraten. Deshalb sei seine Beseitigung erklärtes Ziel. Russische Oppositionelle melden nunmehr, Lukaschenko habe große Angst und hätte „angeordnet, dass seine Köche, Bediensteten und Wachen ersetzt werden … und dass seine Kinder zusätzlichen Schutz erhalten“.

Denkfabrik: Putin hat genug von Lukaschenko

Putin habe genug vom belarussischen Diktator und sich bereits für einen radikalen Schritt entschieden, um den Vasallenstaat in den Krieg gegen die Ukraine zu zwingen, behauptet die US‑Denkfabrik Robert Lansing Institute for Global Threats and Democracies Studies unter Verweis auf Quellen in der russischen Militär­führung. Auf Anweisung von Putin könnte der russische Militärgeheimdienst (GRU) „in den kommenden Tagen versuchen, ein Szenario zu verfolgen, das entweder ein Attentat auf den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko oder dessen Nachahmung vorsieht“, spekulierten die US‑Experten bereits vor Wochen. Russland strebe mit dem Szenario „die Zusammenlegung der beiden Armeen unter einem eigenen Kommando“ an.

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Anton Gerashchenko (49), Berater des ukrainischen Innenministers, glaubt auch an einen Giftanschlag: „Es gibt Gerüchte, dass er vergiftet worden sein könnte. Makej wurde als möglicher Nachfolger von Lukaschenko gehandelt. Er war einer der wenigen, die nicht unter russischem Einfluss standen“, twitterte er. Und: „Gerüch­ten zufolge könnte dies ein Fingerzeig an Lukaschenko sein.“

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Makej war gegen den Ukraine-Krieg

Dagegen glaubt der ehemalige Duma-Abgeordnete und IT‑Unternehmer Ilja Ponomarjow auf dem Youtube-Kanal „Freedom“ tatsächlich an einen zufälligen Tod Makejs – also an Herzprobleme: „Aber das ist absolut unwichtig – entscheidend ist, wie Lukaschenko diesen Tod wahrnimmt. Vor allem werden sie versuchen, ihn zu überreden, in die Ukraine einzumarschieren. Ob er diesem Druck jetzt standhält oder nicht, weiß ich nicht. Bisher steht nur Lukaschenko persönlich zwischen dem Einmarsch in die Ukraine und Moskau. Er will nicht, und er gibt nicht nach, er wehrt sich dagegen. Makej war eine der Schlüsselpersonen in der belarussischen Führung, die auch generell gegen diesen Krieg war und die kriegsfeindlichste Position in der gesamten Führung einnahm.“

RND/stu

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