Züge auf Schleichfahrt

Lokführer der Deutschen Bahn müssen deutlich öfter abbremsen als bislang bekannt

Auch der Bahnverkehr am Hauptbahnhof in Wolfsburg ist von der Bomben-Entschärfung betroffen.

Eine Verspätungsanzeige an einem Bahnhof. (Symbolbild)

Ist das Schienennetz der Deutschen Bahn noch maroder als bislang vom Staatskonzern an den Bund gemeldet? Recherchen des „Spiegels“ zeigen, dass deutlich mehr sogenannte Langsamfahrstellen existieren, als offiziell bekannt. Das Nachrichtenportal beruft sich auf bahninterne Streckendaten für Lokführer, die täglich neu ausgegeben werden. Diese legen offen, an wie vielen Stellen in Deutschland tatsächlich das Tempo bei der Bahn rausgenommen werden muss – und warum.

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So bremsten die Bahn am 3. Juni insgesamt 331 Langsamfahrstellen aus. Mehr als 60 Langsamfahrstellen waren auf Mängel zurückzuführen, etwa auf schadhafte Brücken, defekte Signale und Bahnübergänge oder auf Schäden am Gleis. 123 Bummelstrecken lagen an Baustellen, bei 71 nennt die Bahn in den Unterlagen als Begründung „sonstiger Grund“. Seit der Einführung des 9-Euro-Tickets seien laut „Spiegel“ noch weitere Langsamfahrstrecken hinzugekommen – genau das Gegenteil wurde noch vor Einführung des Billigtickets von Bund und Bahn versprochen.

Allein 225 dieser Langsamfahrstrecken bestehen seit mehr als einem Monat. Einige von ihnen bereits seit über fünf Jahren. Und das hat Auswirkungen auf den gesamten Fahrplan, der auf An- und Abfahrzeiten von Zügen aufbaut. Doch können die Zeiten – offensichtlich wissentlich – durch immer neu hinzukommende oder wechselnde Langsamfahrstellen gar nicht mehr garantiert werden. Millionen Bahnreisenden zum Leid.

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Gemeldete Zahlen an Bund deutlich niedriger

Eine prekäre Erkenntnis, die die bahninternen Daten ebenfalls aufzeigen: Die Bahn soll nach dem Eisenbahnunglück am 3. Juni in Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten und fast 70 Verletzten weitere Langsamfahrstellen aufgrund von Mängeln an den Schienen angeordnet haben, berichtet der „Spiegel“. Nach dem Unglück sollen im Verzeichnis der Langsamfahrstellen „für die Region Süd“ plötzlich mehr als 50 neue Streckenabschnitte aufgetaucht sein mit der Begründung: „Oberbaumangel“.

Welche Zahlen die Deutsche Bahn dem Bund meldet, zeigte sich zuletzt in einer Anfrage aus der Fraktion der Grünen an das Verkehrsministerium. Das Ressort berief sich in seiner Antwort auf Daten der DB Netz AG: „Im Vergleich von 2016 zu 2021 ist die Anzahl der Langsamfahrstellen annähernd gleich geblieben (2016: 485; 2021: 476). Aktuell (April 2022) gibt es 189 Langsamfahrstellen.“

Dass sich die Angaben des Staatskonzerns an den Bund zu Langsamfahrstellen zu den bahninternen unterscheidet, begründet die Bahn mit der Festlegung der meldepflichtigen Schleichfahrten. So meldet die Bahn dem Bund „ausschließlich die mängelbedingten Langsamfahrstellen, die aufgrund von Modernisierung und Instandhaltung der Infrastruktur erforderlich sind“.

RND/fw

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