Missbrauch: Benedikt weist Verantwortung von sich – hart, härter, Ratzinger

Papst Benedikt im Jahr 2012.

Berlin. Zweieinhalb Wochen hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. benötigt, um die Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in einer Erklärung um Verzeihung zu bitten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Und zweieinhalb Wochen, nachdem ihm Juristen in einem Gutachten Mithilfe beim Vertuschen von Missbrauchstaten in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising vorgeworfen hatten, sagt der frühere Kardinal Joseph Ratzinger nun: Stimmt nicht, hat nichts mit mir zu tun, bitte betet für mich.

Damit bestätigte Benedikt vor allem ein Klischee: hart, härter, Ratzinger.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was ist mit einem Mann los, der zwar bezeugt, dass er in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen habe, gleichzeitig jedoch von Fehlern spricht, die in seinen Amtszeiten an den entsprechenden Orten „geschehen sind“? Auch heute noch tut Benedikt, als hätte er nichts damit zu tun. Doch wer bereit ist, Verantwortung anzunehmen, der muss auch Verantwortung in schweren Zeiten übernehmen.

Benedikt tut dies nicht und flüchtet sich in Larmoyanz und Selbstmitleid. Das macht ihn zum schwachen Hirten.

Vielleicht empfindet er wirklich „tiefe Scham“ und „großen Schmerz“. Hoffentlich ist seine „Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs“ wirklich so aufrichtig, wie Benedikt es erklärt. Es hat jedoch alles zu lange gedauert.

Etliche Bischöfe beknieten Benedikt nach Veröffentlichung des Gutachtens geradezu, Worte der Entschuldigung an die Missbrauchsopfer zu richten. Jeder Tag, der seitdem ohne verstrich, fraß am Wert seiner Worte.

Benedikts Erklärung ist der Versuch, die Deutungshoheit zurückzugewinnen sowie sich als Unverstandener und Opfer böswilliger Unterstellungen zu inszenieren. Das ist falsch verstandene Autorität, enttäuscht viele Opfer, schadet seiner Kirche – und wird scheitern.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.