„Das Bild sollte es gar nicht geben“

So entstand das historische Merkel-Foto beim G7‑Gipfel

Wer führt in Zukunft die freie Welt? Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Rahmen der G-7-Konferenz am 8. Juni 2015 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama auf einer Wiese bei Schloss Elmau vor der Wettersteinspitze. Das Motiv entsteht nach dem offiziellen Gruppenfoto und wird zum Symbol des Treffens.

Wer führt in Zukunft die freie Welt? Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Rahmen der G-7-Konferenz am 8. Juni 2015 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama auf einer Wiese bei Schloss Elmau vor der Wettersteinspitze. Das Motiv entsteht nach dem offiziellen Gruppenfoto und wird zum Symbol des Treffens.

Berlin. Michael Kappeler ist Cheffotograf der Deutschen Presseagentur und mit seiner Kamera immer dabei, wenn sich die Mächtigen in Deutschland in der Öffentlichkeit bewegen. 2015 gelang ihm das Bild des G7-Gipfels in Elmau. Das Foto von der gestikulierenden Angela Merkel ging um die Welt und wurde unzählige Male in den sozialen Netzwerken verarbeitet. In seinem mit Fotoausrüstung vollgestopften Berliner Büro erzählt er im RND-Interview, wie das Bild entstanden ist.

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Herr Kappeler, Sie haben beim letzten G7-Gipfel in Elmau 2015 eines der bekanntesten Bilder von Angela Merkel geschossen. Der Schnappschuss von ihr mit Barack Obama ist eines der bekanntesten Bilder ihrer Kanzlerschaft. Wie kam es dazu?

Dieses Bild sollte es in der Form gar nicht geben. Das Bild ist wie alle guten Pressebilder nicht geplant entstanden, sondern nur durch Zufall. Um es kurz zu erklären: Bei den G7‑Gipfeln können wir uns immer nur sehr kontrolliert von einem Fotopunkt zum nächsten bewegen. Der Plan des Bundespresseamtes war es eigentlich, alle Teilnehmer der G7 auf eine lange Bank zu setzen und davon ein Gruppenbild vorm Alpenpanorama zu machen.

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Auf dem Weg zu diesem Motiv wurde ich mit einigen Kollegen hinter der Bank vorbei geführt. Dabei saß Obama bereits auf der Bank und die Bundeskanzlerin kam genau in diesem Moment hinzu und hat kurz auf ihn eingeredet. Die beiden waren abgeschirmt von Secret-Service-Beamten, ich sollte das also eigentlich gar nicht fotografieren. Trotzdem ist im Vorbeigehen mit fünf oder sechs Auslösungen dieses Bild entstanden. Das Ganze hat nicht länger als eine gute Sekunde gedauert, dann war die Situation schon wieder vorbei.

Was war Ihr Eindruck von der Atmosphäre in diesem Moment zwischen den beiden?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass unsere Art der Fotografie immer den Augenblick darstellt. In der damaligen Weltlage waren diese beiden Personen die wichtigsten Politiker auf der Welt. Das macht das Bild so interessant, dass es die Führer der damaligen Welt in einem so vertrauten Moment zeigt, der uns sonst oft verschlossen bleibt.

„Jetzt bin ich frei“

Sechs Monate nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft hat Angela Merkel das RedaktionsNetzwerk Deutschland zu dem ersten Interview in ihrem neuen Büro empfangen. In dem sehr persönlichen Gespräch blickt die Bundeskanzlerin a.  D. zurück auf ihre Russland-Politik und die Entscheidung für Nord Stream 2. Und erklärt, warum sie nie offen Partei für die Ostdeutschen ergriffen hat.

Das Bild war damals auf dem Titel quasi aller Zeitungen, auch im Internet wurde es unzählige Male geteilt und in Memes verarbeitet. Haben Sie vorher schon einmal so viel Resonanz auf ein Bild bekommen?

Das war für mich tatsächlich eher ungewöhnlich, da wir in einer Zeit leben, in der jede Situation aus fünf verschiedenen Perspektiven aufgenommen wird und die Originalität stark abgenommen hat. Das hat es in der Vergangenheit viel häufiger gegeben, als beispielsweise noch analog auf Film fotografiert wurde und dadurch automatisch weniger Bilder entstanden. Deswegen war das so etwas Einmaliges für mich und wird mutmaßlich auch einmalig bleiben.

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Gibt es eine Reaktion, die Sie besonders erfreut oder belustigt hat?

Nein. Das Bild ist so ikonisch, weil es so einfach zu erklären ist. Das ist auch ungewöhnlich: Dass du ein Bild beschreiben kannst, ohne es zu sehen. Ich habe in meiner Laufbahn mehr als 18.000 Bilder von Angela Merkel gemacht. Von diesen könnte ich kein anderes jemandem beschreiben, sodass er wüsste, dass ich dieses Bild meine. Das ist für mich natürlich eine schöne Erinnerung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Sie haben bereits angesprochen, dass auf diesen Gipfeln quasi alles, was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt, inszeniert ist. Die Tage sind minütlich durchgeplant, Fotomotive vorher gründlich ausgesucht. Wie schafft man es dennoch, authentische Eindrücke einzufangen?

Unsere goldenen Sekunden sind die Augenblicke vor und nach der Inszenierung. Sobald die Politiker der Situation gewahr sind, inszenieren sie sich so, wie sie wollen: Sie setzen den Gesichtsausdruck auf, den sie transportieren wollen – ernst, kämpferisch, was auch immer. Aber in dem Moment, bevor die erwartbare Situation eintritt, in dem Moment, in dem sie wieder gelöst sind von der Situation – in diesen Momenten müssen wir besonders wachsam sein als Fotografen.

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Mittlerweile wird die Bundesrepublik bei diesen Gipfeltreffen von anderem Personal vertreten. Bietet Olaf Scholz andere Motive als Merkel?

Für uns ist Scholz natürlich viel schwieriger zu fotografieren. Als Mann im Anzug fällt er nicht besonders auf. Umso fokussierter muss man darauf sein, ihn aus einer Masse heraus zu isolieren. Das war mit Angela Merkel in ihren bunten Sakkos natürlich einfacher. Die ist wie in einem Wimmelbild in der Masse der schwarzen Anzüge immer aufgefallen.

So muss man sich andere Perspektiven und Motive einfallen lassen, auf neue Details und Kleinigkeiten achten. Deswegen ist es auch für uns spannend, jetzt mit einem neuen Kanzler zu arbeiten.

G7-Gipfeltreffen beginnt auf Schloss Elmau in Bayern

Bei dem dreitägigen Treffen geht es um Klimaschutz, Hungersnot, Inflation und weitere Hilfe für die Ukraine.

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